19.10.1841 – Gebet zu der wunderthätigen Bildniß Mariä in Eldern

Titel

19.10.1841 – Gebet zu der wunderthätigen Bildniß Mariä in Eldern

Beschreibung

Die Herausgabe des Gebets durch den Drucker des Ottobeurer Wochenblatts im Jahr 1841 war kein Zufall. Das „Gebet“ geht zwar nicht auf den Hintergrund ein, in der Ausgabe des Ottobeurer Wochenblatt Nr. 42 vom 21.10.1841 findet sich auf S. 2 ein erster Hinweis: Johann Baptist Ganser kündigt zwei Drucke an, die anlässlich des Festes der Übertragung und Aussetzung des Eldern'schen Gnadenbildes am 19. Oktober 1841 erschienen sind.

Der Prior-Administrator der Abtei Ottobeuren, Pater Christoph Maria Kuen, gab am Rande der Neueröffnung des Klostercafés am 31.1.2026 einen wichtigen Hinweis: In dem Jahr wurde die Figur der Madonna um das Jesuskind ergänzt. Mit „Aussetzung“ war die öffentliche Präsentation gemeint.
Beim Festgottesdienst zum 100-jährigen Jubiläum der Erhebung der Abteikirche Ottobeuren zu einer Basilika am 25. Januar 2026, war die Eldern-Madonna ein weiteres Mal „ausgesetzt“. Auf Initiative des amtierenden Ortspfarrers, Pater Winfried Schwab, war sie neu eingekleidet worden und erhielt damit ein völlig neues Erscheinungsbild; Bischof Bertram Meier segnete die gotische Figur.
 
Ottobeurer Wochenblatt Nr. 42 vom 21.10.1841, S. 2:
Anzeige:
Bei Verleger dieses Blattes sind zu haben:
Predigt an dem Feste der kirchlichen Uebertragung und Aussetzung des Elder'schen Gnadenbildes Mariens in der Kirche zu Ottobeuren am 19ten Sonntag nach Pfingsten, gehalten von Fr. Paulus, Benediktiner - Ordens - Priester zu Ottobeuren,
8, 1841., gefälzt 3 kr.

Gebete
zur heiligsten Jungfrau Maria nach dem heiligen Anselm. Zum Feste der feyerlich kirchlichen Aussetzung des Elder'schen Gnadenbildeß in der Kirche zu Ottobeuren 1841., 8. gef. 3 kr.
[Die Ziffer 8 bezieht sich vermutlich auf das Oktav-Format.]

Literaturzitat:
Ganser, Johann Baptist (Hrsg.): Gebet zu der wunderthätigen Bildniß Mariä in Eldern
Ottobeuren, Ottobeuren, 1841, 4 S., Format ca. 16,5 x 13 cm, gefalzt, 3 Kreuzer

Die Gesamtausgabe des Ottobeurer Wochenblatts 1841.

Der Text des Drucks von 1841:

S. 1
Gebet
zu der wunderthätigen Bildniß Mariä in Eldern
Ottobeuren,
gedruckt bei Joh. Baptist Ganser. 1841.

S. 2
O Maria! gnadenreiche Mutter und glorwürdige Jungfrau, die du Niemand verachtest, Niemand verlassest, sondern allen deinen mütterlichen Segen, Schutz und Barmherzigkeit ertheilest, welche von ganzem Herzen zu dir seufzen und rufen ; sieh ich armer Sünder (Sünderin) komme zu dir, und rufe dich vor dieser anmuthigen Bildniß, in welcher du bishero also freygebig und wunderbarlich geweßt, andächtiglich an, als wann ich vor dir im Himmel kniete, und dich mit meinen leiblichen Augen anschaute. Auf dich, o Maria, setze ich all mein Vertrauen und als meiner getreusten Freundin, mächtigsten Helferin, und allerliebsten Mutter befehle ich dir vor meinem Abschied aus dieser Kirche meinen Leib und Seele, mein Haab und Gut, mein Kreutz und Widerwärtigkeiten, mein Leben und Tod, mein ganzes Hauswesen samt allen Untergebenen, für welche

S. 3
ich zu sorgen und zu beten schuldig bin. Ach, nimm und bewahre alles unter deinen heiligen Schutzmantel vor sichtbar und unsichtbaren Feinden ; erwerbe uns bei jenem Gott, der als Mensch zugleich in deiner jungfräulichen Schoos ruhet, vollkommene Verzeihung aller begangenen Sünden, die Reinigkeit des Gewissens, Eifer und Beständigkeit in deiner Liebe, und seinem göttlichen Dienste. Segne alle unsere Wohnungen und Häuser ; behüte selbe vor allen Gefahren des Feuers und Wassers ; gib uns gute Luft und Gesundheit des Leibs. Sende uns, o Königin der Engeln, die himmlische Geister deine Diener, daß sie abtreiben und zernichten alle böse Anschläge, Zaubereyen und Nachstellungen des Teufels, damit wir alle in Ruhe, Fried und Einigkeit leben und Gott unverhindert dienen mögen. O du wunderschöne Ruth, in welche sich der himmlische Bootz Christus Jesus selbsten verliebet. Segne alle unsere Aecker und Güter, wende von selben ab, alles schädliche Ungewitter, und befehle, daß der Himmel zu seiner Zeit uns gebe einen fruchtbaren Regen, ein heiteres Wetter,

S. 4
damit wir von der Erde die nothwendige Frucht und Nahrung erhalten, um das bitte ich dich, o wunderbarliche Gnaden-Mutter, und durch dich jenen allmächtigen Gott, dessen Herz du in deiner Hand hast, und selbes wenden kannst, wohin du willst. O gütige, o milde, o süsse Jungfrau Maria! Ach erhöre doch mein Gebet und lasse mich ohne diesen deinen heiligen Segen nicht von dieser Erde scheiden ; verleihe vielmehr, daß ich getrost bald wieder zu dir komme, und für die empfangenen reichen Gaben und Gutthaten die angenehmste Gabe eines dankbaren Herzens bei deinemGnadenthron fröhlich ablege. Auch dich in Gott und Gott in dir ohne End lobe, ehre und preise, Amen.

Hierauf bete 3 Ave Maria und nach einem jeden dieses kurze Gebet:
Streck aus deine reiche milde Hand
   Und segne uns Maria,
Erhalte uns im Gnaden-Stand,
   Bitt Gott für uns Maria!

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Ein Satz aus dem Gebet (O du wunderschöne Ruth, in welche sich der himmlische Bootz Christus Jesus selbsten verliebet.) verlangt eine nähere Erklärung. Der KI-Modus von Google führte am 4.2.26 dazu aus:
Es handelt sich um einen gezielten biblischen Vergleich.
Der Begriff „Bootz“ ist eine veraltete Schreibweise für die biblische Figur Boas (auch Boas oder Boos geschrieben).
Der theologische Hintergrund
In dem Gebet wird eine Typologie angewandt – ein in der christlichen Mystik und Auslegung früher sehr verbreitetes Stilmittel. Dabei werden Personen des Alten Testaments als „Vorbilder“ für Jesus Christus interpretiert:

Ruth: Im Alten Testament ist Ruth eine arme Witwe, die auf dem Feld des reichen Boas Ähren liest. Sie gilt als Sinnbild für die menschliche Seele oder die christliche Gemeinde.
Boas (Bootz): Er erlöste Ruth aus ihrer Not und nahm sie zur Frau. Deshalb wird Boas in der christlichen Tradition oft als „Typus Christi“ (ein Vorbote von Christus) gesehen.

Die Bedeutung des Satzes
Wenn es heißt: „O du wunderschöne Ruth, in welche sich der himmlische Bootz Christus Jesus selbsten verliebet“, bedeutet das übertragen:
„O du schöne Menschenseele (Ruth), in die sich der himmlische Erlöser (Jesus als der wahre Boas/Bootz) verliebt hat.“

Es beschreibt die innige Liebe Gottes zur menschlichen Seele, dargestellt durch die Liebesgeschichte zwischen Boas und Ruth aus der Bibel. Solche Vergleiche waren besonders in der Barockzeit und im Pietismus (der bis ins 19. Jahrhundert hinein wirkte) sehr beliebt, um die emotionale Nähe zu Jesus auszudrücken.

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Die Devotionalie konnte im Januar 2026 in Italien angekauft werden. Sammlung Helmut Scharpf, 02/2026

Urheber

Johann Baptist Ganser

Quelle

Sammlung Helmut Scharpf

Verleger

Helmut Scharpf

Datum

1841-10-19

Rechte

gemeinfrei