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14.11.1923 Inflationsbeleg auf Ansichtskarte von Klosterwald


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Der Platz auf der Rückseite reichte für die Briefmarken nicht mehr aus: Sechs Briefmarken á 500 Millionen Mark waren bereits verklebt, da musste die Bildseite für weitere zwei Milliarden Mark herhalten. Insgesamt betrug das Porto für die einfache Ansichtskarte, die am 14.11.1923 von Klosterwald mit Stempel Hawangen nach Attenhausen lief 5 Milliarden Mark.

Der Rekordstand der sogenannten Hyperinflation stand kurz bevor. Für einen Eilbrief von Ottobeuren nach Oberfranken waren am 28.11.1923 ganze 240 Milliarden Mark Porto fällig.

Die Ansichtskarte mit Werbung für die „Mädchen-Mittelschule und Haushaltungsschule Klosterwald“ wurde von einem Verlag in Leimersheim (Lkr. Germersheim in Rheinland-Pfalz) herausgegeben und zeigt das Kloster der Maria Stern-Schwestern in Klosterwald. Empfänger der Karte war „Herr Anton Huber in dem Gasthaus Rinderle in Attenhausen, [Bahn-]Station Sontheim“.
Wer den in Kurzschrift verfassten Kartentext lesen kann, bitte melden!

Passend eine Zeitungsmeldung aus der Zeit:

Ottobeurer Tagblatt Nr. 259, Montag, 10.11.1923, S. 5:
Ottobeuren. Das Einkassieren der Zeitungsbestellgelder stößt hier auf besondere Schwierigkeiten, weil es Leute gibt, die heute noch mit 50 und 100 000 Markscheinen bezahlen, sodaß das Zählen dieser nicht mehr im Verkehr befindlichen Sorten eine Menge Zeit in Anspruch nimmt. Wir richten an unsere Leser in Ottobeuren die Bitte, die Bestellgelder möglichst in großen Scheinen so herzurichten, daß deren Abholung keinerlei Schwierigkeiten macht. Man muß doch bedenken, daß die Zeitungsträgerinnen mehrere hundert Beträge einzukassieren haben und ihre Zeit auch nicht verschenken können.

Die Not der Menschen war in der Inflationszeit groß, was auch Hamsterer auf den Plan rief:
Ottobeurer Tagblatt Nr. 260, Dienstag, 13.11.1923, S. 3
Mit Fuhrwerk zum Betteln. In den letzten Tagen konnte man im Allgäu beobachten, wie herumziehendes Volk per Fuhrwerk zum Betteln ging. Ein junger, stämmiger Bursche stand bei dem Furhwerk an der Straße, wärhend das Weibervolk und die Kinder die einzelnen Weiler und Bauernhöfe abbettelten und nicht zum Verlassen des Hofes zu bewegen waren, bis sie nicht eine Menge Mehl oder Kartoffeln bekommen hatten. Es ist dies eine Landplage, gegen die eingeschritten werden muß, denn es ist keine Seltenheit, daß man die Bauern sagen hört, wenn es so fortgeht, haben wir im Winter selbst keine Kartoffeln mehr. Täglich kommen zehn bis zwanzig solcher Gäste und das Wort „Saubauer, wenn du nicht etwas hergibst, zündet man dir den Hof an“, fällt nicht selten. Es ist auf dem Lande bekannt, daß die Not in der Stadt groß ist, allein der Bauer will sich für seine Mildtätigkeit nicht auch beschimpfen lassen. Vor allem ist eine strengere Kontrolle notwendig, damit nur Bedürftige betteln und nicht solche, die am Abend ihr zusammengebetteltes Mehl und Fett verkaufen.

Sammlung Helmut Scharpf, 02/2018.