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14.06.1914 – Metzgerei Josef Krumm


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Beim ersten Blick auf das Gebäude kommt einem das stattliche Haus zwischen Bahnhof- und Alexanderstraße in den Sinn, die Spur über das Bayerische Landesadressbuch für Gewerbe und Handel von 1928 führt jedoch in die Ludwigstraße 33.

Unter der Adresse (bzw. mit der vor 1950 gültigen Hausnummer 129) ist Josef Krumm (neben Alois Baur und Engelbert Högg) als Betreiber einer der drei Metzgereien Ottobeurens aufgeführt. 1928 gab es außerdem einen Pferdemetzger (Josef Rogg, Mühlbachstraße 169; vermutlich zwischen Erlerstraße und der Oberen Straße, 1937 als „Gerber“, Mühlbachstraße 175, geführt) und die Wurst- und Fleischwarenfabrik von Eugen und Peter Micheler.
Josef und Theresia Krumm hatten sogar einen Telefonanschluss (111), vermutlich aber noch nicht zum Zeitpunkt der Ansichtskarte, die kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs geschrieben wurde.

Im Einwohnerbuch von 1937 ist nach wie vor Josef Krumm gelistet. Im Straßenverzeichnis vom Januar 1951, in dem die alten und neuen Hausnummern gegenübergestellt wurden, ist unter der Adresse in der Ludwigstraße 33 Adolf Krumm genannt.

Das gegenüber des „Nanu“ stehende Haus wurde vorbildlich modernisiert und in seiner Grundstruktur erhalten. Mit der Ottobeurer Filiale der „Allgäuer Landmetzgerei Adolf Baur“ wird der Standort auch 2021 noch immer für den Verkauf von Fleisch- und Wurstwaren genutzt.

Hier die Transkription des Kartentextes:
Frau Senzi Brak
Ökonoms-Gattin
Berleberg
Post Kraftisried

Ottobeuren, 14.6.1914
Liebe Schwester!
Die besten Glück- und Segenswünsche dir u. deiner Tochter zum Namensfeste. Weist, mein Rapp ist immer so müde bis er nachThingau kommt und nach einer Stunde Besuchen, das bring ich nicht fertig, die Zeit ist immer zu kurz.
Besten Gruß und Euch allen.
Josef und Theres.

Die Aufnahme stammt von einem Münchner Atelier (Huber & Klebl, Milchstraße 5), fahrende Fotografen dieses Betriebes haben in Ottobeuren etliche Gebäude fotografiert.
Nach Süden schloss sich eine Hutmacherin (Nagel) an, dann die Gärtnerei Buchenberger (heute: Stock); die Ludwigstraße endete auf der Ostseite mit der Schreinerei Kuhn, wo heute die Goethestraße beginnt. Nach Norden reihten sich in die Luitpoldstraße das Baugeschäft Mayer, der Herrenschneider Andreas Schober (Baron) und die Geschirrhandlung von Hafnermeister Josef Ripfel entlang.
Hier noch ein denkwürdiges Ereignis vom 16. Juli 1911 im Kreuzungsbereich von Nanu, Krumm und Mayer: Der Zug war auf dem Weg zum Friedhof, wo zu Ehren der Veteranen des Krieges 1870/71 eine Veteranentafel eingeweiht wurde.

Sammlung Helmut Scharpf, 05/2021