23.01.1942 - Die Memoiren von Bürgermeister Johann Fickler
Titel
Beschreibung
Johann Fickler (1876 - 02.06.1954) war von 1933 bis zu seinem Rücktritt 1935 Bürgermeister von Ottobeuren. Das Amt stellte eine von vielen Episoden aus einem bewegten Leben dar. Anfang 1942 schrieb er auf Drängen der Kinder seine Lebensgeschichte auf, die in politisch und wirtschaftlich stürmische Zeiten fiel.
„Nehmt in Eurem Leben keine Ehrenämter an, außer dass ein gewisser wirtschaftlicher Vorteil dabei ist. Sorgt in erster Linie für Euch und für Eure Familie!“ Denn ein altes Sprichwort sagt: „Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott!“
Diese Ratschläge an seine Nachfahren sind schon recht resignative Aussagen, die aber seinen Lebenserfahrungen geschuldet waren.
Ficklers Memoiren - dankenswerterweise zur Verfügung gestellt von seinem Enkel Alfons Fickler (Ottostraße) - geben den Blick frei in das Wirtschaften eines cleveren Geschäftsmannes, der als Makler, Sägewerksbetreiber oder Mitgesellschafter der Memminger Zeit auftrat. Sein Bruder Josef starb bereits 1919, mit seiner Schwester Kreszentia ging die Mühle im Ortszentrum an die Familie Hatzelmann, was zu einem familiären Zerwürfnis führte.
Wertvoll ist auch sein Augenzeugenbericht von der Niederschlagung des Spartakusaufstandes in München 1919, bei der Ottobeurer Freiwillige eine wichtige Rolle einnahmen. Wir erfahren von den Umständen des politischen Tagesgeschäfts als Bürgermeister, der 1933 Adolf Fergg im Amt beerbt hatte, aus vielerlei Gründen jedoch - wie schon sein Freund und Vorgänger - 1935 mit einem Rücktritt aus dem Amt schied. Mit dem Bau der Schwabensiedlung (möglich durch die „Karl-Wahl-Spende“ und das „Ludwig-Siebert-Programm“) hat er in der Ortsentwicklung dauerhafte Spuren hinterlassen. Das Baugebiet wurde damals dementsprechend „Karl-Wahl-Siedlung“ genannt.
Der Text (26 Seiten) wurde zwar bereits überarbeitet (Helmut Scharpf, 12/2014), er muss aber noch mit dem handschriftlichen Original abgeglichen werden. Gleichwohl soll er bereits jetzt zur allgmeinen Verfügung stehen.
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Nachruf in der Memminger Zeitung vom 4. Juni 1954:
Altbürgermeister Johann Fickler gestorben
Auf Gut Josefinenfeld, der bekannten Geflügelzucht Ottobeurens, starb am Mittwoch der Altbauer Johann Fickler. Mit ihm schied einer der alten, angesehenen Bürger des Marktes aus dieser Welt. Fickler war im ganzen Allgäu als Gütermakler, Bauernstandsvertreter und landwirtschaftlicher Sachverständiger bekannt. Er, der in der Jugend im Kraftsport erfolgreich war und mit leidenschaftlicher Freude dem Gesang huldigte und auch dem Kirchenchor und Männergesangverein diente, starb an einem längeren, mit großer Geduld ertragenem Herzleiden. Landwirt Fickler beschäftigte sich viel mit kommunalpolitischen Fragen, stellte sich nach dem ersten Weltkrieg, den er als Frontkämpfer mitgemacht hat, auch dem Freikorps gegen den Kommunismus zur Verfügung und leitete von 1933/35 die Geschicke Ottobeurens als erster Bürgermeister. Viele Jahrzehnte gehörte er dem Bezirkstag als Mitglied an und war dort hochgeschätzt.
Mit Johann Fickler geht ein Original und ein Stück Alt-Ottobeuren dahin. In der Geschichte des Ortes und in den Herzen der Einwohner wird das Andenken an diesen Mann fortleben.
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Die Todesanzeige war am 3.6.1954 mit (Sterbe-)Datum 2.6.54 erschienen (Josepha Fickler mit Kindern und Anverwandten); am 4. Juli erinnerte die „Veteranen-Kameradschaft Ottobeuren und Umgehung“ an ihren verstorbenen Kameraden.
Am 9. Juni erschien zudem ein kleiner Bericht von der Trauerfeier:
Am Grabe von Altbürgermeister Fickler
Eine stattliche Trauergemeinde geleitete die sterbliche Hülle des angesehenen Altbauern und früheren Bürgermeisters von Ottobeuren, Johann Fickler, zur letzten Ruhe. Unter den Trauergästen weilten auch H. H. Abt Prälat Dr. J. M. Einsiedler, die beiden Bürgermeister J. Hasel und Dr. Briegel, zahlreiche Gemeindeund Kreisräte, die Fahnenabordnungen des Veteranen- und Kriegervereines und des Männergesangvereins und Vertreter der Bauernschaft.
Nach den Einsegnungsgebeten schilderte H. H. Pfarrer P. Maurus Zech-OSB das Leben und Wirken dieses Mannes, der allzeit den christlichen Grundsätzen gehuldigt habe.
Eine Danksagung erschien am 12.06.1954.






