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1929 - Das Kaufhaus Müller wirbt für das Hausfrauentuch der Firma Treffer


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„Die erfahrene Hausfrau wählt nur Treffer - das Wäschetuch ohne Füllappretur“. Die Firma „Treffer“ brachte für ihr gleichnamiges Hausfrauentuch eine Vielzahl von Werbeträgern heraus. Ein farbig bedruckter Karton hing 1929 auch im Ottobeurer „Kaufhaus Müller“ (später: Textilhaus Müller).

Was genau ist ein Hausfrauentuch oder Wäschetuch? Die Werbung setzte dieses Wissen voraus und pries einfach nur die Vorzüge:
Füllappretur ist ein Gemenge aus Stärke, Dextrin und Ton, Talkum, Schwerspat oder anderen Mineralien. Sie dient zum Beschweren von losen, minderwertigen Geweben, namentlich von Wäschestoffen bis zu 40 Gewichtsprozenten. Sie soll auf diese Weise eine gute, dichte und griffige Ware vortäuschen, die sich aber schon in der ersten Wäsche auswäscht. Zurück bleibt nur das lappige, unansehnliche unbeschwerte Gewebe. Füllappretur ist darum für die Hausfrau gänzlich wertlos, verteuert ohne Sinn und Zweck die Ware und bedeutet nichts als eine Täuschung der unerfahrenen Hausfrau.
Das Hausfrauentuch Treffer enthält hingegen keinerlei Füllappretur, ist ehrliche reine Qualitätsware und bei seinem tadellosen Gewebebild keine bloße Augentäuschung. Es näht sich vorzüglich, da die der Nadel schädlichen Beimengungen fehlen. Treffer zeigt seine Vorzüge ganz besonders im Gebrauch und ist darum das Wäschetuch der erfahrenen Hausfrau.

Im Internet findet sich „Treffer-Werbung“ von 1926 bis Anfang der 1930er Jahre.
Eröffnet wurde das Kaufhaus Müller Anfang des 20. Jh. In den Adressbüchern von 1926 und 31 ist in der Bahnhofstraße 54 der Kaufmann Franz Xaver Müller aufgeführt, im Landesadressbuch Bayern vom Juni 1928 steht die Bezeichnung „Manufaktur-, Mode und Schnittwaren“, im Adressbuch von 1937 ist Müller als Kaufhaus geführt (Adolf-Hitler-Straße 54), das Straßenverzeichnis von 1951 nennt als neue Adresse Bahnhofstraße 5, unter Maria Müller. Im Artikel zu den Hausnamen von 1938 von Hermann Köbele wird der Name „zum blauen Kramer“ angegeben.
Das Textilhaus Müller gab es als „Mode- und Bettenhaus“ noch bis ca. 2006. Anschließend war hier mehrere Jahre ein Naturkostladen („Naturkostoase“), dann ein Frisör (ca. Juni 2012 - Mai 2013: „Hair Lounge“ von Josef und Claudia Onar). Vor der Wiedereröffnung des umgestalteten Frisör-Ladens „La Bellezza“ von Heike Merrath im Mai 2015 wurden die Geschäftsräume wegen des Umbaus in der Bäckerei „Hasebäck“ kurzzeitig zum Verkaufen von Backwaren genutzt.
Das Foto aus der Sammlung von Manfred Foit war Motiv einer Ansichtskarte (eines fahrenden Fotografen) von ca. 1931.

Zum Fachbegriff „Appretur“ gibt es eine eigene Wikipedia-Seite. Herr Müller muss zur Geschichte des Textilhauses erst noch befragt werden!
Der Karton (32,8 x 23,2 cm) wurde digital restauriert (Helmut Scharpf, 08/2015).