Marktgemeinde Ottobeuren
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11-1944 - Postkarten dokumentieren die schlechte Versorgungslage


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Anhand der Bestellungen der vier Kartenschreiber (vom 26. Mai bis 27. November 1944) lässt sich erahnen, wie die Menschen versucht haben, an Nahrung und Kleidung zu kommen. Die vier Postkarten - teils mit propagandistischen Sprüchen - gingen an Resi Pfeil im Grottenweg 223 in Ottobeuren.13b war die damals erstmals eingeführte Postleitzahl für Bayerisch-Schwaben.

Die Kartentexte sind noch nicht perfekt transkribiert:

Karte 1 vom 26.05.1944
Absender: Rauh F. Bauer (?), Goßmannshofen 93, Post Albishofen
Mit deutschem Gruß
Heil Hitler.
F. Rauh Bauer.
Aufdruck unter der Absenderangabe:
Der Führer kennt nur Kampf, Arbeit und Sorge.
Wir wollen ihm den Teil abnehmen, den wir ihm abnehmen können.

Text
Goßmannshofen, den 25. Mai 44.

Sehr geehrte Frau Pfeil!
Das zuletzt bestellte Ledereginol (?) ist
schon wieder alle, und ich muß wieder mit einer
Bestellkarte an Sie kommen, bevor Sie mich be-
suchen kommen. Senden Sie mir diesmal bitte
die dop(p)eld(t)e menge von Leder, also 10 kil(l)o und
? killo Gummiraginol (?). Es ist gut wenn man etw-
as Reserfen hat und kann(n) Ihnen durch meine zwei-
jährige Erfahrung die beste Zufriedenheit versichern.

 

Karte 2 vom 09.11.1944
Absender: Schwank, Ollarzried

Text
Ollarzried d. 9 Nov.

Frau Pfeil!
Wir senden kom(m)enden
Samstag einige Pfund Birnen
dem Ollarzrieder Boten mit
bei welchen Sie abholen kön(n)en

And. Schwank, Ollarzried

Karte 3 vom 21.11.1944
Absender: K. Holy, Mittenwald, Obb, Pension Rixner, Hindenburgstr. 5
(heute wohl Gästehaus Rixner, Laintalstr. 5, 82481 Mittenwald)
Touristischer Stempel Mittenwald („Sonne - Licht - Luft - Ruhe - 930-1100 m“)
Aufdruck unter der Absenderangabe:
Der Führer kennt nur Kampf, Arbeit und Sorge.
Wir wollen ihm den Teil abnehmen, den wir ihm abnehmen können.

Text
21.11.1944

Liebe Frau Pfeil!
Ich habe eine Bitte an Sie:
Fanny hat Ihnen wohl s. Zt. einen dicken gelblichen
Herrenrock mit gleicher Weste geschickt. Die Sachen
könnte ich nun hier dringend gebrauchen. Seien
Sie doch so gut & schicken Sie mir beide Stücke
schnell hieher - eingeschrieben natürlich. Die Auslagen
ersetze ich Ihnen natürlich. - Ich fühle mich hier
nach wie vor tief unglücklich & verlassen!!! Hätten
F. & ich uns doch damals schon trauen lassen, dann
wäre alles viel leichter wieder zusammen zu
kommen. Es ist ein Jammer! Für F. wäre es auch am
besten wenn sie schnell wie möglich aus Stgt. (Stuttgart)
hinauskäme so lange es noch geht! - Schreiben
Sie doch auch mal an mich - ich (bitte daraum?)!
Gott möge uns alle beschützen!
                  Herzl. Grüße Ihnen Beiden
                                                     von K. Holy

Karte 4 vom 27.11.1944
Absender: Norbert Schönmetzler in Schwenden/Ittelsburg, 13b über Memmingen
(heute Bad Grönenbach, an der A7)
Stempel Memmingen 29.11.44
Aufdruck unter der Absenderangabe:
Wer nach Alarm.
                die Fernsprechleitungen mit
                privaten Gesprächen verstopft,
                gefährdet die Betreuung der
                durch Luftangriff Geschädigten!

Text
Schwenden, den 27.11.44

Sehr geehrte Frau Pfeil!
Möchte nun anfragen, wie es mit den
Schuhen steht. Der Kleine sollte sie haben.
Heute, muß man Geduld haben, wenn er nur
noch welche bekommt. Der Gockel ist schon ganz
groß. Ihre vielen Gänge werde ich vergleichen.
                Nun herzliche Grüße von uns alle(n)
                                               Anna Schönmetzler

(Zur Verfügung gestellt aus der Sammlung Helmut Scharpf)