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09.10.2010  Adalbert Meier: 50 Jahre Orgelmusik für die Leprahilfe


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50 Jahre waren es im Oktober 2010, in denen Adalbert Meier (10.02.1926 - 13.03.2021) mit seinen Orgelkonzerten in der Basilika Ottobeuren die Deutsche Lepra- und Tuberkulose-Stiftung finanziell unterstützt hat. Statt eines Honorars spendete er über 3 Millionen Euro! Unterstützung fand er dabei bei seiner Frau Irmingard, die Programme auslegte und die Spendenkörbchen herumreichte.

Neben der abgebildeten Bundesvorsitzenden der DAHW (1957 als Deutsches Aussätzigenhilfswerk gegründet), Gudrun Freifrau von Wiedersperg war auch das Ehepaar Sybille und Arthur Groß (09.12.1935 - 31.01.2019) zugegen, das über viele Jahre mit den Marktoberdorfer Chören nach Ottobeuren kam, um gemeinsam mit Adalbert Meier aufzutreten. Meier hat sich für die einstündigen Samstagnachmittag-Konzerte immer hochkarätige Solisten oder Ensembles aus der Region als Partner gesucht. Daneben kamen ein Vertreter der Abtei, Pater Christoph Maria, des Touristikamts sowie der Marktgemeinde.

Die Ehrung fand am 9. Oktober 2010 im „Vogelzimmer“ der Abtei statt. Auf der Homepage des DAHW wurde ein eigener Artikel veröffentlicht: Link DAHW. Neben der Urkunde zeichnte die Präsidentin beide auch mit der goldenen Ehrennadel des DAHW aus.

Thematische Ergänzung: Nach einem letzten Orgelkonzert am 26.09.2015 wurde Meier verabschiedet. Am Ende des Artikels zum 24. Ordenstag (MMZ vom 29.09.2015, S. 30) hieß es:
Der fast 90 Jahre alte Organist gab bei dieser Gelegenheit sein letztes Orgelkonzert. „Er hat musikalisch, kirchlich und im sozialen Bereich Beachtliches geleistet, betonte Landrat Weirather.

Auf Seite 33 erschien zur Verabschiedung ein eigener Artikel („Verdienter Schlussapplaus“) von Hans Honold. Diesmal war Gudrun Freifrau von Wiedersperg samt DHAW-Präsidium und Freunden in einem Bus angereist. Beim Empfang nach dem Konzert (Konzertpartner war der Liederkranz Füssen unter Gisela Reichherzer) wurde die 2010 von der Präsidentin genannte Spendensumme auf 3,3 Mio Euro erhöht. Bürgermeister Fries, Landrat Weirather und Abt Johannes Schaber überreichten Geschenke. Gerührt von diesem Zuspruch nannte Meier einen Beweggrund für sein Wirken:
Ich war schon immer in meinem Leben ein Glückspilz. Viele meiner Kameraden mussten ihr Leben im Krieg lassen. Auch deshalb wollte ich anderen helfen.

Von Widersperg dankte auch Irmingard Meier, da sie sich um die gesamte Organisation der Orgelkonzerte gekümmert hat. Frau Meier daraufhin:
Als wir 1961 heirateten, spielte mein Mann am gleichen Tag ein Konzert. Da wusste ich, worauf ich mich eingelassen habe.

Wenige Monate vor seiner Ehrung – am 29.05.2010 – gab Meier ein gemeinsames Konzert mit dem Ottobeurer „Chor96“. Seinen letzten Auftritt in der Ottobeurer Basilika hatte Meier am 28.05.2016.

In seiner Todesanzeige (Memminger Zeitung, 16.03.2021, S. 32) hieß es: Nach einem langen, glücklichen Leben, erfüllt von der Leidenschaft für das Orgelspiel und dem unermüdlichen Einsatz für die Leprakranken, ist uns in das ewige Leben vorausgegangen Adalbert Meier, *10.02.1926, †13.03.2021, Lehrer im Ruhestand und Kirchenmusiker, Gründer der Ottobeurer Samstagnachmittagskonzerte und Träger zahlreicher Orden und Auszeichnungen. Dankbar, Teil seines Lebens gewesen zu sein, bleiben zurück
Irmingard Meier
Wilbet und Kurt Rothbauer
Martina, Robert, Florian,
Fabian, Valentin, Nikolaus
Das Requiem ist am Donnerstag, 18.03.2021, um 11 Uhr in St. Josef. Die Beisetzung findet im engsten Familienkreis statt. Im Sinne des Verstorbenenn bitten wir um eine Spende an das DAHW mit dem Stichwort Adalbert Meier.

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Die Hilfsbereitschaft wirkte somit sogar über seinen Tod hinaus. Am 19. März 2021 veröffentlichte das DAHW einen Nachruf, der das Lebenswerk und die Motivation des „Orgel-Meier“ eingehend beschreibt:

Adalbert Meier ist verstorben – Wir trauern um einen großen Unterstützer
Im gesegneten Alter von 95 Jahren verstarb am 13. März 2021 in Memmingen der Kirchenmusiker und Organist Adalbert Meier. Mit ihm verliert die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe einen treuen, engagierten Unterstützer. Sein musikalisches Talent hat er ausschließlich– stets unterstützt von seiner Ehefrau Irmingard – für Menschen eingesetzt, die von Lepra betroffen sind, und damit viel Gutes bewirkt: Mit seinen Orgelkonzerten in der Basilika des Klosters Ottobeuren und seinem Engagement darüber hinaus „erspielte“ er fast 4 Millionen Euro an Spendengeldern für unsere weltweite Lepra-Arbeit.

Der ehrenamtliche Einsatz von Adalbert Meier begann bereits 1960, nachdem er einen Artikel über Lepra in Äthiopien gelesen hatte. Das Leid der betroffenen Menschen schockierte ihn sehr. Als er erfuhr, dass die DAHW für den Bau eines Lepra-Hospitals in eben jenem äthiopischen Lepradorf Bisidimo noch Geld benötigt, wurde er umgehend aktiv. Gemeinsam mit seiner Frau gründete er die Ottobeurer Samstagnachmittagskonzerte – in manchen Jahren waren es mehr als 30 –, bei denen Spenden für die DAHW gesammelt wurden. In über sechs Jahrzehnten unterstützte er durch sein breites Engagement und mit zusätzlichen Spenden auch aus dem privaten Vermögen die Leprahilfe der DAHW mit fast 4 Millionen Euro. Darüber hinaus wurde der „Orgel-Meier“ zu einem wichtigen Botschafter der DAHW und trug wesentlich zur Bekanntheit des Würzburger Hilfswerks in der Region bei.
Adalbert Ferdinand Meier wurde am 10. Februar 1926 in Amberg geboren. Er war ein musikalisches Ausnahmetalent. Er holte nach dem Krieg sein Abitur in Kaufbeuren nach und studierte Lehramt und Musik. Er war als Volksschul- bzw. Grundschullehrer tätig und arbeitete für das Bistum Augsburg als Dekanatskantor und als Orgelsachverständiger. Beruflich brachte er Kindern die Musik nahe, gründete unzählige Chöre und gab einzelnen Kindern die Freude an der Musik weiter. Meier komponierte Messen, Singspiele und Kantaten. Sein virtuoses Orgelspiel ist auf zahlreichen Schallplatten, Kassetten und CD sowie in Rundfunk- und Fernsehaufnahmen verewigt, stets zugunsten der DAHW veräußert. Für das außergewöhnliche ehrenamtliche Engagement erhielt Adalbert Meier 1975 und 2015 zusammen mit seiner Frau Irmingard das Bundesverdienstkreuz, 1977 den Bayerischen Verdienstorden, 1983 die Landkreisnadel des Landkreises Unterallgäu, 1986 das Stadtsiegel der Stadt Memmingen und 1988 die goldene St. Ulrich-Nadel des Bistums Augsburg.