Marktgemeinde Ottobeuren
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11.06.1891  Der „Schrannen-Ausweis“ der Schranne Ottobeuren bis 24.8.1893


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Schrannenmeister Josef Plersch führte jeden Donnerstag über den Bestand an Getreide Buch (Schrannenausweis) über die neue Zufuhr, den Bestand sowie die verkaufte Menge.

Gehandelt wurde mit Kern (enthülster Dinkel), Haber (Hafer), etwas Roggen und einige wenige Male (insgesamt drei Mal in 1892) auch Gerste. Aus den Verkäufen bildete sich ein bester / mittlerer / geringster Preis sowie ein Durchschnittspreis. Alle Ottobeurer Angaben wurden im Ottobeurer Wochenblatt veröffentlicht und durch die Daten der Schrannen Memmingen und Mindelheim ergänzt. Die gedruckten Werte stimmen mit den Eintragungen im Schrannenausweis überein.
Die Vorlage würde eine Auswertung nach der jahreszeitlichen Verteilung des Schrannenhandels ermöglichen. Im Zeitraum bis August 1893 heißt es im Buch lediglich zweimal: „keine Zufuhr“. Gehandelt wurde neben den genannten Getreidesorten auch Stroh und Heu, dies findet allerdings keinen Niederschlag im Schrannen-Ausweis - lediglich in der Zeitung werden hierfür die Preise genannt.

Das Buchcover trägt folgenden handschriftlich eingetragenen Titel: „Schrannen-Ausweis nach Zentner in der Schranne zu Ottobeuren 1891.“ (Schrannenbuch 1891-93), Besitzvermerk auf S. 3: 1891. Hr. Josef Plersch, Schrannen Mst. [Meister]
Format: Innenseiten 21 breit, 33,3 cm hoch, Cover 22 x 33,7 cm. Einige Seiten wurden von einem Kind verkritzelt, die meisten Seiten sind vorhanden.

Jahr 1891: Der erste „Schrannen-Ausweis“ hat die Nr. 24 vom 11. Juny [Juni] 1891; vom Eintrag 24 fehlt die rechte Seite. Die abgebildete Seite rechts muss die rechte Seite von Bericht 25 sein. Nr. 26 stammt vom 25. Juni 1891. Von Nr. 31 fehlt wiederum die rechte Seite; die gescannte rechte Seite muss also von Bericht 32 stammen. Nr. 33 stammt vom 13. August 1891.
Nr. 36 (3. September 1891): Alter Rest 5, Neue Zufuhr 7, Ganzer Stand 12, Verkauft –, Rest bleibt 12. „An Haber wurde nichts verkauft.“ (Insofern weist Nr. 37 einen „Alten Rest“ von 12 Zentnern aus.)
Vom Bericht 45 (5.11.1891) fehlt von der rechten, bzw. von Nr. 46 (12.11.) der linken und rechten Seite; auch von Nr. 47. (19.11.1891) von der linken Seite jeweils mehr als die Hälfte (weggerissen).
Letzter Ausweis für 1891 ist Nr. 53 vom 31.12.1891.
Download der Einträge 1891: (pdf, 300dpi, ca. 23 MB)

Ausweis 1 für 1892 beginnt am 7. Jänner; von Nr. 22 (2. Juni) ist nur die linke Seite vorhanden, 23 fehlt komplett, von 24 ist nur die rechte Seite vorhanden, ab Nr. 25 (23.6.1892) geht es wieder vollständig weiter.
Von Nr. 37 (15.9.1892) ist nur die linke Seite vorhanden, von Nr. 28 nur die rechte Seite. Nr. 39 bis zum Jahresende (Nr. 52, 29.12.1892) ist vollständig erhalten und gescannt.
Download der Einträge 1892 (pdf, 300dpi, ca. 36 MB)

1893 beginnt mit Nr. 1 vom 5. Jänner und endet mit Nr. 34 vom 24.8.1893. Nr. 35 (vom 31.8.) wurde zwar die linke Seite begonnen, enthält aber neben der Nummer und dem Datum keine weiteren Angaben, die rechte Seite fehlt (ob herausgerissen oder weil das Buch keine weiteren Vordrucke enthält, ist nicht klar).
Download der Einträge 1893 (pdf, 300dpi, ca. 26 MB)

Ob die Bauern zu der Zeit über die im Rathaus des Marktes Ottobeuren untergerachte Schranne verkaufen mussten (wie noch zu Zeiten des Klosterstaats) oder ob es sich wegen der aufwändigeren Transporte nach Memmingen oder Mindelheim einfach nur anbot, ist unklar. Aus dem Jahr 1901 hat sich die Ottobeurer Schrannenordnung erhalten. In den letzten Jahren - etwa bis zum Beginn des 1. Weltkrieges - war ein (Vorname?) Huber Schrannenmeister.

Einen guten Überblick über die Verhältnisse und Entwicklung der Ottobeurer Schranne erfahren wir von Altabt Vitalis Altthaler in seiner Zulassungarbeit von 1965, insb. auf den Seiten 63 - 65 im Kapitel „Ottobeuren als Marktort“. Das Zitat (nicht kursiv) beginnt auf S. 64:

Weniger Schwierigkeiten als mit dem Viktualienmarkt gab es offenbar mit der Getreideschranne. Jedenfalls konnte sie, wie aus den wöchentlichen Veröffentlichungen der erzielten Preise im „Ottobeurer Wochenblatt“ zu entnehmen ist, das ganze 19. Jahrhundert hindurch ohne Unterbrechung bestehen. Angaben über Angebot und Absatz lassen sich leider nur aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ermitteln, wobei sich seit 1885 eine ständige Abnahme erkennen lässt. Die Schuld für diese Entwicklung der Tatsache zuschieben zu wollen, dass Ottobeuren durch die Einrichtung eines Bezirksamtes und eines Landgerichtes bzw. Amtsgerichtes in Memmingen seit 1862 erhebliche Verluste an zentraler Bedeutung hinnehmen musste, wäre jedoch nicht richtig. Die Hauptursache dafür ist vielmehr in einer außerhalb des lokalen Bereiches vor sich gehenden Änderung der Wirtschaftsverhältnisse zu sehen, die schließlich auch in größeren Marktzentren wie z.B. in Memmingen zu einer Änderung der bestehenden Markteinrichtungen führen mussten. Im Gegensatz zu Memmingen, das als Fruchthandelsplatz zunächst einen beachtlichen Aufschwung erlebte und in zeitgenössischen Berichten neben den großen Schrannen zu Augsburg, Nördlingen, Kempten und Lindau genannt wurde 20), diente die Schranne zu Ottobeuren vorwiegend dem lokalen Verkehr. Somit stand sie an Bedeutung immer weit hinter Memmingen zurück, was folgenden Zahlen leicht zu entnehmen ist:
Tabelle 7: Getreidebestand an den Schrannen zu Ottobeuren und Memmingen 1809/10 (in Schäffel) 21)
                          Ottobeuren          Memmingen
Korn                         885                      14.922
Weizen und Kern  1.684                      43.969
Gerste                      449                      18.050
Hafer                        603                      13.666
_________________________________
20) Seuffert G., Statistik des Getreide- und Viktualienhandels im Königreich Bayern, München 1857, nach Chr. Borchert, Fruchtfolgesysteme und Marktorientierung als gestaltende Kräfte der Agrarlandschaft in Bayern, S. 39
21) Montgelas’sche Gütererhebung, Bayerische Staatsbibliothek München, Handschriftenabteilung

Die Schranne zu Ottobeuren reiht sich also unter die große Zahl jener Schrannen ein, deren Absatz fast ausschließlich „an die Bäcker und Consumenten des Marktortes und der näheren Umgebung“ geht (Anm. 20). Eine Entwicklung zu größerer Bedeutung wäre allein schon wegen der dichten Lage der alten und wesentlich größeren Schrannenorte Kempten, Memmingen, Kaufbeuren und Mindelheim nicht möglich gewesen. Das natürliche Ergänzungsgebiet von Ottobeuren war zu klein, um den zentralen Marktort zu überörtlicher Bedeutung aufsteigen zu lassen. Außerdem wurde in dem Gebiet, welches Ottobeuren nach der Säkularisation als natürliches Ergänzungsgebiet verblieb, nämlich die frühere obere Herrschaft, der Getreidebau weniger gepflegt als in der Umgebung von Memmingen. Die Ernteerträgnisse waren relativ gering; durfte man doch nur mit dem drei- bis zehnfachen Betrag der Aussaatmenge rechnen im Gegensatz zum sechzehn- bis achtzehnfachen Betrag in der Gegenwart 22). Außerdem war der Eigenverbrauch wegen einer starken agrarischen Überbevölkerung und wegen der gerade in Schwaben so bevorzugten Mehlspeisen sehr hoch. Nach übereinstimmenden Berichten kam noch um 1900 auch bei wohlhabenden Bauern Fleisch nur an den höchsten Festtagen auf den Tisch.

Der Rückgang des Umsatzes an der Schranne zu Ottobeuren bis zu ihrer Schließung zeigt sich in folgenden Angaben aus dem Ottobeurer Wochenblatt bzw. Tagblatt, das leider nicht mehr in allen Jahrgängen vollständig erhalten ist:
Tabelle 8: Getreidebestand an der Schranne zu Ottobeuren 1865 - 1904 23)
                   April     September   November
1865            493            404            539 Schäffel
1870            443            424            539
1885            639            308            735 Zentner
1890            302            202             --
1895            247            170              85
1901              92            107            137
1904              73              49              42
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22) Borchert Chr., a.a.O., S. 35
23) Ottobeurer Wochenblatt und Ottobeurer Tagblatt der angegebenen Jahrgänge

Die Auswahl der genannten Monate richtet sich lediglich nach dem vollständigen Vorhandensein des benötigten vergleichbaren Zahlenmaterials. Der Schrannenverkauf erstreckte sich über sämtliche Monate des ganzen Jahres. Der Schrannenbestand und die verkaufte Getreidemenge – in der Regel war es der ganze Schrannenbestand – wurden wöchentlich veröffentlicht. Können wir, soweit mit nur zwei Angaben überhaupt eine Aussage erlaubt ist, in den Jahren 1865 und 1870 noch einen normalen Ablauf des Schrannenverkehrs mit jährlich ungefähr gleich bleibenden Getreidemengen beobachten, so spiegeln sich in den Angaben aus späteren Jahren deutlich die als Krise bekannten Vorgänge auf dem deutschen Getreidemarkt, die sich auch in den kleinsten Zentren bemerkbar machten und die schließlich zu einer Änderung der bäuerlichen Wirtschaftsstruktur, nämlich einer stärkeren Hinwendung zur Viehzucht den Anstoß gaben 24). 1905 wurde offenbar die Ottobeurer Schranne geschlossen. Die folgenden Jahrgänge des Ottobeurer Tagblattes bringen nur noch Schrannenberichte aus Memmingen.
(Zitat Ende)

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Im Ottobeurer Wochenblatt begann mit der ersten Ausgabe am 02.03.1820 der Abdruck der Schrannenpreise (Erstausgabe, S. 4-1 hier klicken).

Dies wurde auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch so beibehalten. Abt Vitalis Altthaler nennt 1905 als vermutlichen Zeitpunkt der Schließung. In einer der letzten Ausgaben des Ottobeurer Volkblatts vor Beginn des 1. Weltkrieges, am 30.07.1914, hieß es auf S. 4 unter Ottobeuren: „Heute fand keine Schrannenzufuhr statt.“ Abgedruckt waren die Preise der Memminger und der Mindelheimer Schranne für „Kern, Roggen, Gerste und Haber“.
Im „Ottobeurer Tagblatt“ (Ausgaben ab August 1914) sind lediglich noch Marktberichte vom landwirtschaftlichen Verband für Schwaben abgedruckt (Schlachtviehpreise) bzw. der „Amtliche Münchener Viehmarktbericht“. In der Ausgabe vom 22.10.1922 findet sich auf S. 3 ein „Schrannenbericht“ aus Babenhausen.

Aus dem Jahr 1901 hat sich die Schrannen-Ordnung erhalten.

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Urenkel Klaus Huber hat das Buch im Nachlass seiner verstorbenen Tante, der Oberlehrerin Magda Huber (21.01.1925 - 14.05.2016) gefunden und dem virtuellen Museum dankenswerterweise zur Verfügung gestellt. Über den zweiten Vorschau-Reiter von links lässt sich eine Doppelseite abrufen, die aus dem Schrannen-Ausweis zusammengesetzt wurde.
Scans, Bearbeitung, Zusammenstellung: Emma und Helmut Scharpf, 12/2016