12.11.1950 – Gedicht über die Entstehung Ottobeurens von Karl Schnieringer
Titel
12.11.1950 – Gedicht über die Entstehung Ottobeurens von Karl Schnieringer
Beschreibung
Karl Schnieringer hat eine Vielzahl von Gedichten geschrieben, einige sind bereits im virtuellen Museum abrufbar. Sein Gedicht über die Entstehung Ottobeuren, geschrieben 1950/51, erhält einen eigenen Eintrag.
Da geht es um das Roden und Graben, das Schießen von Bären, Dachsen und Füchsen, um die Stiftung eines Klosters durch den Gaugrafen Silach. Uot – den Namensgeber Ottobeurens – lässt er am Ende sagen: „Herr, ich will doch sehen, was man aus dem Sümpfle machen kann“ – freilich in schwäbischer Mundart. Petrus hat über die Ortsfindung im Günztal so seine Zweifel: „So weit ich sehen kann, nichts als Büsche, Wasserlachen, Herr das kann nichts taugen, dort ist nichts zu machen!“ („So weit i luag, mit meine Auge, nix als Bosche, Wasserlache, Herr, des ka nix tauge, dett isch nix zum Mache!“)
Das Gedicht ist durch und durch gewürzt mit Lokalkolorit, bei zwei Begriffen („Kotz, kotz“ und „Gade“ ist unklar, was gemeint ist: vielleicht „sich auskotzen“ und Garten, Gatter oder ein Flurname).
Überliefert hat uns das köstliche Gedicht Hermann Petrich (*3.4.1937 in Eldern, heute in Lindenberg). Wer es einsprechen möchte, kann sich gerne im virtuellen Museum mit einer Audio-Datei verewigen!
In seiner Marktgeschichte von 1940 („Ottenbeuren. Geschichte des Marktes“) deutet Karl Schnieringer den für Ottobeuren namensgebenden Uot-Bauern auf den Seiten 16 und 17 wie folgt:
Bei den Uotbauern.
Fast ein halbes Jahrtausend war es wieder still gewesen an der Günz. In das keltische Dorf ist der Wald gewandert. Von den Hängen und Höhen rauschte der dunkle Tann. In diesen Frieden hinein zog einst Uot, der Bauer. Er ist von seinem schwäbischen Vater gegangen, um sich hier im Niemandsland ein eigenes Heim zu gründen. Nun sang gar bald die Säge im Walde. Uot und seine Knechte hieben gar mächtig in die Stämme. Ihr harter Wille formte Urwaldriesen zu Balken und Häusern. Sein junges Weib und ihre Gesinde machte sich im Rohr zu schaffen. Sie flochten aus Schilf ein schützendes Dach. So haben sie es geschafft. Der Herr bekam den Hof und der Knecht Sölde. Der Uotbauer werkelte, wie es ein Schwabe von jeher tat, den lieben langen Tag. Er rodete den Wald, jetzt pflügt die harte Scholle und sät sein Korn. Von Jahr zu Jahr nehmen die Ackerflächen zu. Das brauchte es schon; denn seine Hausmutter verlangt immer mehr Korn, Mehl und Brot für die blonden Buben und Mädel, für Mägde und Knechte. Die Jugend wächst gar schnell. Da muß er genügend Ackernahrung und Mitgift haben. Drum rodet Uot, so lang er lebt, für seine Kinder. Er schenkt ihnen Acker, Haus und Hof. So ist er ihnen Vorbild. Sie treibens wieder so.
Schwäbischer Fleiß und Wille baute in kurzer Zeit das Dorf der Uoten, das wir heute Ottobeuren nennen. Das ist von uns nicht recht. Uot war kein Gote und hieß nicht Otto (gotisch Uto, Atta), sondern schön schwäbisch Uot. Bur heißt Haus. Die richtige Schreibweise wäre Uotenburen, das würde heißen bei den Uotburen, oder Uotbauern. Über 1000 Jahre lang hat man, wie auch Feyerabend sagt, richtig geschrieben: Uotenburen, Uttenburren, Ottenburen, Yttenburen, Ottenbeuren. Erst seit ungefähr 1780 hat irgend ein Schreiberling die Widertaufe Ottobeuren vorgenommen.
Wir wollen den Fehler wieder gutmachen und zurückkehren zur richtigen Schreibweise. Als Verfasser dieser Arbeit möchte ich der mündlichen und schriftlichen Überlieferung das Recht verschaffen. Darum: Ottenbeuren.
Auch Pater Kaspar Kuhn (1819 - 1906) hat sich 1875 mit einem Gründungsschauspiel an den Anfängen Ottobeuren versucht: „Silach, oder Die Stiftung des Klosters Ottobeuren. Historisches Ritterschauspiel mit Gesang in 4 Aufzügen“.
Das Symbolbild zeigt die noch ursprünglich mäandrierende Westliche Günz in Höhe des Naturschutzgebiets „Hundsmoor“ zwischen Hawangen und Westerheim (Aufnahme vom 28. April 2022). Gut, dass unser „Uot“ dort nicht auch noch entwässert und begradigt hat!
Da geht es um das Roden und Graben, das Schießen von Bären, Dachsen und Füchsen, um die Stiftung eines Klosters durch den Gaugrafen Silach. Uot – den Namensgeber Ottobeurens – lässt er am Ende sagen: „Herr, ich will doch sehen, was man aus dem Sümpfle machen kann“ – freilich in schwäbischer Mundart. Petrus hat über die Ortsfindung im Günztal so seine Zweifel: „So weit ich sehen kann, nichts als Büsche, Wasserlachen, Herr das kann nichts taugen, dort ist nichts zu machen!“ („So weit i luag, mit meine Auge, nix als Bosche, Wasserlache, Herr, des ka nix tauge, dett isch nix zum Mache!“)
Das Gedicht ist durch und durch gewürzt mit Lokalkolorit, bei zwei Begriffen („Kotz, kotz“ und „Gade“ ist unklar, was gemeint ist: vielleicht „sich auskotzen“ und Garten, Gatter oder ein Flurname).
Überliefert hat uns das köstliche Gedicht Hermann Petrich (*3.4.1937 in Eldern, heute in Lindenberg). Wer es einsprechen möchte, kann sich gerne im virtuellen Museum mit einer Audio-Datei verewigen!
In seiner Marktgeschichte von 1940 („Ottenbeuren. Geschichte des Marktes“) deutet Karl Schnieringer den für Ottobeuren namensgebenden Uot-Bauern auf den Seiten 16 und 17 wie folgt:
Bei den Uotbauern.
Fast ein halbes Jahrtausend war es wieder still gewesen an der Günz. In das keltische Dorf ist der Wald gewandert. Von den Hängen und Höhen rauschte der dunkle Tann. In diesen Frieden hinein zog einst Uot, der Bauer. Er ist von seinem schwäbischen Vater gegangen, um sich hier im Niemandsland ein eigenes Heim zu gründen. Nun sang gar bald die Säge im Walde. Uot und seine Knechte hieben gar mächtig in die Stämme. Ihr harter Wille formte Urwaldriesen zu Balken und Häusern. Sein junges Weib und ihre Gesinde machte sich im Rohr zu schaffen. Sie flochten aus Schilf ein schützendes Dach. So haben sie es geschafft. Der Herr bekam den Hof und der Knecht Sölde. Der Uotbauer werkelte, wie es ein Schwabe von jeher tat, den lieben langen Tag. Er rodete den Wald, jetzt pflügt die harte Scholle und sät sein Korn. Von Jahr zu Jahr nehmen die Ackerflächen zu. Das brauchte es schon; denn seine Hausmutter verlangt immer mehr Korn, Mehl und Brot für die blonden Buben und Mädel, für Mägde und Knechte. Die Jugend wächst gar schnell. Da muß er genügend Ackernahrung und Mitgift haben. Drum rodet Uot, so lang er lebt, für seine Kinder. Er schenkt ihnen Acker, Haus und Hof. So ist er ihnen Vorbild. Sie treibens wieder so.
Schwäbischer Fleiß und Wille baute in kurzer Zeit das Dorf der Uoten, das wir heute Ottobeuren nennen. Das ist von uns nicht recht. Uot war kein Gote und hieß nicht Otto (gotisch Uto, Atta), sondern schön schwäbisch Uot. Bur heißt Haus. Die richtige Schreibweise wäre Uotenburen, das würde heißen bei den Uotburen, oder Uotbauern. Über 1000 Jahre lang hat man, wie auch Feyerabend sagt, richtig geschrieben: Uotenburen, Uttenburren, Ottenburen, Yttenburen, Ottenbeuren. Erst seit ungefähr 1780 hat irgend ein Schreiberling die Widertaufe Ottobeuren vorgenommen.
Wir wollen den Fehler wieder gutmachen und zurückkehren zur richtigen Schreibweise. Als Verfasser dieser Arbeit möchte ich der mündlichen und schriftlichen Überlieferung das Recht verschaffen. Darum: Ottenbeuren.
Auch Pater Kaspar Kuhn (1819 - 1906) hat sich 1875 mit einem Gründungsschauspiel an den Anfängen Ottobeuren versucht: „Silach, oder Die Stiftung des Klosters Ottobeuren. Historisches Ritterschauspiel mit Gesang in 4 Aufzügen“.
Das Symbolbild zeigt die noch ursprünglich mäandrierende Westliche Günz in Höhe des Naturschutzgebiets „Hundsmoor“ zwischen Hawangen und Westerheim (Aufnahme vom 28. April 2022). Gut, dass unser „Uot“ dort nicht auch noch entwässert und begradigt hat!
Urheber
Karl Schnieringer
Quelle
Hermann Petrich
Verleger
Helmut Scharpf
Datum
1950-11-12
Rechte
gemeinfrei


