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22.09.2021 – offizielle Einweihung des Hochwasserrückhaltebeckens in Eldern


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Der Spatenstich für das erste von fünf Rückhaltebecken erfolgte am 19.06.2018, der damalige Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz (und MdL) Dr. Marcel Huber war eigens nach Ottobeuren gekommen. Gut zwei Jahre später – im August 2020 – war die Anlage betriebsbereit.
Pandemiebedingt musste die offizielle Einweihung immer wieder verschoben werden, im Beisein von Umweltminister Thorsten Glauber wurde sie am 22. September 2021 nachgeholt. Teilgenommen haben neben Mitarbeitern des Wasserwirtschaftsamtes Kempten einige Mitglieder des Zweckverbands sowie die Bürgermeister der Gemeinden, in denen alle fünf Dämme bis 2030 einmal stehen werden – schließlich handelt es sich um ein interkommunales Projekt. Der ZV ist ein Zusammenschluss von insgesamt sieben Kommunen mit dem Landkreis Unterallgäu. Vorhabensträger ist der Freistaat Bayern, vertreten durch das WWA Kempten.

Abt Johannes Schaber und Pfarrer Werner Vogl nahmen die kirchliche Segnung vor. Für die musikalische Unterhaltung sorgte die Gruppe „Bügelverschluss“.

Die Maßnahme in Ottobeuren-Eldern kostete rund 16 Millionen Euro (Planung, Konzeption, Grunderwerb und Bau), 16% davon musste der ZV tragen, der zudem 100 Jahre für den Betrieb der Anlagen verantwortlich zeichnet. Die übrigen 84% trägt der Freistaat Bayern, wobei die Bundesrepublik Deutschland 60% der Baukosten fördert.
„8 Millionen Badewanner Wasser“ – 1,6 Millionen m³ – können im Ernstfall zurückgehalten werden,  so der anschauliche Vergleich von Abteilungsleiter Neubau, David Kempter. Der Damm erstreckt sich ca. 750 Meter quer durch das Tal der Westlichen Günz. Die Schutzfunktion ist auf ein hundertjährliches Hochwasser ausgelegt. Ohne Hochwasserschutz wurde ein Schadenspotential von 160 - 200 Millionen Euro berechnet. Für die Investition in alle fünf Dämme sind 75 Millionen Euro veranschlagt, schon durch ein einziges Hochwasserereignis würde sich diese Investition demnach bereits amortisieren.

Neben dem Wasserrückhalt ermöglichen die Dämme die Drosselung des Durchflusses. Als weitere Maßnahme steht der innerörtliche Ausbau an sowie – für fünf Millionen Euro – die Umsetzung ökologischer Aufwertungen. (Diese gehen über den ökologischen Ausgleich vor Ort noch hinaus.) Das Dammbauwerk wurde mit einheimischem Saatgut eingesät und wird nur zweimal pro Jahr gemäht.
Bei einem hundertjährlichen Hochwasser kommen 65 m³/Sekunde am Drosselbauwerk an und werden auf 26 m³/Sek. gedrosselt. Den Damm, der bis zu 11 m Höhe erreicht, noch höher zu bauen, war wegen der sonst betroffenen Hofstellen und der Fischzuchtanlage Ripfel nicht möglich, man habe für den Rückhalt dennoch das Maximum herausgeholt. Die Hochwasserspitze kann gekappt werden, das überschüssige Wasser lässt sich auf 51 Hektar Einstaufläche im Becken zurückhalten, um es nach der Hochwassergefahr über die eingebauten Schützentafeln kontrolliert wieder abzugeben. Der sog. „Grundablass“ lässt die Westliche Günz in Trockenwetterphasen ganz normal durchfließen, der „Betriebsauslass“ ist für die Steuerung und den Betrieb im Hochwasserfall zuständig. Zwei Wehrklappen sorgen im Falle eines Einstaus für die Hochwasserentlastung, sollte das Bauwerk – trotz des bereits einberechneten „Klimazuschlags“ – an seine Grenzen kommen. Das Dammbauwerk würde also selbst im Extremfall nicht überronnen. Die Steuerungstechnik mit der Schaltanlage befindet sich im Betriebsgebäude, Herzstück ist die unterhalb des Beckens an der Günz eingebaute Pegelanlage. Je nach Pegel reguliert sich die Schließung der Drossel.

2005/06 begannen die ersten Planungen, als eigentlicher Start kann der Beginn des Raumordnungsverfahrens im Jahr 2010 angesehen werden. Von da an war klar, dass fünf Becken gebaut werden sollten. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es zur ersten Bewährungsprobe kommt“, so die Prognose von Herr Kempter.
Das Drosselbauwerk besteht aus Stahlbeton, der Damm aus 150.000 t Erdmaterial. Es handelt sich um einen homogenen – unter Kalkzementzugabe verdichteten – Erddamm, also ohne mittige Betonwand. Die Erdbewegungen umfassen neben dem Damm auch die Verlegung der Staatsstraße, die Materialentnahme im Bereich des Ortsteils Hessen und das neue Bachbett des Boschachbachs, in Summe kamen 550.00 Tonnen zusammen, die bewegt wurden. (Ein m³ Erde wiegt rund 2 t.)
Der geschwungene Dammverlauf passt sich gut in die Landschaft ein. Mit Blick Richtung Abt Johannes sagte der Abteilungsleiter: „Die Basilika bleibt von Süden aus sichtbar, was Sie freuen dürfte!“

Die Redebeiträge der Politiker werden zu einem späteren Zeitpunkt verarbeitet; abrufbar ist schon jetzt eine Bilderstrecke, einschließlich einiger Drohnen-Aufnahmen, insg. 38 Bilder.
Das Eingangsbild zeigt (von links) David Kempter vom WWA Kempten, Dr. Simon Faltermaier vom Umweltministerium, Ottobeurens Bürgermeister German Fries, die Bundestagskandidatin für den Wahlkreis 257, Mariana Braunmiller (Freie Wähler, Wolfertschwenden), Umweltminister Thorsten Glauber, den Leiter des Wasserwirtschafsamtes Kempten Karl Schindele sowie der Unterallgäuer Landrat Alex Eder.

Das WWA selbst hat zum Eldern-Projekt Drohnen-Videos veröffentlicht, die Sie hier abrufen können.

Am Ende der Veranstaltung gab es einen Stehimbiss, dem vom Hotel Hirsch geliefert wurde. Für die Anwohner und die Bevölkerung insgesamt ist zeitnah ein „Tag der offenen Tür“ vorgesehen.

Die Memminger Zeitung griff das Thema in der Ausgabe vom 24. September 2021 (S. 26, Franz Kustermann) auf („Menschenleben, Hab und Gut schützen“).

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Zusammenstellung und Fotos: Helmut Scharpf, 09/2021