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31.10.2019 – „Erich Schickling, ein Leben mit der Kunst“, Kunstausstellung und Werkverzeichnis


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Ein Beitrag anlässlich des „internationalen Museumstages“ am 17. Mai 2020!
Michael Trieb
, seit 2018 Vorsitzender des Förderkreises der Erich-Schickling-Stiftung, berichtete auf der Vernissage zur Kunstausstellung „Erich Schickling, ein Leben mit der Kunst“, wie es zur Erstellung eines Werkverzeichnisses zum Œuvre von Erich Schickling (*19.04.1924, Pickau  heute Bykow in Tschechien, † 16.02.2012, Eggisried) kam, hier ergänzt durch weitere Quellen:

Nach dem Tod von Erich Schickling 2012 wurde die Verpflichtung, sein Werk zu ordnen und zugänglich zu machen, immer deutlicher und dringlicher. Landrat Dr. Hermann Haisch [06.12.1938 - 14.11.2019] hat dieses Vorhaben kontinuierlich auf den Weg gebracht und die Initialzündung beim Bezirk Schwaben und beim damaligen Bezirkstagspräsidenten Jürgen Reichert ausgelöst. Nach dem Besuch des Bezirksheimatpflegers Dr. Peter Fassl wurde Kontakt zur kunstwissenschaftlichen Fakultät der Uni Augsburg geknüpft. Die stellvertretende Dekanin, Frau Professorin Dr. Dorothea Diemer, hielt die Erstellung eines historisch-kritischen Werkverzeichnisses als Grundlage der zukünftigen Arbeit für unbedingt erforderlich, um  das Gesamtwerk des Künstlers Erich Schickling angemessen zu erhalten und einem weiteren Publikum zu präsentieren. Detailliert listete sie die erforderlichen Arbeitsschritte zum Werkverzeichnis auf.
Dem voraus ging das gemeinsame Ringen um die Finanzierung dieses Projektes. Dr. Haisch sprach den Bezirkstagspräsidenten Reichert an, in Eggisried gab es ein Gespräch mit Landrat Hans-Joachim Weirather. Man verständigte sich auf eine Drittelung der Gesamtkosten in Höhe von 54.000 Euro: je 18.000 wurden von der Regierung von Schwaben, vom Landkreis Unterallgäu und der Marktgemeinde Ottobeuren geschultert.

Der frühere Bezirksheimatpfleger und ehemalige Museumsdirektor der nicht-staatlichen Museen in Schwaben, Prof. Dr. Hans Frei (1999 einer der Stiftungsgründer), hatte schon zu Lebzeiten des Künstlers darauf gedrängt, Erich Schickling solle das Werkverzeichnis selbst noch erleben. Zusammen mit Erwin Holzbaur, einem Künstlerkollegen Schicklings und damaligem Kreisheimatpfleger, legte er zusammen mit der Eugen-Lidl-Stiftung (gegründet am 01.10.2003 „zur Erforschung und Pflege der schwäbischen Geschichte und Kultur“) den ersten Grundstein zum späteren Werkverzeichnis.

Für den Künstler selbst hatte die Erstellung eines Werkverzeichnisses keine Priorität. Die Herausgabe des 1. Katalogs 1995 machte die Notwendigkeit eines Werkverzeichnisses erneut deutlich; seine Frau Inge (Ingeborg Maria, geb. Trapp, 19.03.1925 - 22.09.2016; Heirat 1955) drängte ihren Mann: „Erich, wir müssen was machen!“ Inge hat sporadisch Notizen zu den Wirkorten gemacht, Erich Schickling hatte viele Zettel, manchmal mit Jahreszahlen. Auch Ulrike Meyer nutzte immer wieder die Gunst der Stunde, um ihn nach den Hintergründen der Kunstwerke zu befragen. Die Notizen und Zettel waren oft Grundlage dafür, dass Peter Sadlowski die früheren Wirkorte aufspüren konnte. Damit waren erste Voraussetzungen für die Erstellung des Werkverzeichnisses gelegt.

2016 begann die dreijährige Projektarbeit von Frau Johanna Gerstner, die an der Uni Augsburg Kunstgeschichte und Bildwissenschaft studiert hatte. Ihre Kenntnis und ihr ausgeprägtes Interesse an religiösen Themen und historisch überlieferten Bildthemen – speziell der Mythologie und Ikonographie – waren gute Voraussetzungen für diese Aufgabe. Das Projekt war auf drei Jahre angelegt und wurde in Teilzeit von ihr durchgeführt. Am 31.10.2019 berichtete sie zum Abschluss ihrer Tätigkeit in einem 20-minütigen Vortrag. Das Werkverzeichnis selbst ist zu umfangreich, um es im virtuellen Museum einstellen zu können, Sie können alternativ hier eine Kurzinformation zu den Wirkorten abrufen, bei Bedarf aber natürlich auch die Stiftung direkt kontaktieren.
Erfasst wurden in einem ersten Schritt ca. 120 Kunstwerke im öffentlichen Raum - 80 davon in Kirchen und Kapellen, 40 in weltlichen Räumen - an 67 verschiedenen Orten. Später erfolgte die Erfassung der Hinterglasbilder, der Bilder in verschiedensten Techniken, Entwürfe, Zeichnungen, Keramiken, Plastiken, Reliefs und die Dokumentation seiner Architektur in Eggisried.

Hier im Textfenster sind die Beiträge der beiden Hauptredner, Michael Trieb und Johanna Gerstner einkopiert, die Grußworte des Ottobeurer Bürgermeisters German Fries und des damaligen Landrats Hans-Joachim Weirather sind in dem Dokument abrufbar (wahlweise doc oder pdf), das sämtliche Reden enthält.

Nur vier Tage war Gelegenheit, die Kunstausstellung im Haus des Gastes zu bewundern. Das konnte anlässlich des „internationalen Museumstages“ am 17. Mai 2020 nunmehr verlängert werden. Auch wenn die Museen in Deutschland seit 12.05.2020 wieder öffnen dürfen: In den meisten Fällen musste der Museumstag aufgrund der Corona-Krise entfallen. Hier spielt nun das virtuelle Museum der Marktgemeinde seine Stärke aus und präsentiert dauerhaft die schönsten Ottobeurer Motive Erich Schicklings, die bei der Kunstausstellung zu sehen waren, darunter Werke, die erstmals öffentlich gezeigt wurden. Titel, Datierung (soweit bekannt) sowie weitere Infos zu den Bildern erhalten Sie beim Überstreichen der kleinen Vorschaubilder mit der Maus.
Bitte beachten Sie, dass die Bildrechte bei der Erich-Schickling-Stiftung liegen. Für eine Abdruckgenehmigung nehmen Sie bitte direkt mit der Stiftung Kontakt auf!
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Michael Trieb (Vorsitzender des Förderkreises)
Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter aus Kirchen, Politik und Verwaltung, liebe Mitglieder des Förderkreises der Erich-Schickling-Stiftung, werte Damen und Herren aus Ottobeuren und der weiteren Umgebung, der Auftrag an die Erich-Schickling-Stiftung, das umfassende Werk des Künstlers zu dokumentieren und die vielen Facetten seines Schaffens darzustellen, reicht weit zurück. Den ersten Anstoß dazu gaben bereits mit der Stiftungsgründung 1999 – also vor 20 Jahren – Erwin Holzbauer, ein Künstlerkollege Schicklings und damaliger Kreisheimatpfleger sowie insbesondere der heute anwesende Professor Dr. Hans Frei, ehemals Museumsdirektor der nicht-staatlichen Museen in Schwaben und Bezirksheimatpfleger. Er hat zusammen mit der 2003 gegründeten Eugen-Lidl-Stiftung den ersten Grund zu dem späteren Werkverzeichnis gelegt.
Nach dem Tod von Erich Schickling 2012 – vor sieben Jahren – wurde die Verpflichtung, sein Werk zu ordnen und zugänglich zu machen, immer deutlicher und dringlicher. Landrat Dr. Hermann Haisch, der momentan erkrankt ist, der von 1998 bis 2018 Vorsitzender des Förderkreises der Erich-Schickling-Stiftung war und der Kuratoriumsmitglied ist, hat dieses Vorhaben kontinuierlich auf den Weg gebracht und die Initialzündung beim Bezirk Schwaben und beim damaligen Bezirkstagspräsidenten Jürgen Reichert ausgelöst. Nach dem Besuch des Bezirksheimatpflegers Dr. Peter Fassl wurde Kontakt zur Kunstwissenschaft der Uni Augsburg geknüpft. Durch die Erkrankung der Dekanin damals kam stellvertretend Frau Professor Dr. Dorothea Diemer mit der Sache in Kontakt und ergriff sofort die Initiative. Zitat von ihr: „Wenn die Erich-Schickling-Stiftung in ihrem Bemühen Erfolg haben soll, das Gesamtwerk des Künstlers Erich Schickling angemessen zu erhalten und einem weiteren Publikum zu präsentieren, so ist als eine Vorbedingung die Erstellung eines historisch-kritischen Werkverzeichnisses unbedingt erforderlich, welches die Grundlage Ihrer zukünftigen Arbeit zu bilden vermag.“

So schrieb Frau Prof. Diemer in ihrem Gutachten, nachdem sie sich mit Erich Schicklings Werk beschäftigt hatte. Detailliert listet sie die erforderlichen Arbeitsschritte zum Werkverzeichnis auf:

1. Systematische Erfassung der zahlreichen Werke Schicklings in Kirchen und im öffentlichen Raum durch Fotos, Entwürfe, Skizzen, Entstehungsdaten und Entstehungsumstände, hinsichtlich Erhaltungszustands bzw. Existenz und Eigentümer, angewandte Techniken, Beschreibungen, Veröffentlichungen

2. Erfassung aller erhaltenen und dokumentierbaren Gemälde, Hinterglasbilder, Entwürfe, Skizzen, Zeichnungen, plastischen und angewandte Arbeiten in einer Datenbank, in Fotos, Veröffentlichungen, Archivmaterial. Dies betrifft sowohl die Werke im Besitz der Stiftung als auch Werke in Privatbesitz oder im Besitz der öffentlichen Hand, soweit ermittelbar.

3. Auflistung der Werke sowohl chronologisch-biographisch als vor allem auch thematisch.

4. Dieser Dokumentation sollte eine umfangreiche Sammlung von Texten beigeordnet werden, die sich sowohl aus den Aufzeichnungen und Notizen des Künstlers, aus Audio- und Video-Dokumenten als auch aus mündlichen Überlieferungen ihm Nahestehender zusammensetzt.  

2016 begann die dreijährige Projektarbeit von Frau Johanna Gerstner, die an der Uni Augsburg Kunstgeschichte und Bildwissenschaft studiert hatte. Ihre Kenntnis und ihr ausgeprägtes Interesse an religiösen Themen und historisch überlieferten Bildthemen – speziell der Mythologie und Ikonographie – waren gute Voraussetzungen für diese Aufgabe. Das Projekt war auf drei Jahre angelegt und wurde in Teilzeit von ihr durchgeführt.

Dem voraus ging jedoch das gemeinsame Ringen um die Finanzierung dieses Projektes. Hier ist in höchstem Maße den Unterstützern zu danken:
- dem Bezirk Schwaben
- dem Landkreis Unterallgäu und
- der Marktgemeinde Ottobeuren
 
Sie haben zu je einem Drittel die Förderung des Projektes bei der Erich-Schickling-Stiftung finanziert. Die Förderung durch Erdgas Schwaben hat dankenswerterweise die Deckung der
Kosten für Fahrten, Technik, Fotos, Reproduktionen und der Ausstellungspräsentation unterstützt.

Sehr zu danken ist auch den ehrenamtlichen Mitarbeitern am Projekt. Stellvertretend sei hier Herr Peter Sadlowski genannt, der auf seinen vielen Fahrten an Orte Schickling`scher Werke äußerst hilfreiche Erkundungen eingeholt und der Stiftung von diesen Orten Fotos zur Verfügung gestellt hat. Danke ganz herzlich, lieber Peter!

Ehrenamtlich, mit viel Herzblut und einer nie versiegenden Energie war eine Person ganz besonders in dieses Projekt involviert. Diese war bei allen Arbeitsphasen als treibende Kraft und Strategin von unschätzbarem Wert. Ihre Offenheit gegenüber neuen Medien und ihr breites Wissen über die weitverstreuten Werke von Erich Schickling sind immer wieder umwerfend und eine unersetzbare Grundlage für das Verständnis und die Zusammenhänge des Oeuvres von Erich Schickling. Die Rede ist, Sie werden es erahnen, - von Ulrike Meyer, der Stiftungsleitung, die unermüdlich den Nachlass von Erich Schickling im Blick hat.
[Applaus]

Der Erich-Schickling-Stiftung steht nun eine erste systematische Sammlung der künstlerischen Werke in digitaler Dokumentation zur Verfügung. Die Weiterführung bleibt nach mehreren Seiten Aufgabe:
- die inhaltliche Aufarbeitung der Bildthemen, wie sie vor allem in Führungen, Vorträgen, Bildbetrachtungen und Dokumentationen der Stiftung zugänglich sind.
- die Umsetzung in gesellschaftlich relevante Bereiche, wie Pflege („Spiritual Care“) sowie Bildung und Kunsttherapie – begonnen hat dies bereits sehr beflissen und umsichtig Frau Prof. Dr. Lydia Maidl
- und zuletzt auch die mediale Umsetzung des Werkverzeichnisses zur audiovisuellen Darstellung in den Ausstellungsräumen der Stiftung.
 
Und nun zu den Bildern, die Sie sehen und die uns heute umgeben: Die Ausstellung zeigt neben Landschaftsbildern - aus dem regionalen wie fernerem erreistem Landschaftsraum - erstmals ganz frühe Zeichnungen und Gemälde aus der Studienzeit oder aus Skizzenbüchern der Kriegsjahre. Sie ist somit auch ein Beispiel für die Bedingtheit von Schicksal, Geführt-Sein (wie Schickling es ausgedrückt hätte) und eigenem Streben, das in seiner Kunst Ausdruck findet.
 
Im Eingang zur Ausstellung sind einige wenige Beispiele von seinen künstlerischen Gestaltungen in zahlreichen Kirchen und öffentlichen Räumen zu sehen, die nun dokumentiert sind. Auf der Bühne nehmen wir exemplarisch Einblick in die 3 Stufen, die zur Gestaltung eines Glasfensters führen. Frau Gerstner wird dies erläutern.
 
Die Landschaften sollen das regionale Verwurzelt-Sein Schicklings im Günztal, in der Allgäuer Landschaft, aber auch seine Inspiration in der mediterranen Landschaft und Lebenswelt zeigen, die sich nicht zuletzt in seiner Architektur und Parkanlage im Günztal widerspiegelt. Die Hinterglasbilder sind beispielhaft original, mehrfach jedoch auch in hochwertigen Reproduktionen aus der Werkstatt von René Schrei zu sehen.

Nun danke ich als Vorsitzender des Förderkreises nochmals allen, die das Projekt und diese Ausstellung möglich gemacht haben und bin schon sehr gespannt auf die Präsentation von Johanna Gerstner im Anschluss. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Johanna Gerstner (Werkverzeichnis)
Ich darf Ihnen heute Abend meine Arbeit – das Werkverzeichnis – vorstellen. Es umfasst sehr viel: Werke in Kirchen, im öffentlichen sakralen Raum – und dabei geht es nicht nur um Glasfenster, die man vielleicht als erstes meint – es geht auch um Altarkreuze, um Bilder wie z.B. ganze Kreuzwege, unkonventionelle Keramikmosaike als Altarbilder, die unterschiedlichsten Werke, die sich im kirchlichen Raum befinden und von mir an 67 verschiedenen Orten dokumentiert wurden.
Im öffentlichen Raum waren es insb. Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten, aber auch Schwimmbäder – hier zeige ich später ein schönes Beispiel –, bei Banken handelt es sich meist um Wandmalerei – innen wie außen –, aber eben auch um Keramikmosaike.
Dann die freien Bildwerke, von denen Sie hier einige der unterschiedlichsten Art sehen, im Sinne von Hinterglasbildern, Tempera, Zeichnungen, Entwürfe, Grafik und abschließend plastische Arbeiten, wie die Skulpturen auf dem Areal der Stiftung (das Wolkenschiff, die Sonnenskulptur im Innenhof), vorbildliche Modelle für Altartische und kleine Tonfiguren, die ich heuer fotografiert habe. Auch die Architektur und Parkgestaltung in Eggisried stammen aus der Hand von Erich Schickling. Ein schwieriger Teil waren und sind die Werke in Privatbesitz, viele davon durfte ich selbst aufsuchen, dokumentieren und fotografieren.

Mein erstes Vorgehen als ich die Stiftung vor drei Jahren erstmals besuchte: Zunächst ging es um die Sichtung des Bestandes, um herauszufinden, was denn überhaupt da sei. Es gab viele Dokumente, Zettel, auch Fotos; Frau Meyer hatte schon eine Liste zusammengestellt. Vorhanden waren außerdem eine von Ingeborg Schickling erstellte Werkliste und ein Lebenslauf. Das musste alles gesichtet und sortiert werden.
Es folgte die fotografische Dokumentation – vor allem der auswärtigen Werke (z.B. das Wandbild der Schule in Aitrach, viele Kirchen). Danke dabei René Schrei, der mir das Fotografieren beigebracht hat! Dann wurde zugeordnet; auch die Rückläufer von den Anfragen; Archivmaterial wurde gesucht, um damit eine erste Tabelle zu erstellen.
Hier sehen Sie einen Ausschnitt aus dieser ersten Liste, die Orte sind alphabetisch sortiert, es gibt verschiedene Spalten für Angaben wie die Jahreszahl, das Thema, den Architekten oder ganz banale Angaben wie die, ob das Ganze überhaupt noch existiert, die Anschrift, eine Telefonnummer. In den Ordnern zu den Orten finden sich zusätzlich Zeitungsausschnitte, Kirchenführer, Auftragsbestätigungen, Entwürfe, Fotos, Briefe, Rechnungen. Nur damit Sie einen ersten Eindruck davon bekommen, wie alles begann.

Hier sehen Sie ein regionales Beispiel – Memmingerberg, auch da hat Erich Schickling gewirkt. Es gibt gerade im kirchlichen Bereich hier vor Ort viele Werke, z.B. die Bruder-Klaus-Krypta in Ottobeuren; auch Maria Baumgärtle hat wunderschöne Glasfenster (im Flur).
Nicht alles hat sich eindeutig datieren lassen, da gab es viele Fragezeichen. Es war von Vorteil, dass ich in einer eigenen Spalte auf Ähnlichkeiten eingehen konnte. War ein ähnliches Element bekannt, dann half der Ähnlichkeitsbezug beim Datieren anderer Kunstwerke.
Hier das Altarkreuz in Donauwörth aus Gips mit Keramikmosaik daruaf, das die Vielfalt der von Erich Schickling verwendeten Vielfalt an Techniken belegt. Augen auf beim Kirchenbesuch: Sie wissen nie, ob nicht vielleicht ein Schickling dahintersteckt! Für Kirchen hat er etliche Kreuzwege – mit den jeweils 14 Stationen – geschaffen, wie hier das in Saal a.d. Donau. In Tirschenreuth hat er den Altartisch und die Sakramentssäule entworfen. Wieder etwas ganz anderes, mit dem man zunächst gar nicht rechnet. In Kehlheim gibt es etwas in einem Krankenhaus und in der gotischen Stadtpfarrkirche – es ist alles zu jedem Ort übersichtlich digitalisiert. Für Entwürfe wurde ein eigener Ordner angelegt.

Zwei Beispiele für den öffentlichen Raum: das „Helenenbad“ in Ottobeuren. Über dem alten Eingang hat Herr Schickling ein Mosaik zusammengesetzt. Oder die Glasfenster in der Genobank Ottobeuren. Weitere regionale Beispiele: das Außenwandbild an der Schule in Bad Grönenbach und ein Keramik-Mosaik in der psychosomatischen Klinik. Trotz des Wechsels in der Klinik hat sich das Mosaik am Tretbecken erhalten und ist nicht zerstört worden. Und hier haben wir noch ein Innenwandbild in einer Schule in Dillingen.
Herr Schickling hat viele freie Bildwerke geschaffen, die Sie hier bewundern können, digitalisiert und nach Themen sortiert. Im Magazin der Stiftung finden sich viele Entwürfe ohne Rahmen, die nirgends hängen. Er hat 27 Zeichenblöcke hinterlassen, von denen so gut wie jede Seite bemalt ist. Selbst auf seiner Hochzeitsreise [1955] hatte er einen Block dabei. Die Zeichenblöcke haben sehr dazu beigetragen, einen Ablauf nachzuvollziehen, aus der eine Biographie entstand.

Zur Architektur findet sich vor allem an der Günz Beispiele. Man sieht eine Zeichnung des Wohnhauses vor dem Umbau, rechts daneben dann eine Skizze vom Wohnhaus, wie es von Erich Schickling umgebaut wurde. Das erste Atelier stammt von 1961, das Gewächshaus war dem neuen Wohnhaus angegliedert. Diese ganze Architektur sollte mit erfasst werden. Günstig war das Vorhandensein der Baupläne und Baugenehmigungen, da diese datiert sind. In die Baupläne hat er sogleich weitere neue Ideen eingezeichnet.
In der Stiftung gibt es nicht nur die Hinterglasbilder oder die freien Bildwerke, es gibt auch Kunst, die mit der Architektur verbaut ist, wie diese beiden Reliefs. Das obere ist datiert mit „1962-82“, es gibt zwei Glasfenster und einen Kaminofen (mit dem hl. Franziskus), den er ausgestaltet hat.

Kurz noch zu den Werken im Privatbesitz, darunter eine Uhr oder ein Blumen-Stillleben: Auch hierüber wurde viel aufgeschrieben und dokumentiert.
Zum Abschluss Ihnen Frau Meyer ein herzliches Dankeschön, es war schön, über die drei Jahr mit Ihnen zu arbeiten. Es hat mich sehr gefreut. Vielen Dank!
[Applaus]

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Die Memminger Zeitung kündigte den Beitrag am 16.05.2020 auf S. 44 an („Erich Schickling im virtuellen Museum“), der Memminger Kurier am selben Tag auf S. 5 („Museumstag 2020 online“).

Zwei Handy-Fotos vom 15.05.2020 zeigen die Perspektive des Malers vom ähnlichen Standort. Gesucht wird von ein Foto des Bürgermeisters bei der Vernissage!

Zusammenstellung, Recherche: Helmut Scharpf, 05/2020; die meisten Repros: René Schrei; einige Fotos auch von Johanna Gerstner und Helmut Scharpf