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05.08.1894 - Primiz von Joseph Mägerle


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An sich ist es ein großes Privileg, für einen Primizianten die Predigt halten zu dürfen. Die Tatsache, dass augerechnet Sebastian Kneipp (17.05.1821 - 17.06.1897) diese Aufgabe übernahm und dafür nach Ottobeuren kam, lässt den Glanz zurückfallen auf Joseph Mägerle, von dem aber (noch) nicht bekannt ist, in welcher Beziehung er zu Kneipp stand und wo er seinen späteren Wirkungskreis fand. Im Ottobeurer Wochenblatt finden sich die Ankündigung und dann die Beschreibung des Ereignisses.

Das hier verwendete Bild stammt aus einer großen Serie von einer alten Grußkarten, die „Esser's Seifenpulver mit dem Löwen" als Werbemittel vertrieb (Sammlung Helmut Scharpf), hier: Serie E, Nr. 182. (Nr. 186 aus der Serie E war z.B. dem Altphilologen Ernst Curtius gewidmet). Kurios auf der Karte ist die geografische Erklärung zu Wörishofen: „... Pfarrer in Wörishofen bei Türkheim.„

Hier die Abschriften aus dem Wochenblatt:

Primizen 5. und 15.08.1894, Joseph Megerle (bzw. meist Mägerle geschrieben) und Jakob Kuhn, Textabschrift Ottobeurer Wochenblatt Nr. 30 vom 26.07.1894, S. 139

Ottobeuren. (Primizen.) Am 5. August feiert der neugeweihte Priester Herr Joseph Megerle, ehemaliger Institutszögling dahier, sein erstes heiliges Meßopfer. Am 15. August der neugeweihte Priester Herr Jakob Kuhn, Sohn des Schreinermeisters Herrn Kuhn dahier.

Primiz 5.08.1894, Joseph Mägerle, Textabschrift Ottobeurer Wochenblatt Nr. 32 vom 09.08.1894, S. 168 f.

Vermischtes
Ottobeuren, 5. August. Die schon früher angekündete Primizfeier des H. H. Joseph Mägerle, ehemals Zögling des hiesigen Instituts, fand heute bei günstigstem Wetter statt. Früh morgens 5 Uhr verkündete die Hosanna das freudige Ereigniß und ein schönes Morgenständchen Klang hinaus in den thaufrischen Morgen. Viele Auswärtige hatten sich gesammelt, da um ½ 9 Uhr der H. H. Primiziant feierlich abgeholt wurde. Im großen Refektorium trug ein Zögling ein Gedicht vor, die Schuljugend eröffnete den schönen Zug. Der Hochwürdige Herr Pfarrer von Wörishofen, Monsignore Kneipp geleitete den H. H. Primizianten: die Prälatenkleidung steht ihm so malerisch schön. Er hatte hohe Gäste mitgebracht, einen Domherrn von Salzburg, einen Universitätsprofessor von Wien, einen Domvikar und Domprediger von Trier, den Sekretär Sr. Eminenz des Cardinals von Prag, einen Lazaristenmönch aus Ungarn. Die Stelle des bei den Ottobeurern allgemein in gutem Andenken stehenden Pfarrers von Arnach, welcher wegen Krankheit verhindert war, zu der Prignitzfeier zu kommen, vertrat Herr Pfarrer von Röthenbach bei Wolfegg. – Herr Prälat Kneipp hielt mit bewunderungswürdig kräftiger Stimme die Festpredigt über das Thema : „Der neugeweihte Priester hat Freude und spendet Freude,“ er war tief ergriffen, da er der verstorbenen Eltern des Primizianten gedachte und der Sorgen unter welcher derselbe seine Studienzeit zurücklegen mußte. Der Hr. Primiziant sang sicher, kräftig, klangvoll sein Hochamt. Das Mittagsmahl in dem sie ihr schön geschmückten Saale der Post vereinigte die Gäste und schöne, sinnige Lieder erquickten Geist und Herz. Obwohl der H. H. Primiziant nur wenig bekannt gewesen, waren doch recht schöne Präsente ihm überreicht worden : so recht ein Beweis, wie die Gläubigen den Priester ehren und in ihm ihren wahren Wohlthäter und Segenspender erblicken. Der Abend entführte nur zu früh Herren Prälaten Kneipp mit seinen liebenswerthen Gästen.

Das bei der Primiz des H. H. Neomysten (= aus dem Griechischen, „neu geweihter katholischer Priester“) Joseph Mägerle vorgetragene Gedicht :

1) Schöner Tag, der aufgegangen,

Helles, heit’res Sonnenlicht !
wie aus goldenem Morgenprangen
Eine Kron‘ der Himmel flicht !

2) Nimm den Glückwunsch hin, den guten,
Zu dem hohen, heil’gen Tag,
Durch des Lebens brausend‘ Fluten
Gott Dich gnädig führen mag.

3) Schön ist’s an dem Ziel zu stehen,
Tröstend, seiner Wünsche Flug,
So vollendet hoch zu sehen,
Gottes Hand Dich schützend trug.

4) Wohl der Herr hat Dich geführet
Durch die schwere Studienzeit,
Ihm Dein Lob und Dank gebühret,
Groß ist seine Gültigkeit. –

5) Neununddreißig Jahre zählet
Nun das Klosterinstitut,
Dich zum Ersten auserwählet
Hat der Herr, der Großes thut.

6) Daß Du opferst am Altare,
Betest als der Priester fein :
Treu Gedenken und bewahre,
Schließ uns all ins Opfer ein.

7) Tiefbewegt, gerührt ist heute
Der Herr Prior, Vaters Zier,
Eines Vaters hohe Freude
Fühlt sein glücklich Herz in Dir. –

8) Wohl dem Auge leiblich fehlen –
Trauer ist’s im Sohnes Glück –
Liebe Eltern, treue Seelen,
Doch in diesem Augenblick

9) Kehren sie zu uns zurücke,
Möchten sehn das theure Kind.
In dem schönsten, reinsten Glücke,
Wo die Engel Diener sind. –

10) Eine gute Schwester lenket
Ihren Blick vom Westen her,
Ihres Bruders sie dedenket
In Gebet und heißer Zährt. – –

11) Wie die Fahnen freudig wehen !
Der Triumphweg ist geschmückt.
Gläubigen Sinn’s die Scharen stehen
Deiner harrend hoch entzückt.

12) Aufgethan die hohen Pforten
Laden ein zum Gotteshaus,
Gott der Güt’ge wohnet dorten
Engel ziehen ein und aus.

13) Orgel, rausche Jubellieder !
Auf des Neugeweihten Wort
Läßt zum ersten Mal sich nieder
Gottessohn, der Seelen Hort.

14) Hoch die Glocken, wie sie rufen
Zu dem frohen, heil’gen Tag !
Steig zu des Altares Stufen,
Zu dem höchsten Werk Du gehst.

15) Freudig Deines Amtes walten
Magst zum erstenmal Du heut,
Deinen Gott in Händen halten,
Der die Jugend Dir erfreut.

16) Komm, so komm ! Wie doch die Glocken,
Tempel und Altar geziert,
Wie sie Dich so innig locken !
Komm ! Der Engel Chor Dich führt !
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