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2020 – Die Firma Filgis feiert ihr 170-jähriges Bestehen


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Die historische Fotografie zeigt links Franz Anton Filgis, der das Maurerhandwerk erlernt hatte und der zusammen mit seinem – hier nicht abgebildeten – Vater Josef im Alter von 23 Jahren 1850 die Baufirma gegründet hatte. Rechts sitzt seine Frau Regina, in der Mitte steht der junge Theodor. Der Mann darüber dürfte der Taufpate von Theodor sein.

Franz Anton Filgis erwarb 1863 das Haus in der Ottobeurer Bahnhofstraße 33, auf dessen Grund heute ein ansehnlicher Komplex mit Büros, Wohnungen und Werkräumen steht. Seine Söhne Xaver und Theodor Filgis konnten nach 1907 den Betrieb wesentlich vergrößern. Sie bauten bereits Schul-, Geschäfts- und Wohnhäuser, Kraftwerkanlagen und Kapellen. 1912 kaufte Theodor Filgis das Baugeschäft Madlener in Ottobeuren auf und machte sich selbständig, sein Bruder Xaver Filgis führte das Familienunternehmen als alleiniger Geschäftsführer weiter.

Nachdem er im Ottobeurer Raum als erster den neuen Baustoff Zement einsetzte, inserierte der „Cementer“ Theodor Filgis am 23.03.1882 im Ottobeurer Wochenblatt (s. Scan der Titelseite).

Im Jahre 1564 gab es die Familie laut den Einträgen im Einwohnerbuch der Klosters bei uns noch nicht. Auf den Seiten 99 und 100 werden bei Richard Dertsch sämtliche Familiennamen der Bewohner des damaligen Ottobeurer Klosterstaats genannt, darunter findet sich jedoch kein Filgis (oder Filligis, Filgiß, Filguß, Vilgis, Viligis).

Quelle / Literaturzitat:
Dertsch, Richard, Weitnauer, Alfred (Hrsg.): Das Einwohnerbuch des Ottobeurer Klosterstaats von 1564, Allgäuer Heimatbücher, Bd. 50, Alte Allgäuer Geschlechter, Verlag des Heimatpflegers von Schwaben, Ferdinand Oechelhäusersche Buchdruckerei, Kempten, 1955, 115 S.

Die Familie gehört dennoch zu den ältesten Ottobeurer Geschlechtern: Im „Catalogus“ der Ottobeurer Bürgerwehr, die 1766 im Zusammenhang mit den Einweihungsfeierlichkeiten der barocken Abteikirche aufgestellt wurde, taucht der Name Filgis erstmals auf: in der Rubrik „Drittes Glied“ der „Musquetierer“ wird ein „Ignati Filligis“ genannt.

Immerhin sollen Mitglieder der Filgis schon beim Bau der barocken Klosteranlage samt Kirche beteiligt gewesen sein. Die Klosterfrau Schwester Rudolpha Filgis hat die Familiengeschichte bis ins 17. Jh. zurückverfolgt. Nach Pfarramtsmatrikeln soll ein Martin Vilguß 1685 in Erisried geheiratet haben. Die „Vilgus“ sollen einem aus dem Vintschgau stammenden Handwerkerkreis angehört haben.

Hier geht es zur Festschrift 1975 zum 150-jährigen Firmenjubiläum, die recht detailliert auf die Firmengeschichte und die Bautätigkeit in Ottobeuren eingeht.

In den Ausgaben des Ottobeurer Wochenblatts der Jahre 1850 und 1851 findet sich kein Hinweis auf die Firmengründung oder eine Geschäftsanzeige. Die Zeitung war in erster Linie ein der Zensur unterworfenes Amtsblatt und ging nur selten auf lokale Ereignisse ein. Es gab außerdem nur sehr wenig Werbung. Insofern ist es nicht ungewöhnlich, dass hier (noch) nichts zu finden ist.
Das Landgericht Ottobeuren veröffentlichte 1850 eine für das Bauwesen allgemeingültige Verordnung:

Wochenblatt Nr. 30 vom 25.07.1850, S. 3:
Bekanntmachung
Dem Antrage des Vereins der Zimmer- und Maurer-Meister des Landgerichts-Bezirks Ottobeuren gemäß, wird nachstehende Bekanntmachung hiemit zur öffentlichen Kenntniß gebracht:
„Bei der am 24ten Juni l. Jrs. abgehaltenen Gewerbs-Vereins-Versammlung der Zimmer-, Maurer- und Mühlartzt-Meister wurde in Punkt VI. des abgehaltenen Protokolls bestimmt, daß sämmtlich vorkommende Bauten und größere Reperaturen [Reparaturen] nur unter Leitung eines geprüften concessionirten Meisters vorgenommen werden dürfen, und daß nur einem solchen die Aufsicht über den aufzuführenden Bau zusteht, daher keinem Gesellen zusteht, einen Bau zu leiten oder gar einen Akkord mit einem Bauherrn zu übernehmen; gegen Zuwiderhandeln, Gesellen wie Bauherren, würde von Seite des Gewerbs-Vereines auf Bestrafung bei dem einschlägigen competenten Gerichte angetragen werden.“ –
Dieß zur Darnachachtung.
Gegenwärtiges Ausschreiben haben die Gemeinde-Vorsteher in ihren Gemeinden bekannt zu machen.
Ottobeuren, den 22ten July 1850.
Königlich Bayerisches Landgericht.

Es gab in der Zeit durchaus auch größere Bauvorhaben, z.B. das Spital oder der Wiederaufbau der abgebrannten Gastwirtschaft zum goldenen Lamm.
Im Ottobeurer Wochenblatt Nr. 31 vom 31.07.1851, S. 1 - 3, findet sich im abgedruckten „Verzeichnis der Prüfungs-Commissionen der Handwerks-Vereine“ in Ottobeuren ein Aufzählung verschiedenster Handwerksberufe: Bäcker, Bräuer [Brauer], Färber, Glaser, Hafner, Hutmacher, Kiefer [Küfer], Müller, Metzger, Roth- und Weißgerber, Säckler, Sattler, Schlosser – darunter der Kupferschmied Martin Fritz –, Schmiede, Schneider, Schreiner, Schuhmacher, Seiler, Spengler, Strumpfstricker und Wirker, Uhrmacher, Wagner, Weber.
Warum die Zimmerer – damit auch der Zimmerermeister und Firmengründer Josef Filgis († 1888) – nicht genannt werden, ist unklar.
Auch bei den Ergebnissen der Gemeinde- und Kirchenverwaltungswahlen (s. Nr. 44 vom 30.10.1851) taucht kein Filgis auf.

Nun zum aktuellen Jubiläum 2020:
Im Sommer 2020 schaltete die Firma „Gebrüder Filgis GmbH & Co. KG“ unter ihrem seit 2017 amtierenden Geschäftsführer Edwin Münsch zusammen mit Werbepartnern großformatige Anzeigen in den Allgäuer Zeitungen und Werbeblättern. Auch im „Ottobeuren Life“ wurde der Text in der Ausgabe 09/2020 abgedruckt. Die Pressemitteilung ist unten eingepflegt:

170 Jahre Filgis. Eines der ältesten Bauunternehmen Deutschlands feiert Jubiläum
Dieses Jahr [2020] feiert das Allgäuer Traditionsunternehmen mit Sitz in Altusried sein 170-jähriges Firmenjubiläum. Die Erfolgsgeschichte der Firma Filgis beginnt 1850 in Ottobeuren. Damals gründeten Josef Filgis und sein Sohn Franz Anton Filgis ein Baugeschäft und legten damit den Grundstein für eines der ältesten Bauunternehmen Deutschlands, die Gebrüder Filgis GmbH & Co.KG.

Seitdem hat sich aus dem kleinen Familienbetrieb ein modernes Bauunternehmen mit einer Stammbelegschaft von 100 Mitarbeitern entwickelt. Was vor 170 Jahren mit noch sehr einfachen Mitteln begann, wurde mit der Zeit zu einem hochprofessionellen, nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen, das nicht nur auf eine hohe Kundenzufriedenheit stolz sein kann, sondern auch unter den Mitarbeitern hohes Ansehen genießt.

20 Jahre nach Firmengründung 1850 übernimmt Franz Antons Sohn Theodor den Familienbetrieb und geht damit neue Wege. Als einer der ersten im Allgäu setzt er auf den damals neuen Werkstoff „Cement“ und hat damit großen Erfolg. Als sog. „Zementer“ wird er weit bis über die Grenzen des Allgäus hinaus bekannt. Seine Firma ist vor allem im landwirtschaftlichen Bereich aktiv. Aus seiner Hand entstehen viele Stallungen und Quellfassungen in „Zementbauweise“.

Anfang des 20. Jahrhunderts treten seine beiden Söhne Theodor und Xaver Filgis die Nachfolge an. 1912 lösen sie ihre Zusammenarbeit allerdings auf. Fortan führt Xaver Filgis das Familienunternehmen als alleiniger Geschäftsführer. Theodor Filgis übernimmt das Ottobeurer Bauunternehmen Madlener und macht sich damit ab 1912 selbstständig.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges kommen die Geschäfte in der Heimat zum Erliegen. Schon 1937 vereinen die Brüder ihre beiden Unternehmen und werden zu den Gebrüdern Filgis und Co. Der Kompagnon ist Theodor Filgis‘ Sohn und späterer Geschäftsführer Georg Filgis sen.

Nach den Kriegswirren des 2. Weltkrieges und der Übernahme des Unternehmens durch Georg Filgis sen. verändert sich vieles. Das Unternehmen erfährt im Zuge des Deutschen Wirtschaftswunders seine Blütephase. Die Auftragslage ist hervorragend und das Geschäft wächst. Im Jahr 1958 wird das Baugeschäft Daiser in Altusried übernommen und durch den Geschäftsführer Hans Schopf bis 1993 geführt.

Mit rund 200 Mitarbeitern erreicht die Firma Filgis 1970 ihren Zenit. Fortan sieht man sich bei Filgis in der Lage, auch Großaufträge auszuführen. Außerdem fällt im selben Jahr der Startschuss für die Erschließung des neuen Marktes Bauträgergeschäft.

Ab 1975 beginnt die allmähliche Fusion der beiden Unternehmen in Ottobeuren und Altusried, welche 1993 mit dem Neubau in Altusried/Krugzell ihren Abschluss finden sollte.

Innovativ und zukunftsweisend auch in puncto Digitalisierung führt Filgis bereits 1978 als eines der ersten Bauunternehmen in der Region die Elektronische Datenverarbeitung ein. Nach 35 Jahren vorbildlicher Unternehmensführung übergibt Georg Filgis sen. die Firmenleitung 1985 in die Hände seines Sohnes Georg Filgis jun. Dieser stellt sich der Herausforderung und führt das Unternehmen mit Instinkt und Kompetenz ins neue Jahrtausend. Eine seiner wichtigsten Entscheidungen ist sicherlich der Bau der neuen Firmenzentrale 1993, welche sich seitdem in Altusried, Krugzell befindet.

Trotz schwieriger Konjunkturlagen der Folgejahre gelingt es Georg Filgis das Unternehmen sicher und erfolgreich durch wirtschaftliche Turbulenzen zu steuern. Nach 32 Jahren an der Spitze des Unternehmens gibt er 2017 seine Funktion als Geschäftsführer auf und übergibt die Leitung des Unternehmens in die Hände von Edwin Münsch.

Die Filgis-Mitarbeiter fühlen sich wohl bei ihrem Arbeitgeber und halten ihm oft von der Ausbildung bis zum Renteneintritt die Treue. Deshalb wird das Unternehmen am 28. Februar 2020 mit dem TOP-JOB-Siegel für herausragende Firmenkultur ausgezeichnet. In den Kategorien „Kommunikation“ sowie „Familienorientierung und Demographie“ schnitt das Unternehmen besonders gut ab.

Fachkompetenz, Familienorientierung, und Engagement im Hinblick auf den Nachwuchs sind eben nicht nur für Geschäftsführer Edwin Münsch zentrale Bausteine für den Erfolg der Gebrüder Filgis. Im Laufe der Jahre haben hunderte Lehrlinge ihre Ausbildung bei Filgis absolviert und man hält bis heute an der Tradition der Nachwuchsförderung fest, so Edwin Münsch.

Seit der Gründung hat sich Filgis vom klassischen Bauunternehmen zu einem Spezialanbieter für Immobilienprodukte aller Art entwickelt. Zudem erweist sich Filgis als kompetenter Fachbetrieb für nachhaltiges Bauen.

Zu aktuellen Großaufträgen zählen derzeit u.a. die schlüsselfertige Ausführung von Gewerbeimmobilien und Logistikzentren in der Region, der Neubau des hochmodernen Besucherzentrums der Rapunzel Naturkost GmbH in Legau, die Ausführung von Sportstätten für die SKI WM 2021 wie auch der Neubau der Berg- und Talstationen am Nebelhorn und Söllereck in Oberstdorf.

Mit ihrer 170 Jahre währenden Firmentradition überzeugt Filgis durch kompetente, zuverlässige und termingerechte Leistungen in allen Unternehmensbereichen. Geschäftsführer Edwin Münsch unterstreicht einmal mehr, dass die Gebr. Filgis GmbH für die Zukunft bestens gerüstet ist und sich wie schon zur Gründungszeit ganz nah am Puls der Zeit befindet. Unseren Kunden verpflichtet, unseren Mitarbeitern dankbar. DAS IST FILGIS.

Georg Filgis und der Firma sei für die Zurverfügungsstellung der Bilder sowie die Mithilfe bei der Recherche herzlich gedankt.

Zusammenstellung, Bildbearbeitung, Recherche: Helmut Scharpf, 09/2020