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1874 (1878) – Sebastian Kneipp veröffentlicht seinen landwirtschaftlichen Ratgeber „Fritz, der fleißige Landwirth“


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Lange vor Sebastian Kneipp seine Bücher zur Wasserkur herausgab (ab 1886), veröffentlichte er Ratgeber zu landwirtschaftlichen Themen. Er war mit seiner neuen Stelle (ab Mai 1855) in Wörishofen nicht nur Beichtvater der Dominikanerinnen geworden, ihm oblag auch die Kloster-Ökonomie. Wie schon mit seinen Beobachtungen im Zuge der Selbsttherapie, stellte er auch seine „seit 22 Jahren gemachten Erfahrungen“ (erste Auflage „seit 18 Jahren“) im Bereich Landwirtschaft der Allgemeinheit zur Verfügung.
Natürlich kam ihm dabei seine Herkunft aus Stephansried zu Gute: Im Alter von 12 Jahren hatte er von seinem Vater einen Bienenstock bekommen, im Sommerhalbjahr war er nicht nur in der eigenen – kleinen – Landwirtschaft eingesetzt, sondern verdiente sich auch bei umliegenden Höfen ein Zubrot.

1873 begann Kneipp mit den beiden Bändchen „Bienen-Büchlein“ und „Die Kaninchenzucht“, 1874 folgte „Fritz, der fleißige Landwirth“, 1875 „Fritz, der fleißige Futterbauer“ und abschließend 1877 „Fritz, der eifrige Viehzüchter“.
Zeugnisse von Kneipps Wirken für die Verbesserung der landwirtschaftlichen Erträge finden sich auch in der „Agrarhistorischen Bibliothek in Herrsching“ (s. auch Artikel „Der bäuerliche Wasserdoktor“ aus der SZ vom 20.06.2017).
Die – oft bildhafte – Sprache ist bewusst einfach gehalten, die Dialogform lockert den Text auf.

Literaturzitat:
Kneipp, Sebastian: Fritz, der fleißige Landwirth, Augsburg, 3. Auflage, 1878, 296 S.

Das umfangreiche Inhaltsverzeichnis findet sich – wie damals üblich – auf den letzten Seiten (S. 293 - 296). Die erste Auflage hatte nur 121 Seiten.

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Hier steht nun die „dritte vermehrte und verbesserte Auflage“ von 1878 zur Verfügung; die ersten 12 Seiten zusätzlich in Abschrift. Der Text wurde textdurchsuchbar gescannt.

Fritz, der fleißige Landwirth. Ein Büchlein, worin enthalten sind die seit 22 Jahren gemachten Erfahrungen in Verbesserung der Landwirthschaft, als einfache Anleitung für jeden Landwirth, der bemüht ist, seinen Betrieb zu verbessern, von Sebastian Kneipp, Beichtvater im Frauenkloster zu Wörishofen.
Dritte vermehrte und verbesserte Auflage.
Augsburg. B. Schmid'sche Verlagsbuchhandlung (A. Manz). 1878.

Empfangsgruß.
Ihr Bauern all' in Stadt und Land
Ich biete euch zum Gruß die Hand!
Was ihr schon längst gewünscht von mir,
Bring ich in diesem Büchlein hier.
So hört mich an nach altem Brauch,
Und meinen Schwager Konrad auch;
Prägt jeden Abschnitt fest euch ein,
Ja laßt euch dies empfohlen sein!
Ich spreche für den Bauersmann,
Daß Jeder mich verstehen kann.
Betreibt darnach den Feldbebau,
Und Keiner auf den Andern schau!
Wer euch nicht glaubt, den laßt nur geh'n;
Er wird schon seinen Schaden seh'n.
Erfahrung macht ihn bald belehrt,
Daß er sich gern zum Bessern kehrt:
Läßt dann den falschen Grundsatz gau:
Laß allat gau, s' hat's allat dau!
D'rum, liebe Bauern! frisch daran,
Daß Jeder von euch lernen kann.
Natürlich braucht es großen Fleiß,
Was ich gewiß am besten weiß;
Doch d' Müh' wird nicht vergebens sein,
Sie trägt euch großen Nutzen ein.
In Gottes Namen fangt jetzt an,
Und dann ist Alles wohlgethan! —

Einleitung.
„Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brod verdienen.“ Dieses Urtheil Gottes lastet recht fühlbar auf dem Menschen, erbt sich fort von einer Generation zur andern, und ist im Allgemeinen auch aufgefaßt. Jeder ist bemüht, sein tägliches Brod zu bekommen und seine zeitlichen Bedürfnisse zu bestreiten. Eine Generation lernt von der andern, wie man der Erde das Brod abgewinnen kann. Es ist mitunter ein großer Wetteifer, wie man's am leichtesten, am schnellsten und im reichsten Maße bekommen könne.
Die Menschen unterstützen einander in jeder Weise. So ist vor mehr als zwei Jahren das Büchlein: „Fritz der fleißige Landwirth“ in die weite Welt hinaus gewandert, um erprobte Erfahrungen in der Landwirthschaft Andern mitzutheilen, wie man nämlich mit Vortheil auf eine ganz einfache Weise mehr Produkte aus der Erde gewinnen könne. Besonders sollte das Büchlein Anleitung geben, wie man die Salzdüngung besser in Anwendung bringen könne, weil das Salz wohlfeil und dennoch ein vorzügliches Düngermittel ist. Fritz der fleißige Landwirth hat fast überall gute Aufnahme gefunden. Und wenn auch diese Fritze aus der Druckerei recht zahlreich gewandert sind, gleich einer Schaar Fabrikleute, wenn sie zur Arbeit gehen, oder von der Arbeit kommen, so wurden doch alle in der weiten Welt ausgenommen. Es ist wirklich erfreulich, von allen Seiten vernehmen zu können, daß recht viele Versuche nach dieser Anleitung gemacht wurden, worauf

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der gute Erfolg nicht ausblieb. Fritz wollte nicht als gelehrter Landwirth umherwandern, sondern gleich einem ehrlichen, gewandten Knechte Jedem zu einem reichern Bau verhilflich sein. Deßhalb zeigte er vorherrschend, was man zu diesem Zwecke thun soll und was man zu gebrauchen habe. Da nun diese Fritze alle versorgt sind, so kommt jetzt ein dritter, oder wie man sonst sagt: die dritte Auflage. Wenn ich diesen mit dem ersten vergleiche, so kommt er mir vor, wie wenn der Postbote auf der Post seinen Ranzen mit Briefen, Zeitungen etc. füllt, um selbe an die Leute zu vertheilen. So wird auch der dritte Fritz mit neuen Belehrungen, Erfahrungen und Ueberzeugungen aus der Presse seine Runde im Lande herum machen. Hätte etwa der erste einen ordentlichen Hausknecht gemacht, so könnte der dritte seiner Kenntnisse wegen vielleicht einen Baumeister abgeben.
Doch will auch er keine großen Ansprüche machen und wünscht bloß eine gutmüthige Aufnahme, einen unermüdeten Eifer zur Verbesserung und ganz besonders eine große Genauigkeit in Allem, wozu seine Anleitung anhält; nur keine Halbheit!
So geh' denn, guter Fritz! mit Allem, was du gelernt hast, klopfe um Aufnahme an, wo du ein Stadelthor oder eine Stallthüre siehst. Findest du an einem Orte gute Aufnahme, und hast du dich dort recht heimisch gefunden, so daß du dich mit dem Bauer den Winter hindurch in den Abendstunden recht gutmüthig unterhältst, dann hast du einen Theil deiner Absichten erreicht. Gehst du aber dann gar mit dem Bauer auf's Feld und sagst ihm gutmüthig in's Ohr, er soll's auch so machen, wie du ihm rathest; folgt er dir und sieht er dann den guten Erfolg dadavon, so wirst du sicher bald der Liebling des Hauses werden. Wirst du aber trocken, oder gar mit Hohn

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und Spott abgewiesen, so nimm auch dieses ganz ruhig hin und denke bei dir selbst: „Kein Mensch kann's allen Leuten recht machen!“ Würden alle guten Lehren angenommen und befolgt, so wäre ja der Himmel schon lange auf der Erde. Findest du mitunter auch deinen ersten Bruder und hat sich derselbe wacker gehalten, d.h. hat er gut genützt, so wird dir mancher Landmann neben deinem Bruder ein Plätzlein gönnen, und ihr Beide werdet Segen in's Haus bringen. Wo du hinkommst und Aufnahme findest, bring' einen freundlichen Gruß von deinem Verfasser mit. Wer dir keine Aufnahme gönnt, dem richte auch einen Gruß von mir aus, und ich lasse ihm eine gute Besserung wünschen in Verbesserung der Landwirthschaft.
Wenn in dieses Büchlein auch manche Lebensregeln eingemischt wurden und die Sprachweise darin ganz einfach gehalten ist, so sollte den Landwirthen dadurch nur Alles recht klar, deutlich und verständlich dargestellt werden.
Da nun die Hauptaufgabe des Landmannes darin besteht, daß er seine Grundstücke gehörig kennen lerne, sie zu verbessern, zu nähren, zu bearbeiten und zweckmäßig zu bebauen verstehe, will Fritz diese Punkte ganz besonders behandelt wissen. Der erste Unterricht sei nun:

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A. Die Bodenkunde.

Fritz erscheint mit seinen eifrigen Gefährten und hält um eine Unterrichtsstunde über die verschiedenen Bodengattungen an, was ihm auch zugesagt wird. So höret:
Wenn Jemand ein Haus bauen will, dann sucht er zuerst einen geeigneten Platz dazu auf. Hat er einen gefunden, dann untersucht er den Grund, um zu erfahren, ob eine gute, mittelmäßige, oder schlechte Grundlage zum Baue vorhanden sei. Es kommt ja beim Bauen recht viel auf den Grund an. „Wer auf Felsen baut, kann fest und sicher bauen; wer auf Sand baut, baut zum Einfallen.“ Fehlt einem Bauplatze die gute Grundlage, so wird der, welcher das Haus baut, nicht eher anfangen zu bauen, bis die Grundlage in Ordnung ist, sonst handelt er nicht klug.
Wie die Häuserbauer um einen Bauplatz sehen müssen und denselben herrichten, so hat auch der Landwirth seine Bauplätze, auf denen er Getreide, Futter etc. baut. Diese Bauplätze muß er kennen lernen, ob sie gut, mittelmäßig oder schlecht sind, um entweder gut bauen zu können, oder die mittlern und schlechten in gute und bessere umzuwandeln. Der Landmann, der seinen Boden nicht versteht, kommt mir vor wie ein Schneider ohne Nadel, ein Weber ohne Webstuhl, ein Schmied ohne Schmiede.

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Kennt aber der Landwirth seine Bauplätze recht, versteht er, die Mittlern und schlechten zu verbessern, dann ist er mit den ersten nothwendigen Eigenschaften versehen, die er als Landwirth besitzen muß. Besitzt er diese Kenntnisse, dann ist noch weiter nothwendig, daß er den Boden, auf dem er seine Früchte baut, zu behandeln wisse, so daß dieser für die Früchte geeignet wird, wie ein guter Bauplatz für ein Haus.
Wenn wir den Landwirthen die Bauplätze, auf denen sie Früchte und Futter bauen, in Klassen eintheilen, so sind besonders vier namhaft zu machen, welche heißen: 1) Der Thonboden, 2) der Sandboden, 3) der Kalkboden und 4) der Moorboden. Diese vier verschiedenen Grundlagen sollen die Landwirthe gut kennen und auch die gehörigen Kenntnisse besitzen, wie und was sie auf den einzelnen Bodengattungen zu bauen haben, und welche Früchte dort am besten gedeihen. Somit soll jede einzeln dargestellt werden:

1. Der Thonboden.
Wenn man Mehl und Wasser gut untereinander rührt, so bekommt man, wenn man nicht zu viel Wasser dazu nimmt, einen zähen festen Teig, der sehr hart wird, wenn er ganz getrocknet ist. Das Gesagte ist ein Bild vom Thonboden. Er ist eine pulverförmige Erde, die mit Wasser vermischt, eine zähe, fette, klebrige Masse bildet, und die, wenn sie vertrocknet, eine feste Masse gibt. Der Thonboden ist gewöhnlich nicht allein, sondern regelmäßig mit Sand oder Kalk vermischt. Wenn an denselben Sand und Kalk gemischt wird, so verliert er seine Zähigkeit, wird lockerer und läßt sich vielfältig verwenden. Der reine Thonboden wird hauptsächlich gebraucht zur Bereitung der Geschirre. Mit Sand vermischt, nimmt man ihn zu

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Ziegelsteinen, Oefen etc. Ist er mit andern Stoffen vermischt, dann bekommt er einen andern Namen. Wenn der Thon [Ton] in 100 Pfd. Boden nur 30 - 50 Pfd. beträgt, der übrige Boden Sand und Kalk ist, so heißt er Lehmboden; wenn aber in 100 Pfd. nur 20 - 30 Pfd. Thon enthalten sind, so heißt er schon sandiger Lehmboden. Der Thonboden nimmt nicht bloß recht viel Wasser auf, sondern behält es auch lange und trocknet nicht leicht aus. Wenn also in einem Grundstücke viel Thonboden ist, so ist es ganz natürlich kalt und naß, und das Grundstück bekommt auch gewöhnlich den Namen – naßkalter Lehmboden. Macht den  Thonboden der Sand überhaupt lockerer, so wirkt grober Sand noch besser, als feiner. Wenn mit Sand etwas Kalk vermischt wird, so gibt dieses den geeignetsten Boden zum Frucht- und Fulterbau. Es muß also der Landmann wohl wissen, ob er überhaupt Thon in seinem Grundstücke habe; dann ob viel oder wenig, und was für ein Boden mit Thon vermischt ist, ob viel oder wenig Sand oder Kalk darunter sich vorfinde.
Fritz: „Bei dieser Lektion stehen wir da wie die Ochsen am Berge. Der beste Bauer weiß nicht mehr, als daß in seinen Grundstücken Lehm ist, und vielleicht weiß er dieses nur vom Vater, Großvater und Urgroßvater her. Ob viel oder wenig Thonboden vorhanden sei, an das denken nur Wenige. Und welcher Bauer bekümmert sich um die Mischung mit dem Thonboden? Ob Sand und wie viel damit verbanden sei, oder Kalk, oder beide Gattungen, um das bekümmert sich wohl Keiner. Das, Bauern! wollen wir diesen Winter hindurch lernen; dann werden wir auch mit der Bebauung der Grundstücke zurecht kommen. Wir werden sicher noch Mehrere zum Beobachten bekommen; deßhalb fleißig nachgeschrieben, daß uns nichts entgehe.“

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Der Thonboden nimmt, wie schon oben gesagt, viel Wasser aus, behält es auch länger als andere Grundstücke; deßhalb kann er vorherrschend nur naß sein, mithin auch kalt, er erwärmt sich nur langsam. Ist er aber einmal warm, so verliert er auch nur langsam die Wärme wieder. Von der Luft zieht er viele Stoffe ein. Wenn ein solcher Boden austrocknet, zieht er sich stark zusammen, gibt feste Schollen, und wenn er zu naß ist, dann ist er schwer zu bearbeiten.
Den aufgenommenen Dünger zersetzt er nur langsam; es fehlt ihm ja die Wärme. Deßhalb wird in einem solchen Grunde der Stalldünger am besten ausgenützt.
Ist im Untergründe oder noch tiefer, reichhaltiger oder reiner Thonboden, dann dringt das Wasser gewöhnlich nicht durch; daher auch einzelne Nässen im Grundstücke wahrzunehmen sind.
Der Kirchbauer: „So hab' ich mehrere Flächen. Und ich glaube, bei mir ist der reine Thonboden gar nicht tief drunten. Besonders untersucht habe ich's nie, weil ich's nicht verstanden. Und da wir den Grund nicht recht kennen, wird es uns zugleich an einer andern Kenntniß fehlen, wie nämlich ein solches Grundstück verbessert und bebaut werden soll.“
Wenn in einem Grundstücke viel Thonboden ist, so wird dieser verbessert, wenn leichter, lockerer Sand oder Kalk, noch besser, beide miteinander gemischt, aufgeführt werden. Wird der Grund durch diese Mischung lockerer, so trocknet er auch leichter aus. Besser ist darauf auch strohiger und nicht verfaulter Dünger, weil dieser erwärmt und lockerer macht. Solche schwere Gründe müssen besonders fleißig umgeackert werden, namentlich aber vor der Winterzeit, weil das oftmalige Gefrieren sehr vortheilhaft darauf wirkt. Wie man bei hitzigen, trockenen Gründen alle Vorsicht anwenden muß, daß sie nicht so sehr austrocknen, so muß hier

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jedes Mittel benützt werden, welches das Grundstück lockerer und trockener macht.
Seppel: „Im zweiten Kapitel hat's mich fest getroffen. Ich weiß nicht, hab' bloß ich so wenig Bodenkenntniß, oder denken Andere im Stillen auch so! Bei uns geht gewöhnlich die Dreifelderwirthschaft um einander herum nach alter Manier, so daß man heute noch ausrechnen kann, was man vor 30 Jahren auf diesem oder jenem Acker gebaut hat. Sicher hat es auch noch seine Hacken mit der Auswahl der Früchte.“
Antwort: Gewiß! Auf solchen bezeichneten Gründen gedeiht mit Vorzug der Weizen, die Gerste, Vesen (Dinkel), Haber [Hafer], Reps [Raps], Flachs, Klee, Bohnen und alle Knollengewächse, wie sie auf dem Lande gebaut werden. Wenn nicht zu viel Thon vorhanden ist, dann sind sie auch ein vortrefflicher Grund zum Futterbau.
Das Gesagte gibt uns einen schwachen Wink, wie der Landwirth seine Grundstücke kennen lernen kann. Weiß er einmal nur dies Wenige, so wird er leicht mit der Zeit zu noch ausgedehnterer Kenntniß gebracht werden können. Somit wären wir beim Schluß vom Unterrichte über diese Bodengattung.

2. Der Sandboden.
Wie es Erdflächen gibt, wo der Thonboden vorherrscht, gemischt mit Sand und Kalk, oder auch reiner Thonboden zu finden ist, so gibt es auch Erdflächen, wo nur Sandboden, oder Sandboden mit Lehm oder anderer Erde vermischt, vorkommt. Sandboden gibt es zwei Gattungen: Kieselsand und Kalksand, wie es auch Kieselsteine und Kalksteine gibt. Wie auf reinem Thongrunde nichts gebaut werden kann, so kann auch auf

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reinem Sandgrunde eine ordentliche Frucht nicht gewonnen werden. Es ist hier ebenfalls eine Mischung, nothwendig. Entweder ist sie schon im Grundstücke, oder sie wird vorgenommen durch Aufführung eines andern Bodens. Wird Sand mit anderm Grunde vermischt, oder ist die Mischung schon vorhanden, so erhält die gemischte Gattung auch einen andern Namen. Wenn z. B. an 100 Pfd. Sand nur 10 Pfd. Thon gemischt sind, so heißt er noch Sandboden. Wenn aber in 100 Pfd. Sandboden mehr als 10 Pfd. Thon vermischt vorkommen, so heißt dieser Grund lehmiger Sandboden. Der Sandboden ist in vieler Beziehung das reinste Gegentheil vom Thonboden. Er faßt wenig Wasser auf und behält es noch weniger. Wie der Thon kalt ist, so ist der Sand schnell erwärmt. Aus der Luft nimmt er nur wenig auf, der Lehmboden dagegen recht viel. Der Lehmboden wird durch die Witterung stark aufgelöst und zersetzt, während der Sandboden nur wenig verwittert wird. Den Dünger verzehrt der Sandboden sehr schnell, darum heißt man ihn auch: hitzigen Grund.
Fritz: „Ja gerade der Sandboden fexirt uns Landleute am meisten; darum recht aufgemerkt! Und damit ja nichts in Vergessenheit komme, will ich früh genug fragen, was mit Vorzug auf Sandboden gebaut werden kann.“
Antwort: Ist vorherrschend Sandboden in einem Grundstücke, so gedeihen gut: Roggen, Kartoffel, Buchweizen und Spörgel [Spark]. Ist das Grundstück mit mehr Lehm oder anderm Boden vermischt, so eignen sich zum Anbau Erbsen, Flachs, Reps, Rüben etc. Der Sandboden wird natürlich verbessert, wenn man schweren Boden aufführt. Compostdünger verbessert  ihn vorzüglich. Dünger darf, wenn das Grundstück vorherrschend viel Sand hat, nicht viel auf einmal […]

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Abschrift Helmut Scharpf, 12/2021