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23.06.1897 – Georg Epple führt das „Fremdenbuch“ von Stephansried


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Nur zwei Tage nach den Beerdigungsfeierlichkeiten für Sebastian Kneipp in Wörishofen wurde in Stephansried – seinem Geburtsort – ein „Fremdenbuch“ angelegt. Der Ort hatte sich noch unter Kneipp selbst bereits in den 1890er Jahre zur Pilgerstätte der Wörishofer Kurgäste und Kneippvereine entwickelt, nach Kneipps Tod sollte dort ein „ehrendes Gedenken“ an den Wohltäter der Menscheit bewahrt werden.
Geführt wurde das Buch von Johann Georg („Hansjörg“) Epple, einem Neffen Kneipps, der mit seiner Frau Genoveva bis zum Umzug nach Ottobeuren 1910 im wiedererbauten (und im August 1878 nach einem Blitzeinschlag nochmals abgebrannten) Elternhaus Haus Nr. 4 Kneipps seit 1879 bzw. März 1880 lebte.
Epples Mutter Maria Schalber (*17.07.1818, Stephansried, Heirat mit Johann Georg Epple sen. am 06.06.1843 in der Pfarrkirche Frechenrieden, †16.11.1880 in Frechenrieden) war Kneipps Halbschwester.

Exkurs: Haus Nr. 4 war Hansjörg von Kneipps Schwester Viktoria Benz (geb. Kneipp) nach dem Tod ihres Mannes Theodor Benz (*08.12.1808, Schellenberg b. Ottobeuren, Heirat mit Viktoria Kneipp am 22.06.1857 in der Abteikirche von Ottobeuren, †22.08.1879, Stephansried) am 01.03.1880 – dem Tag der Heirat von Georg Epple mit Genoveva Menhild (*04.09.1854 in Frechenrieden; Heirat in der Abteikirche Ottobeuren, †28.09.1938 in Ottobeuren) – übergeben worden.
Kneipp hatte Viktoria und Theodor höchstpersönlich getraut und war auch bei der Beerdigung von Theodor Benz in Ottobeuren.
Viktoria starb am 24.01.1888 im „Madlenerhaus“ (vermutl. im Haus des Bauunternehmers Madlener in der Schützenstraße) in Ottobeuren. Georg Epple gab für den Umzug nach Stephansried seine Stelle als Käser und Berghirte auf einer Alm bei Steibis auf. Zunächst war Epple von den den zugehörigen 8,15 Tagwerk saure, einmahdige Wiesen und ganzen drei Stück Vieh nicht begeistert, Sebastian Kneipps hatte ihn nach dem Tode seines Schwager Theodor Benz aber ins Pfarrhaus von Wörishofen kommen lassen und mit dem Angebot entsprechender Unterstützung überzeugt. Kneipp argumentierte, seine Schwester sei schon alt und könne den Hof nicht allein – die Ehe war kinderlos geblieben – umtreiben. Es war ihm sehr wichtig, dass die „Hoimat“ – das Anwesen – in Familienbsitz bleibt und nicht „in fremde Hände gerät“. Er bot seinem Neffen deshalb an: „Ich werde dich in allen Sachlagen und Nöten unterstützen und helfen, wo ich kann.“ Franz Schalk (*16.03.1893 - ca. 1978) aus Stephansried schrieb in der von ihm verfassten Familienchronik der Kneipps, Schalbers und Epple weiter: Auf diese Zusicherung hin verließ der Hansjörg seine Stelle in den Bergen und kam noch im Jahre 1879 nach Stephansried.

Über diesen Exkurs wird deutlich, dass Kneipp den Lebensweg von Georg Epple entscheidend geprägt hat, Epple dürfte ein Gefühl großer Dankbarkeit für seinen Onkel empfunden haben. Auf der Seite des Eintrags zum Jahr 1900 steht im Fremdenbuch gar die Überschrift: „Zum Gruss: für Kneipp leben und sterben.“

Was die Aufrechterhaltung des Gedenkens an Sebastian Kneipp angeht, war der sehr bescheiden auftretende Georg Epple (*11.08.1854, Frechenrieden, †16.10.1940, Ottobeuren) eine der treuesten Seelen. Selbst nach seinem Umzug in die Pater-Maurus-Feyerabend-Straße 5 kam er jedes Jahr zum Primiztag Kneipps (24.08) und erzählte den Pilgern von seinem Onkel. Der Umzug nach Ottobeuren 1910 machte sich im Fremdenbuch jedoch bemerkbar, es fanden kaum noch neue Einträge statt. Der letzte stammt vom 08.02.1913: Anna Gentzwieser aus Budapest und Franz Sesendorfer aus Altmünster.

Schon auf der Titelseite erkennt man an zwei Eintragungen von Besuchern aus Detroit die internationale Bedeutung Sebastian Kneipps, auch in den USA hatten sich Kneipp-Vereine gegründet. Auf den Spuren des Meisters pilgerten Gäste aus aller Herren Länder nach Stephansried. Dass unter dem  03.09.1898 besonders viele Einträge zu verzeichnen sind, liegt an der Einweihung des Kneippdenkmals in Stephansried!

Das „Fremdenbuch“ umfasst 23 Seiten, bei der Transkription der hanschriftlichen Einträge setzen wir auf Dr. Alois Epple aus Türkheim!

Max Mahler aus Ottobeuren hat die hier gescannte Kopie zur Verfügung gestellt, das Original ist im Haus Nr. 4 in Stephansried nicht mehr vorhanden, der Verbleib unklar. Das Foto mit dem Ehepaar Epple überließ uns der heutige Bewohner von Haus Nr. 4, Georg Schütz, ebenso die Chronik zu den Familien Schalber, Kneipp und Epple von dem Stephansrieder Franz Schalk (*16.03.1893 - ?). Die pdf gibt sein Original wieder, die docx wurde gekürzt, Fließext sprachlich geglättet, inhaltlich angepasst und das ein oder andere Mal auch berichtigt.

Ein Foto vom 04.02.2021 zeigt das 1910 erbaute  „Epple-Haus“ in der Pater-Maurus-Feyerabend-Straße 5 in Ottobeuren. Es teilt sich in zwei Haushälften, die westliche hat die Hausnummer 3, die Epples wohnten in Nr. 5. Dieser Teil steht schon seit vielen Jahren leer, der Garten wird von Frau Mahler genutzt.

Franz Schalk hat außerdem eine Chronik der Jahre 1940 - 60 verfasst, aus der im virtuellen Museum zitiert wird.

Auf den großen Dorfbrand vom 17.05.1841 wird hier eingegangen.

Scans, Abschriften und Recherche: Helmut Scharpf, 01/2021