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1887 – 1898: Portraits Ottobeurer Bürger*innen


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Portraits von Johann Nepomuk Braun (1836 - 1914), sind in den seltensten Fällen beschriftet, zwei Fotos machen da eine Ausnahme:
Das Eingangsbild zeigt die 1865 geborene Anna Madel, mit fast südländischer Anmutung und selbstbewusstem Blick; sie ist auch auf einem der weiteren Bilder zu sehen (ca. 1887 - 1892). In Ottobeuren fand sich für dieses Jahr kein Geburtseintrag, sie war vermutlich die Tochter des Lehrers Madel aus Hawangen, der gleichzeitig „Bankagent“ der „Mobiliar-Feuerversicherungs-Anstalt der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank“ war. 1865 taucht er im Ottobeurer Wochenblatt – im Zusammenhang mit einem Brand der Kaserne am 22. Februar 1865 – zweimal auf (s. die Zeitungstexte hierzu unten).

Das „Atelier“ war von Buchbinder Johann Nepomuk Braun am 17.11.1887 eröffnet worden, drei der Fotos dürften zu seinen frühesten Arbeiten gehören, denn steht auf der Vorderseite steht nur „J. Braun Ottobeuren“, auf der Rückseite ist nur vom „Buchbinder“ und dem „Atelier J. Braun“ die Rede. Die späteren (ca. 1890 - 98) firmieren dann unter „J. N. Braun Ottobeuren, Buchbinder und Photograph“.

Johann Nepomuk Braun hatte 1867 Lina Baader geheiratet. Der Buchbinder Martin Baader (03.09.1784 - 29.04.1872) war seit 17.07.1816 mit Agnes Baader (27.07.1791 - 31.08.1874), geb. Bihler, verheiratet, Magdalena „Lina“ Baader (23.08.1829 - 03.11.1909) war eine der Töchter, mit ihr ging das Buchbindergewerbe auf die Brauns über.

Der „Königliche Hofphotograph Braun“ bezog sich übrigens nicht auf Johann Nepomuk, sondern seinen Sohn Georg, der den Titel 1913 durch Prinzregent Ludwig von Bayern (der spätere König Ludwig III.) verliehen bekam.

Die anderen hier eingepflegten Fotos (Sammlung Helmut Scharpf) sind unbeschriftet und undatiert. Das Bild mit dem Portrait eines etwas älteren Mannes hat ein Format von ca. 17 x 11 cm, die übrigen Bilder sind mit 105 x 57 mm etwas kleiner (jeweils mit Karton gemessen).

Weitere Portraits von Johann Nepomuk Braun gibt es hier.

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Ottobeurer Wochenblatt Nr. 8 vom 23.02.1865, S. 1: Die „Mobiliar-Feuerversicherungs-Anstalt der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank“ versichert gegen Feuersgefahr alle Arten von Mobilien, Waarenlager, Gewerbgegenstände, Vieh, Futter, Getreide und Oekonomiegeräthe zu billigen Preisen ohne jede Nachzahlung. Da sich diese vaterländische Anstalt, wie zur Genüge bekannt, in Brandfällen durch schnelle und prompte Entschädigung immer glänzend bewährte, ladet zu immer grösserer Theilnahme ein, und ist zur Entgegennahme von Versicherungs-Anträgen stets bereit. Hawangen den 22. Februar 1865.
Madel, „Bankagent“.

Dito, S. 2:
Danksagung.
Für die freundnachbarliche und schnellbereite Hilfe, welche uns die verehrlichen Bewohner Ottobeurens bei dem durch den gestrigen Brand unserer Oekonomie drohenden Unglücke so zuvorkommend und wirksam geboten haben, sprechen wir hiermit unsern wärmsten und aufrichtigsten Dank aus. Kloster Ottobeuren den 23. Februar 1865.
Prior und Konvent

Dito, S. 3:
Vermischtes.
Ottobeuren den 22. Februar. Heute Morgens bald nach 6 Uhr ertönte von unsern Thürmen das schauerliche Feuergeläute, und sah man sogleich eine gewaltige Feuersäule aus den Gebäuden der Kaserne emporsteigen. Es stand in aller Schnelligkeit ein langer Theil des westlichen und südlichen Vierecks in vollen Flammen. Die herbeigeeilten Bewohner des Marktes mußten lange Zeit müßige Zuschauer des entfesselten Elementes bleiben, bis die Feuerspritzen wegen Mangel an Wasser, in Thätigkeit gesetzt werden konnten und endlich Wasser durch Fuhrwerke herbeigeschafft wurde. Durch fleißiges Zusammenwirken aller Kräfte gelang es, an drei verschiedenen Stellen dem Weitergreifen des Feuers Einhalt zu thun, und zu retten, was zu retten war. Man hat die Bemerkung machen müßen, daß im Markte Ottobeuren seit vielen Jahren diesem entfesselten Elemente Einhalt zu gebieten, man nicht genöthigt war, indem es an den nothwendigsten Mitteln zur Löschung gebracht und nicht einmal die sonst in allen Orten vorräthigen Wassereimer vorhanden waren, da mit allen möglichen Gefäßen Wasser herbeigeschafft werden mußte. Mit Hülfe aller aus der Nähe und Ferne herbeigeeilten Bewohner war man so glücklich, das Feuer zu bewältigen, und mögen die vielen Hilfeleistenden es den Bewohnern von Ottobeuren nicht entgelten lassen, wenn manche Rücksichten außer Acht gelassen wurden, welche durch die Oberleitung hätten nothwendig beobachtet werden sollen: so daß das Feuergeläute dreimal wiederholt werden mußte. Die Entstehungsursache des Brandes wird allgemeinem Dafürhalten nach einer ruchlosen Hand zugeschrieben. Was die Leistungen der Turn-Feuerwehr anbelangt, so ist jede Gemeinde glücklich zu preisen, welche eine solche geübte Schaar in ihrer Mitte besitzt. Die geräuschlose und muthige Kaltblütigkeit, mit welcher diese jungen unerschrockenen Männer auf die nächsten und höchsten Spitzen der Gefahr mit ihren Handsamen Requisiten sich begeben und von dort aus dem Elemente Einhalt gebieten, ist nur zu bewundern. Möchte jede Gemeinde eine solche Schaar muthiger junger Kräfte mit allen möglichen Mitteln unterstützen, statt denselben wie in so mehreren Orten geschieht, mit allen möglichen Hindernissen entgegen zu treten.

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Ottobeurer Wochenblatt Nr. 9 vom 02.03.1865, S. 3:
Brand in Ottobeuren.
Die bei dem Kasern-Brande zu Ottobeuren am 22. vor. Mts. beschädigten Privaten fühlen sich aufgefordert, der k. b. Hypothek- und Wechselbank in München als Mobiliar-Versicherungs-Anstalt für die schnelle und mehr als rücksichtsvolle Entschädigung wegen Verluste resp. Beschädigung von Mobiliar in Folge des Brandes auf diesem Wege ihre Anerkennung auszusprechen. Die eigene Erfahrung eines derartigen Unglückes lehrt am Beßten den Werth einer Anstalt erkennen, welche bekanntermaßen bei jedem derartigen Unglücksfalle eben so schnelle als rücksichtsvolle Schadens-Vergütung gewährt. Dank auch dem Agenten Hrn. Lehrer Madel in Hawangen für die pünktliche statutenmäßige Besorgung. Ottobeuren den 1. März 1865.
Die 7 Beschädigten.

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Scans, Bildbearbeitung und Zusammenstellung: Helmut Scharpf, 01/2022