16.07.2026 – Spatenstich zum innerörtlichen Hochwasserschutz in Eldern
Titel
Beschreibung
Vom Sandsack zum dauerhaften Hochwasserschutz: Nach den Hochwasserereignissen von 2023 und 2024 wurde am 16. Juli 2026 in Eldern der nächste Schritt für den innerörtlichen Hochwasserschutz der Marktgemeinde Ottobeuren eingeleitet. Eine rund 85 Meter lange Geländeauffüllung, eine etwa 41 Meter lange Hochwasserschutzmauer und die Anhebung des Geh- und Radweges sollen künftig eine bekannte Gefahrenstelle an der Westlichen Günz sichern.
„Allzeit trockene Fluren innerörtlich!“
Hochwasserschutz ist in Ottobeuren längst keine abstrakte Zukunftsaufgabe mehr. Ottobeuren war über die Jahrhunderte immer wieder von schweren Überschwemmungen betroffen (Beispiel: 29.07.1789). Die Hochwasserereignisse der vergangenen Jahre haben eindringlich gezeigt, welche Gefahren von der Westlichen Günz nach wie vor ausgehen – und dass auch dort Schutzmaßnahmen erforderlich sind, wo bereits überörtliche Rückhalteeinrichtungen geschaffen wurden. Am 16. Juli 2026 wurde deshalb in Eldern mit einem symbolischen Spatenstich der nächste Abschnitt des innerörtlichen Hochwasserschutzes für Ottobeuren und Eldern eingeleitet. Im Mittelpunkt steht zunächst eine umfangreiche Geländeauffüllung zwischen der Staatsstraße 2011 und der Günz, durch die ein gefährdeter Bereich dauerhaft vor Überflutungen geschützt werden soll. Die Maßnahme ist Teil eines wesentlich größeren Vorhabens: Insgesamt sind im Rahmen des innerörtlichen Hochwasserschutzes in Ottobeuren an der Westlichen Günz 15 Einzelmaßnahmen mit einem Gesamtvolumen von rund 5,5 Millionen Euro vorgesehen. Das Projekt des Marktes Ottobeuren ist in das Gesamtkonzept „Hochwasserschutz im Günztal“ des Freistaats Bayern eingebettet.
Die Erfahrungen von 2023 und 2024
Bürgermeister Josef Schmelcher erinnerte in seiner Ansprache an die Hochwasserereignisse der Jahre 2023 und 2024. Auch die Firma Hummel Blockhaus war von den Ereignissen betroffen. Mit dem nun beginnenden Bauvorhaben solle ein weiterer Schritt getan werden, um künftig besser gegen Hochwasser gewappnet zu sein. Mit einem Augenzwinkern verwies der Bürgermeister zugleich darauf, dass dies für ihn der erste Spatenstich nach seinem Amtsantritt als Bürgermeister (1. Mai 2026) sei:
„Das ist mein erster Spatenstich. Im eigenen Garten arbeite ich regelmäßig mit dem Spaten, aber in der Funktion als Bürgermeister natürlich noch nicht. Ich habe eine mords Rede vorbereitet, werde mich aber kurz halten – wir sind ja hier unter uns.“
Damit war der eher unkomplizierte und persönliche Charakter der Veranstaltung vorgegeben. Nach den kurzen Ansprachen sollte es schließlich nicht bei Worten bleiben: Am Ende stand der eigentliche symbolische Spatenstich.
2023: Wasser tritt aus der Günz aus
Die Pressemappe der Bauverwaltung beschreibt die Problemlage genauer. Am südlichen Rand von Eldern kommt es weiterhin zu Ausuferungen aus der Westlichen Günz. Die Wassermengen können die Ortslage von Süden nach Norden durchströmen und dadurch Gebäude gefährden. Ein solches Schadensbild trat beim Hochwasser am 14. November 2023 auf (s. Fotos).
2024: Ein provisorischer Damm verhindert Schlimmeres
Besonders eindrucksvoll war das Hochwasser vom 31. Mai / 1. Juni 2024. Zu diesem Zeitpunkt war das wenige hundert Meter oberhalb gelegene Hochwasserrückhaltebecken Eldern bereits fertiggestellt. Es konnte bei diesem Hochwasser seine Bedeutung unter Beweis stellen. Doch trotz des Rückhaltebeckens bestanden im Ortsbereich weiterhin Gefahrenstellen. In Eldern musste deshalb kurzfristig mit einer provisorischen Schutzmaßnahme reagiert werden. THW, Feuerwehr und Bauhof errichteten gemeinsam eine Barriere aus großen Sandsäcken beziehungsweise Sand-Bigpacks. Damit konnte ein drohender Schaden in letzter Minute verhindert werden. Die Memminger Zeitung berichtete, dass rund 50 dieser Bigpacks zum Einsatz kamen. Bürgermeister Schmelcher würdigte beim Spatenstich ausdrücklich die damalige Unterstützung: „Ausdrücklich möchte ich mich auch bei unserem Bauhof, dem THW und der Feuerwehr bedanken, die uns in der Hochwassersituation mit unserem Provisorium hier sehr ausgeholfen haben.“
Überörtlicher und innerörtlicher Hochwasserschutz gehören zusammen
Christian Seeberger, Bürgermeister von Erkheim und seit Mai 2026 zudem stellvertretender Landrat des Landkreises Unterallgäu, überbrachte zunächst die Grüße von Landrat Alex Eder und gratulierte dem Markt Ottobeuren zum Beginn der Maßnahme. Aus eigener Erfahrung als Bürgermeister einer Gemeinde, die ebenfalls von Hochwasser betroffen war, kenne er die Problematik. In seiner Ansprache fand er ein anschauliches Bild für das Zusammenspiel verschiedener Schutzebenen:
„Der Hochwasserschutz steht natürlich auf zwei Beinen, wie jeder gesunde Mensch.“
Das eine „Bein“ bildet dabei der überörtliche Hochwasserschutz, insbesondere das Rückhaltebecken Eldern und die weiteren Maßnahmen entlang der Günz. Das andere ist der innerörtliche Hochwasserschutz, der konkrete Gefahrenstellen innerhalb der Ortslagen beseitigt oder entschärft.
Seeberger betonte, wie wichtig es sei, beide Ebenen miteinander zu verzahnen:
„Man hat es in 2023 gesehen, wie wichtig auch der innerörtliche Hochwasserschutz ist. Darum wirklich Glückwunsch und große Freude, dass das jetzt so verzahnt weitergeht.“ Und er formulierte daraus zugleich einen Appell der betroffenen Kommunen: Der innerörtliche Schutz müsse mit dem überörtlichen Hochwasserschutz „sehr gut eintakten“ beziehungsweise verzahnt werden.
Diese Aussage beschreibt einen wesentlichen Grundgedanken des gesamten Hochwasserschutzkonzeptes für das Günztal: Ein Rückhaltebecken allein kann nicht jede örtliche Gefahrenstelle beseitigen. Erst das Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen schafft einen umfassenden Schutz.
Das Rückhaltebecken Eldern hat seine Bewährungsprobe bestanden
Für das Wasserwirtschaftsamt Kempten sprach Philipp Clermont. Er erinnerte daran, dass der Freistaat Bayern bereits wenige hundert Meter oberhalb der nun begonnenen Baustelle das Hochwasserrückhaltebecken Eldern errichtet hatte. Das Becken habe 2024 eindrucksvoll gezeigt, dass es gebraucht werde:
„Vor zwei Jahren wurde eindrücklich unter Beweis gestellt, dass es nicht zu groß dimensioniert ist und dass es auch gebraucht wird.“
Gleichzeitig machte Clermont deutlich, dass mit dem Rückhaltebecken der Hochwasserschutz noch nicht vollständig hergestellt ist. Um den Schutz für Ottobeuren zu vervollständigen, seien weitere innerörtliche Maßnahmen notwendig. Der Freistaat Bayern unterstützt diese Maßnahmen deshalb finanziell. Für das nun in Eldern beginnende Projekt erfolgt die Förderung über das Wasserwirtschaftsamt Kempten. Clermont zeigte sich erfreut darüber, dass mit der Maßnahme nun der „Startschuss“ für den innerörtlichen Hochwasserschutz gegeben werden könne. Sein Wunsch galt der weiteren Zusammenarbeit:
„Ich wünsche der Baumaßnahme und allen Beteiligten ein gutes Gelingen! Und dann natürlich in der Folge eine weitere gute Zusammenarbeit mit dem Markt Ottobeuren; einige weitere Maßnahmen stehen später ja noch an.“
85 Meter Damm, 41 Meter Schutzmauer und ein angehobener Geh- und Radweg
Was beim symbolischen Spatenstich zunächst unspektakulär aussehen mag, ist technisch eine durchaus umfangreiche Baumaßnahme: Auf einer Fläche von etwa 5.000 Quadratmetern zwischen der Staatsstraße 2011 und der Günz wird das Gelände großflächig aufgefüllt. Die Geländeauffüllung erstreckt sich über rund 85 Meter und erreicht eine maximale Höhe von etwa einem Meter. Nach der Fertigstellung wird die Modellierung optisch kaum auffallen. Dort, wo sich bei dem Hochwasser 2024 die provisorischen Sand-Bigpacks befanden, wird aus dem kurzfristig errichteten Schutzwall eine dauerhafte bauliche Lösung.
Im Bereich des östlichen Günzufers reicht eine reine Geländeauffüllung wegen der beengten Grundstücksverhältnisse nicht aus. Hier wird die Schutzlinie durch eine etwa 41 Meter lange Hochwasserschutzmauer fortgesetzt. Darüber hinaus muss auch der bestehende Geh- und Radweg entlang der Staatsstraße 2011 angepasst werden. Er wird auf einer Länge von etwa 70 Metern angehoben und an die neue Dammkrone angepasst.
Das für die Auffüllung benötigte Material – insgesamt rund 2.000 Kubikmeter – wird bereits auf Gemeindegrund oberhalb des Adventure-Golfparks vorgehalten. Nach Abschluss der Arbeiten soll die Fläche wieder landwirtschaftlich beziehungsweise zur Bewirtschaftung genutzt werden können. Dazu wird der zuvor abgetragene alte Humus wieder aufgebracht.
200.000 Euro für einen wichtigen Lückenschluss
Die Kosten für diesen ersten Abschnitt belaufen sich auf rund 200.000 Euro brutto. Der Markt Ottobeuren erhält dafür eine Förderung von 70 Prozent der anrechenbaren Kosten durch das Wasserwirtschaftsamt Kempten. Bürgermeister Schmelcher stellte die Summe beim Spatenstich in den Zusammenhang mit dem Gesamtprojekt:
„Insgesamt stehen in Ottobeuren 15 Maßnahmen mit einem Volumen von 5,5 Millionen Euro an. Wir reden hier von 200.000 Euro; in dem Zusammenhang vielen Dank an das Wasserwirtschaftsamt für die 70-prozentige Förderung.“
Sein Dank galt darüber hinaus dem Planungsbüro Steinbacher Consult aus Neusäß, der ausführenden Max Wild GmbH aus Berkheim, den Anwohnern sowie den beteiligten Einsatzkräften.
Die Pressemappe nennt als geplante Bauzeit den Zeitraum vom 13. Juli 2026 bis Herbst 2026. Der symbolische Spatenstich am 16. Juli markierte damit den öffentlichen Auftakt der Maßnahme.
„Haben ist besser als brauchen!“
Christian Seeberger dankte allen Beteiligten – von der Marktgemeinde über die Planer und Fachbehörden bis zu den Anliegern – für ihre konstruktive Zusammenarbeit.
Dabei formulierte er einen Satz, der die etwas ungewöhnliche Situation beim Hochwasserschutz treffend beschreibt:
„Wir hoffen natürlich, dass man den innerörtlichen Schutz nie brauchen wird, aber – wie heißt der Spruch so schön: Haben ist besser als brauchen!“
Denn genau darin liegt das Wesen einer solchen Vorsorgemaßnahme: Wenn der Schutz funktioniert, wird seine Wirkung im Alltag kaum sichtbar sein. Der Damm, die Geländeauffüllung und die Schutzmauer stehen dann scheinbar selbstverständlich in der Landschaft. Ihre eigentliche Bewährungsprobe kommt erst dann, wenn die Günz wieder stark anschwillt.
Seeberger verband seinen Dank an die ausführende Firma mit dem Wunsch nach einem sicheren Bauverlauf und schloss seine Ansprache mit einem Satz, der zugleich zum passenden Motto für den gesamten Spatenstich wurde:
„Allzeit trockene Fluren innerörtlich!“
Der Spatenstich: Symbol für einen dauerhaften Schutz
Nach den Ansprachen von Bürgermeister Josef Schmelcher, Vize-Landrat Christian Seeberger und Philipp Clermont vom Wasserwirtschaftsamt Kempten sowie den abschließenden Worten des Bürgermeisters war es schließlich so weit: Die Beteiligten griffen zu den Spaten; v.l. sind zu sehen Markus Koch (Firma Wild), Philipp Clermont (WWA Kempten), Bürgermeister Josef Schmelcher, Vize-Landrat Christian Seeberger, Bauamtsleiter Gerhard Riegg und Daniel Gross (Planungsbüro Steinbacher Consult)
Wo 2024 noch Sandsäcke (Bigpacks) und ein provisorischer Damm erforderlich waren, entsteht seit 13.7.2026 eine dauerhaft angelegte Schutzlinie, die im Herbst 2026 fertiggestellt sein soll. Gleichzeitig bleibt die Maßnahme eingebettet in ein wesentlich größeres Konzept, das den Hochwasserschutz entlang der Günz auf überörtlicher und innerörtlicher Ebene miteinander verbinden soll.
Am 22.09.2021 war der Hochwasserdamm in Eldern (Spatenstich hierfür am 19.06.2018) eingeweiht, im April 2026 – ebenfalls zur innerörtlichen Ertüchtigung – die neu erbaute Brücke über die Westliche Günz (bei der Tanstelle Kohler) eröffnet worden.
Quellen:
Pressemappe des Bauamts der VG Ottobeuren
Eigene Transkripte der Redebeiträge beim Spatenstich
Memminger Zeitung 21.07.2026 (S. 26) mit Berichtigung am 23.7.
Fotos vom Hochwasser am 14.11.2023 vom WWA Kempten
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Transkripte, Fotos vom Spatenstich und Zusammenstellung (unter Einbezug von KI): Helmut Scharpf, 09/2026















