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11.10.1861 – Revierförster Friedrich Reichenbach stirbt unerwartet


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Eine Danksagung der Witwe Carolina Reichenbach im Ottobeurer Wochenblatt (vom 17.10.1861, S. 4) gibt uns über den Tod des Ottobeurer Revierförsters Friedrich Reichenbach (*15.04.1804, Reichenhall, †11.10.1861, Ottobeuren) nur einen Hinweis, nachdem aber im April 2021 eine von Anton Ganghofer verfasste Kurzbiographie auftauchte, wissen wir nun etwas mehr über den Werdegang des Försters, der mit 57 Jahren plötzlich und unerwartet gestorben war. Das Dokument stammt aus dem Nachlass des Kgl. Bayerischen Amtsrichters Carl Engerer.

Der Verfasser, Anton Ganghofer (*04.09.1798, Kling bei Wasserburg, †11.11.1870, Ottobeuren), der mit einem Kenotaphen an der Sebastianskapelle auf dem Ottobeurer Friedhof verewigt ist, war königlicher Forstmeister und Großvater des Schriftstellers Ludwig Ganghofer.

Erstaunlich ist, welche Flexibilität schon Mitte des 19. Jahrhunderts in der Berufsausbildung erforderlich war. Hier nachfolgend die Transkription seiner Handschrift. (Hinweis: „8ber“ steht für „Oktober“.)

Kurze Biographie des seel. Herrn
Revierförsters Friedrich Reichenbach
Herr Revierförster Reichenbach von Ottobeuern,
Sohn des Herrn Karl Reichenbach Salinenkunstmeister
von Reichenhall, geboren 15 April 1804 genoß
zu München und Reichenhall Gymnasial Studien,
erhielt dann in der Mathematik und in der
Mechanik Unterricht, besuchte 1821 die
Universität Landshut u. studirte drauf
3 Semester mit Auszeichnung reine und
angewandte Mathematik, Physik, insbesondere
auch Mineralogie, ging dann zu seinem Vater
zurück, um denselben in mechanischen Arbeiten
Hülfe zu leisten. Er hatte jedoch eine besondere
Vorliebe für das Forst- und Jagdfach,
und trat mit Regierungsbewilligung im 8ber
1823 auf dem Reviere St. Zeno Forstamts
Reichenhall in die Forstpraxis u. blieb daselbst
bis 1825. Sodann besuchte er die Forstschule
zu Aschaffenburg und zwar die Vorlesungen
des II Cursus, absolvierte mit vorzüglichen
Noten am 15. Sept 1826 und praktizirte
sodann bis Ende Januar 1827 auf dem Forst-
amte Reichenhall. Bis zum 11 März 1829
war er k. Forst-Gehülf auf dem Reviere Traun-
stein und Rottach, und wurde sodann zum
k. Forstwart zu Straßberg, Reviers
Biburg, Forstamts Augsburg
befördert. Angenehme Lebens Verhältniße

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daselbst veranlaßten ihn, seine Beförderung zum
Revierförster lange nicht zu betreiben und so
wurde er erst zum 23 July 1840 als Revier-
förster zu Zöschingen, Forstamts Dillingen
ernannt. Auf sein Ansuchen wurde er am
26 8ber 1850 auf das Revier Börwang, Forst-
amts Kempten und von da am 1 Juni 1855
auf das Revier Ottobeuren, Forstamts
Ottobeuren versetzt, auf welchem Reviere
er seinen Dienst zur vollen Zufriedenheit
seines vorgesetzten Amtes und den höchsten
und aller höchsten Regierungsstellen fort-
setzte, biß ihn so unerwartet und für
seine Familie viel zu früh – Gottes
unerforschliche Fügung aus diesem Leben
am 11 8ber 1861 Nachmittags 2 Uhr 30 Minuten
abgerufen hat. – Ihm ist wohl; Ehre
seinem Andenken und Ruhe seinem
Grabe!

Ganghofer
k. Forstmeister

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Transkription und Sammlung, Helmut Scharpf, 04/2021.