Marktgemeinde Ottobeuren
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1876 - Ortsplan von Ottobeuren


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Als Beilage zu den beiden Katasterkarten „S. W. IX und X 41“ wurde dieser Ortsplan des „Königlichen Landgerichts Ottobeuren“ von einem „Melchior“ neu graviert – und ist 2016 digital wieder in voller Pracht auferstanden.

Flurnummern sind nur teilweise angegeben, ebenso die bis 1951 gültigen Hausnummern. Eventuell sind Nummern hier nur dann angegeben, wenn sie mit der Abtei in Verbindung stehen?
Interessant sind die wenigen Straßennamen; es sind nur drei an der Zahl:
Die „Herrngasse“ ist heute Teil der Luitpoldstraße (nicht zu verwechseln mit dem Herrenweg, der entlang der Staatsstraße nach Eldern führt; Herr = Klosterherr), anstelle der „Froschgasse“ befindet sich hier jetzt die Bahnhofstraße. Ansonsten ist nur der „Marktplatz“ eingezeichnet. 1876 galt bei den Hausnummern noch die alte Durchnummerierung. Im Artikel über die Ottobeurer Hausnamen (von 1938) kann man das System der Hausnummern nachvollziehen.

Flurnamen waren sicherlich ein wichtiger Teil der Orientierung, etliche sind heute gar nicht mehr bekannt, andere haben sich zumindest im Straßennamen erhalten:
Armenhaus-Erget / Unterm Armenhaus / Amtschreibers-Erget / Mühlberg / Vogeläcker / Bleiche / Bräumeisters-Wiese / Mühlanger / Hofacker / Obere Gottesacker-Erget / Untere Gottesacker-Erget (Gottesacker = Friedhof; der östliche Teil des Ergets wurde 2016 zum Baugebiet zwischen Schillerstraße und Goethestraße) / Espan (etwa da, wo heute der Raiffeisenmarkt steht).
Daneben gibt sind angegeben: der Ölberg (nördlich des Hauptportals der Basilika), die Schießstatt und der Ulrichsbrunnen.

Wir finden einige wenige Hinweise zu den Ausführenden und zum Stand der jeweiligen Aktualisierungen:
oben links
1876 umgrav(iert) Melchior
7/52 (Juli 1852?) umgem., 55 (1855?) Pürtsch
bis 1866 umgem., 1866 umgrav. Kirmaier
unten links
Enthält Hinweis, dass die Karte auf das Jahr 1819 – das Jahr der sogenannten „Urkatasterkarte“ – zurückgeht - es ist aber kaum noch lesbar:
1819 graphisch bes[orgt?].... u. revidirt, Obergeom.[eter] Schneid ...  ... u. Geom. Tauch[en?] [hic?]
unten rechts
Emert Cont. Fluß. Ausarb Beil Schrife (?)
oben rechts
[Blatt Nummer] Numero CCLXXXIX. [289]

Das „S.W.“ im Kartentitel steht für Südwest. Gemeint ist die bis in die 1920er Jahre Art der Einteilung Bayerns nach dem sog. Soldner-Koordinatensystem, das sich mit seinem Nullpunkt am Nordturm der Münchner Frauenkirche orientiert. Auf der Seite der Wikipedia-Seite über die Frauenkirche heißt es wörtlich: „Von 1801 bis 1927 bildete die Helmstange des nördlichen Turms der Frauenkirche den Nullpunkt für die erste bayerische Landesvermessung nach dem bayerischen Soldner-Koordinatensystem.“

Das Original wurde von Max Reichardt (aus der Brauerfamilie, der einst das Gasthaus Rose und die Sommerbierhalle in der Bergstraße gehörte) zur Verfügung gestellt. Er hat 1952/53 bei „Zwerg Nase“ als Komparse mitgewirkt und ist auf dem Foto ganz links zu sehen (mit Blick auf den Fotografen).
Das Original weist starke Schäden auf, von Stockflecken bis zu schweren Wasserschäden. Franz Reitmeier hat die Mühe auf sich genommen und die Vorlage eine Woche lang (!) restauriert. Die Karte ist auf diese Weise digital wiederauferstanden und kann nun in voller Pracht bewundert werden!

Hier geht es zur Urkatasterkarte aus dem Jahr 1819; sie entspricht im Westentlichen der Karte von 1876. Ottobeuren war ein winziger Ort!
Weitere Infos zu den Themen Flurkarte und Messtischblatt gibt es bei Wikipedia.