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07.05.1904  Maler-Atelier Alois Haugg/ Schneidermeister Martin Scherer


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Die Aufnahme mit dem Geschäft des Schneidermeisters Martin Scherer und dem Atelier des Malers Alois Haugg zeigt ein Gebäude zwischen alter Sonne und der Westlichen Günz.

Die Familie Haugg stammte ursprünglich aus einer zu Sontheim gehörigen Einöde „Bergbauer“, das ursprüngliche schlossähnliche Wohnhaus steht seit einigen Jahren leider nicht mehr. Alle fünf Geschwister wurden Kirchenmaler. Am 7. Mai 1904 erschien im Ottobeurer Wochenblatt erstmals eine Geschäftsanzeige (ein zweites Mal am 14. Mai). Von der Kirchenmalerei alleine konnte man offensichtlich nicht leben, die Palette der Angebote war deshalb sehr umfassend, sie reichte vom Farben- und Tapetenhandel, Lackierarbeiten, Firmenschildern, Fahnen- und Wappendekoration bis zur Theatermalerei. Als Adresse war nur „nächst dem Hirsch“ angegeben.

Die hier abgebildete Karte hat vom Text her allerdings nichts mit der Familie Haugg zu tun, sondern mit den benachbarten Scherers. 1904 findet sich nur am 10. November eine für den 31.10. gezeichnete Annonce des Schneidermeisters Martin Scherer, in der „für den bevorstehenden Winter“ eine feine Auswahl an Pelzwaren angeboten wird, darunter: Müffe, Colliers und Kragen, Damenbaretts, Pelzmützen, -kragen, -handschuhe, Tuchmützen, Plüschmützen, Krimmermützen, Filz- und Lodenhüte.

Der Kartentext lautet:

Poststempel 25.08.1910 (Marke fehlt)
Herrn Anton Scherer
Schneidermeister
Blindheim a./D.(onau)

Ottob. d. 24.8.10
Liebe Grüße an Urschi und Greti.
Liebster Vetter,

bin ganz gut in O.(ttobeuren) angekommen. Noch-
mals für alles den besten Dank. Ich
habe kein einziges Ei zerbrochen.
Wir haben schönes Wetter. Ist Urschi
beim Preisinger schon fertig?
Die besten Grüße v. Mutter u. mir an
Euch alle sendet Eure Nichte Joh.(anna) Scherer

Im Jahr 2004 feierte man bei der „Kirchenrestaurierung Haugg“ in Buxheim das 100-jährige Firmenjubiläum. Es enthält ein riesiges Œuvre. Der Fest-Flyer gibt das Werkverzeichnis wieder von:

Alois und Matthäus Haugg
(1904 - 1931, Ottobeuren)
Alois Haugg und Georg Haugg
(1930 - 1956, Sontheim - Ottobeuren)
Georg Haugg und Sohn
(1956 - 1976, Ottobeuren)
Haugg Kirchenrestaurierung GmbH
(seit 1977, Ganghoferstr. 5, Buxheim)

Die Detailliste wurde im März 2013 vom Flyer abgeschrieben (Word und pdf).

Das Bild aus der Pfarrkirche St. Theoder und Alexander – früher zu Ottobeuren gehörig – zeigt einen Ausschnitt aus dem zentralen Fresko mit einer Darstellunhg Haldenwangs aus der Zeit von 1924 und dem Signet der Gebrüder Haugg. (Der Chor96 aus Ottobeuren gab dort im April 2013 ein Konzert.) Die beiden Kirchenpatrone sind nicht nur in diesem Deckenfresko zu sehen, sondern stehen auch neben dem Hochaltar (der Haldenwanger Schreiner Peter und Hans Lerff, 1687/88). Ihre Schilde zeigen das Wappen der Abtei Ottobeuren. „Abt Isingrim ließ sich am 21. November 1152 die Besitzungen seines Klosters von Papst Eugen III. bestätigen und schenkte wenige Jahre später (1168) der Pfarrkirche von Haldenwang Reliquien des hl. Alexander. Am 3. Februar 1304 wurde die Pfarrei dem Kloster Ottobeuren einverleibt, 1699 trat Ottobeuren die Pfarrei samt Patronatsrechten an das Stift Kempten ab.“ (Zitat aus dem Kirchenführer Die Kirchen und Kapellen von Haldenwang - Börwang, 1. Auflage 2003, ISBN: 3-89870-113-1)
Ein weiteres Beispiel dafür, wie weit ins ganze Allgäu die Arbeiten der Hauggs ausstrahlten.