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14.10.1805 – Die Österreicher kapitulieren in Memmingen


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Bayern war mit Frankreich verbündet und kämpfte gegen die Österreicher, die sich in Ulm und Memmingen verschanzt hatten. Über Landsberg und Mindelheim kam am 13. Oktober 1805 ein Armeekorps Franzosen unter Marschall Soult in unsere Gegend und schoss von Memmingerberg aus mit Kanonen auf Memmingen. Mehrere Unterhändler wurden von den Österreichern zwar abgewiesen, nach nur einem Tag kapitulierte die österreichische Besatzung jedoch, mehrere tausend Mann begaben sich in französische Gefangenschaft.
Während der Beschießung wurde wie durch ein Wunder weder ein Zivilist noch ein Soldat getötet. Noch heute findet sich auf der Ostseite des Lindenbades eine im Mauerwerk eingeschlossene Kanonenkugel.

Die Österreicher versuchten schon ein Jahr später (1806) erneut, die Oberhand zu gewinnen, auch Ottobeuren wurde besetzt. Pater Maurus Feyerabend geht in seinem vierten Band 1816 leider nicht mehr auf die Ereignisse ein, seine Chronik endet mit der Säkularisation 1802. Abhilfe könnte hier die Einsicht in den „Ottobeurischen Tagschriften“ des Basil Miller (im Klosterarchiv) schaffen.

Mehrere dekorative Stiche (Sammlung Helmut Scharpf) dokumentieren und glorifizieren die damaligen Ereignisse, der erste – aus der Galeries historiques de Versailles von 1838 – zeigt die Franzosen auf der Anhöhe von Memmingerberg, während die Habsburger aus der Stadt ziehen. (Es fehlt hier der Stich über die Verwüstung des Lupin'schen Gartens.)
Minutiös beschrieben wurden die Ereignisse durch den Historiker Thomas Schuler (Ulm). Er geht auch auf die Ereignisse in Memmingen ein, sein Buch ist mittlerweile jedoch vergriffen. (Ein letztes Exemplar konnte bei einem Antiquar in Paris beschafft werden.) Laut Konrad-Verlag ist keine Neuauflage vorgesehen; ein Blick auf die Neuerscheinungen dieses kulturell herausragenden Verlags lohnt sich dennoch immer!)

Der zweite hier eingestellte Stich zeigt eine Landschaft, die nicht zur unmittelbaren Umgebung Memmingens passt, vermutlich deshalb, weil er in Paris hergestellt wurde. Stahlstich: Melchior Peronard (1831 - 66), Zeichnung: Jean Victor Adam (1801 - 66).

Die hier abrufbare Militärkarte (Combat de deux corps marchant l'un sur l'autre; übersetzt etwa „Gegenseitiges Gefecht zweier Infanterie-Korps“), eine Lithografie von Godefroy Engelmann (1825, 18,5 x 14 cm), ist schwer einzuordnen, eine Legende fehlt. Es kann sich um eine Darstellung der tatsächlichen Truppenstandorte von 1805 handeln, vielleicht diente sie im Nachgang aber einfach nur taktischen Übungen. (Eine weitere Karte von Engelmann aus dieser Serie wird gerade [11/2021] bei ZVAB angeboten.)

Ein weiterer Stich zeigt die Übergabe von Ulm am (lt. Stich am 02.10.1805, laut Wikipedia am 20.10.1805): 33.000 Gefangene, 16 Generäle und 60 Stück Geschütz defilierten an Napoleon vorbei.

Literaturzitat:
Schuler, Thomas: Napoleon in Bayern
Die Schlacht von Elchingen. Die Befreiung von München 10. bis 14. Oktober 1805, Konrad Verlag, Weißenhorn, März 2010, 246 S., 29,90 Euro, ISBN 978-3-87437-543-6

Napoleon war zwar bei der Schlacht von Elchingen zugegen, nicht aber in Memmingen. Seine korrupten Handlanger deckten sich reichlich mit Schmiergeldern ein. Je nachdem, wer gerade an der Macht war, musste die Bevölkerung beim Bau von Befestigungsanlagen mitarbeiten („schanzen“), nur um diese gleich im Anschluss wieder zu schleifen. Auch die Österreicher bedienten sich in Memmingen, indem sie z.B. die dortigen Salzlager versilberten.

Auf Seite 46 in:
Bayer, Günther: Memmingen. Alte Ansichten aus Stadt und Land. Topographische Darstellungen aus fünf Jahrhunderten, Memmingen, 1990, 160 S., ISBN 3-9800649-9-9
ist der erste Stahlstich – nach einem Gemälde von Siméon Fort (1793 - 1861) – abgebildet. Günther Bayer erklärt dazu auf S. 47:
„Am Abend des 14. Oktober 1805 übergab der österreichische Kommandant Graf Spangen nach kurzer Beschießung die Stadt, wobei 4600 Soldaten in Gefangenschaft gerieten. Die besiegten Österreicher bewegen sich in endlosem Zug am Generalstab der französischen Eroberer vorbei, der sich am Hand von Memmingerberg neben dem Fachwerkstadel des Unold-Schlössles postiert hat.“

Anlässlich der Einnahme Ulms und Memmingens ließ Napoleon sogar eine Gedenkmedaille prägen.

Am 11. Mai 1800 war Memmingen schon einmal von Franzosen besetzt worden, die unter dem Feldzeugmeister Kray stehenden kaiserlichen Truppen waren im Gefecht von Hart besiegt worden. (Die Kaiserlichen wollten den Illerübertritt des Revolutionsheeres bei Ferthofen stoppen.) Vom 30.05. - 12.06.1800 hielt sich General Marceau in der Stadt auf. Von Elias Friedrich Küchlin (1759 - 1836) gibt es ein Aquarell mit dem Titel „Franzosen auf dem Memminger Marktplatz, Mai 1800“. Günther Bayer beschreibt die Szene auf S. 169: „Die Stadt ist mit Militär überfüllt. Der Marktplatz steht während der turbulenten Tage der Einquartierung im Mittelpunkt hektischer Betriebsamkeit.“
Vielleicht dürfen wir das schöne Aquarell hier mit einstellen!

Literaturzitat:
Bayer, Günther: Memmingen in historischen Bildern. Darstellungen und Dokumente zur Geschichte der Reichsstadt aus acht Jahrhunderten, Memmingen, 1983, 191 S., ISBN 3-9800649-1-3
 
Drei Fotos vom 16. Januar 2022 zeigen die im Gasthof „zum Lindenbad“ eingemauerte Kanonenkugel (Aufschrift: „Zur Erinnerung an den 13. Okt. 1805“) sowie den Wehrgang der Memminger Stadtmauer an der Kohlschanze. Auf einer Chronik-Seite des Gasthofes wird auf die geschichtlichen Ereignisse von damals näher eingegangen.

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Zum Ottobeurer Wochenblatt von 1821 gibt es im Zusammenhang mit Napoleon bereits einen Eintrag im virtuellen Museum.