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29.05.1964  Briefmarkenausgabe „1200 Jahrfeier der Benediktiner-Abtei Ottobeuren“


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Zeitgleich in Bonn und Ottobeuren wurde am 29. Mai 1964 die „Ottobeuren-Briefmarke“ herausgegeben. Dazu waren auch bei uns zwei Sonderpostämter eingerichtet. Die BRD-Marke hat lt. Michel-Katalog die Nr. 428. Die Auflage betrug 20.000.000 (wegen der hohen Nachfrage um zusätzliche 2.430.000 erhöht, also 22.430.000 Marken), der Postverkauf endete am 30.11.1964, gültig war die Marke bis 31.12.1965. Bis 31.03.1966 konnte man die 20-Pfennig-Marken gegen gültige Postwertzeichen tauschen.

Abt Vitalis Maier hatte den Wunsch nach der Ausgabe einer Sondermarke bei der Orts- und Landespolitik schon im Frühjahr 1960 geäußert, ein Wunsch, der bis in die Bundeshauptstadt Bonn drang. Nach einer Absprache des Bundespostministers Richard Stücklen seitens des Bundespostiministeriums mit Vertretern der evangelischen und katholischen Kirche waren christliche Motive jährlich an sich nur zum Kirchentag sowie einem weiteren religösen Anlass vereinbart. Dr. Schuster aus dem Ministerium empfahl dem Abt am 24.05.1960, er solle sein Anliegen dem Katholischen Büro in Bonn unterbreiten, das alle Vorschläge dem kirchenpolitischen Gremium zur Stellungnahme zuleiten würde. Auf seiner Sitzung kurz vor Weihnachten 1960 befürwortete dieses kirchenpolitische Gremium den Vorstoß aus Ottobeuren. Abt Vitalis schickte am 12.11.1962 Motivvorschläge, die vom Kunstbeirat auf seiner 40. Sitzung am 01.03.1963 begutachtete, darunter der bekannte Klauber- bzw. Hälmle-Stich.
Mit Datum 20.03.1963 lud das Bundespostministerium die vom Kunstbeirat vorgeschlagenen sechs Grafiker zu einem Gestaltungswettbewerb ein, ein weiterer Interessent, der Münchner Bildhauer und Maler Karl Roth, der für die Marktgemeinde bereits mit der Gedenkmedaille beauftragt war, brachte sich selbst ins Gespräch. Aus wurden insgesamt 19 Entwürfe eingereicht. Diese wurden bei der 41. Arbeitssitzung am 28.06.1963 – unter Anwesenheit des Abtes – in München diskutiert, der Vorschlag Nr. 72931 A von Professor Eduard Ege wurde als „die mit großem Abstand beste Arbeit“ angenommen.
Nach Vorlage der Reinzeichnung erhielt die Bundesdruckerei am 18.07.1963 den Druckauftrag. Im Amtsblatt des Bundespostministeriums wurde die Ausgabe im Amtsblatt Nr. 48 vom 14.04.1964 angekündigt, mit der Verfügung Nr. 181, die 400.000 Schalterbögen dürften den Postämtern erst am 28. Mai 1964 zugeführt werden. Das Ausgabedatum orientierte sich am für den 31.05.1964 geplanten offiziellen Beginn der Jubiläumsfeierlichkeiten in Ottobeuren, die damit einhergehende Festwoche sollte durch den Apostolischen Nuntius, Erzbischof Dr. Corrado Bafile eröffnet werden; am Nachmittag des 31. Mai war ein Konzert angesetzt: Die fünfte Symphonie von Anton Bruckner, dirigiert von Eugen Jochhum. Da dieser Tag ein Sonntag war, wurde die Erstausgabe auf den 29. Mai 1964 vorgezogen, damit die Marke schon zum Beginn der Festwoche zur Verfügung stand.

Neben einer sogenannten Ministerkarte, die der Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen Richard Stücklen an ausgewählte Empfänger versandte, gab es eine Reihe von Ersttagsbriefen (FDC = First Day Cover). Der Entwurf der Marke stammt von Professor Eduard Ege (lt. Wikipedia *17. Februar 1893 in Stuttgart; † 10. August 1978 in München), einem deutschen Maler, Graphiker und Holzschneider, der u.a anderem auch Gebrauchsgrafiken wie das Logo der Deutschen Bundesbahn, das Münchner Stadtwappen oder das Bayerische Staatswappen herstellte. Die Marke wurde in einen einfarbigen Offsetdruck mit rot-schwarzem Stichtiefdruck von der Bundesdruckerei Berlin auf fluoreszierendem Papier ohne Wasserzeichen hergestellt. Das Motiv war ein Wunsch des damaligen Abtes Vitalis Maier, der sich eine historische Darstellung des Bestandes gewünscht hatte. Die Zeitschrift „Deutsche Briefmarken-Revue“ geht in ihrer Ausgabe vom September 2021 näher darauf ein sowie auf die diversen Entwürfe, die mehrere Grafiker vorlegten. Schon auf der Cover-Seite der Briefmarkenzeitschrift heißt es: „1200 Jahre Kloster Ottobeuren: Der Abt bestand auf einer Abbildung des Klosters!“ Der Autor Jan Billion schrieb auf den Seiten 30 und 32-34 einen sehr detaillreichen Artikel, in dem drei dieser Entwürfe abgebildet sind sowie zwei Andrucken auf „Vorlagekartons mit Trockensiegel“ der Bundesdruckerei.

Zu sehen sind hier 13 (von 15 bekannten) Ersttagsbriefe; welcher der einzig offizielle ist, bleibt zwar nicht gänzlich geklärt, dieser hier trägt aber als einziger den Schriftzug „Offizieller Ersttagsbrief“. Drei FDC sind in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn, die übrigen in Ottobeuren gestempelt. Beide Sonderstempel zeigen das romanische Kreuz, das Datum 29.5.1964, unterscheiden sich aber leicht im Schriftzug - und natürlich im Ortsnamen samt Postleitzahl (für Ottobeuren lautete die 8942). Zu sehen ist hier auch der Entwurf zur Briefmarkenausgabe vom 1.12.2013 zum Jubiläumsjahr 2014 von Helmut Scharpf.
Die Ministerkarte der Deutschen Bundespost hat das Format 10,3 x 20,0 (Umschlag, innen 10,0 x 19,7 cm), mit (einschl. Umschlag) 12 Seiten, davon Leerseiten auf S. 2, 6 und 8 - 12. Im Scan ist hier der Umschlag (als Bilddatei) sowie alle bedruckten Seiten als pdf - ohne Leerseiten - abrufbar. Im „Katalog Philatelistischer Staatgsgeschenke Deutschland ab 1947“ von Reinhard Sauer von 1995 ist (auf Seite 168) die Auflage der Ministerkarte (Typ IIIc, eine Variante, ohne rückseitige Drucknummer, die in dieser Form zwischen dem 15.10.1960 und 1968 herausgegeben wurde) mit 500 Stück und einem Katalogwert von 90 DM angegeben. (In der Philatelistischen Bibliothek im Gasteig in München hat der Katalog die Dokumentnr. 8662719500.). Für die Marke als solche gibt der Katalog „Michel-Spezial“ von 2013 auf S. 954 einen Sammlerwert von 30 Ct (postfrisch), bzw. 40 Ct (gestempelt), 1 € (auf Brief) und 2,60 € (auf FDC) an. Darüber hinaus gibt der Spezialkatalog von Michel einen Hinweis auf eine sogenannte „POL-Lochung“ (ein Verweis auf die Seiten der Markenheftchen). Im internationalen Sprachgebrauch wird eine solche Lochung auch als „Perfin“ (für: „perforated initials“) bezeichnet. Gemeint sind amtliche Lochungen von Marken insb. für Polizeidienststellen, die ihre Postwertzeichen auf diese Weise kennzeichneten, um eine unzulässige Verwendung zu unterbinden. Auch von Firmen sind solche Lochungen bekannt. An sich fanden Lochungen v.a. zwischen 1926 und 1945 statt, doch selbst für die 1950er Jahre sind noch Beispiele dokumentiert, aber bislang nicht für die Jubiläumsmarke von 1964.

Sogenannte „Maximumkarten“ sind für unsere Jubiläumsmarke nicht bekannt. Laut (einem Blogeintrag von) Lars Böttger wurde der Begriff in Frankreich um 1930 geprägt: „Carte Maximum“ - der Karte sollte das „maximale“ aus einem Thema herausholen: Karte + Briefmarke + Stempel bilden eine Einheit. Die Deutsche Post AG gab erstmals 2011 amtliche Maximumkarten heraus, vorher waren dies Ausgaben von nichtamtlich hergestellten Karten, egal ob privat oder gewerblich, mit Marke, Stempel und Kartenmotiv zum selben Thema.

Sogenannte Silberkarten gab es erst ab 1982. Im Sauer-Katalog heißt es dazu: „Um die Flut der kostenintensiven Geschenkkarten der Post und der Oberpostdirektionen (OPD) einzudämmen, wurden 1982 die Silberkarten erstmals ausgegeben. Ihre offizielle Bezeichnung lautet Kontaktgabe Zentrale Klappkarte mit Postwertzeichen. Diese Karten erscheinen mit einer Auflage von über 50.000 Stück und werden im wesentlichen über die Oberpostdirektionen (OPDs) verteilt. Sie können als eine Art Visitenkarte der Post betrachtet werden.“

Unter einem „Ersttagsblatt“ versteht man ein philatelistisches Erzeugnis, das mit Postwertzeichen, einer zugehörigen Ersttagsabstempelung und auf den Ausgabeanlass bezogenen Erläuterung und/ oder Illustration versehen ist. Ein Ersttagsblatt (ETB) ist nicht zur Beförderung auf dem Postweg vorgesehen. Ersttagsblätter wurden von der Bundespost erstmals 1974 herausgegeben (s. Wikipedia). Der Verlag Erich Braun aus Berlin gab schon vorher Privat-ETB heraus, z.B. von den Berlin-Marken Michel-Nr. 182-481 (mit Ausnahme 286-90, Brandenburger Tor), hatte sich dies also zum Geschäftsmodell erhoben. Abgebildet ist deshalb auch das ETB zur Ottobeurer Marke, welches einen beschreibenden Geschichtstext enthält.

Ein sicher sehr seltenes - vermutlich sogar einmaliges - Dokument zeigt die Versandhülle der Bundesdruckerei, die 100 Bögen á 50 Stück, zusammen also 5000 Briefmarken in fünf Taschen im Gesamtwert von 1000 DM enthielt. Es handelte sich um die Bestellung der Abtei Ottobeuren selbst, die verändlicherweise einen eigenen großen Vorrat an Marken anlegte.
Ein weiteres Dokument zeigt die Erstausgabe mit dem roten Freistempler der Abtei Ottobeuren.

Vom Ersttagsstempel gab es nur zwei, die zeitgleich mit dem Datum 29.5.1964 abgeschlagen wurden: 53 Bonn 1 und 8942 Ottobeuren. Sammler konnten Sendungen in freigemachten Umschlägen mit dem Vermerk „Ersttagsstempelung“ zwischen dem 29.05. und dem 01.06.1964 an eines der beiden Postämter schicken. Maßgeblich war der Tagesstempelabdruck auf den Umschlägen. Auch Gefälligkeitsstempelungen wurden vorgenommen.
Wegen des erwarteten großen Andrangs gab es in Ottobeuren zwei Sonderpostämter: Auf dem Marktplatz vor dem Rathaus und in der ehemaligen Knabenschule (heute: Haus des Gastes). Ersteres war vom 29. - 31.05.1964, letzteres vom 29.05. - 07.06.1964 geöffnet, jeweils von 10 bis 18 Uhr.

Die Memminger Zeitung berichtete u.a. am 28.05.1964.

Hinweis: Die Urheber der Umschlag-Grafiken sind nicht bekannt!