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1891 – Das „Pfarrer Kneipp Marsch-Lied“


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Gedichtet wurde zu Ehren Sebastian Kneipps ständig, mal nur zum Aufsagen bei einem Besuch, mal in Buchform, illustriert durch nette Zeichnungen (hier als Beispiel aus dem achtseitigen Heftchen des Kösel-Verlags: „Gesunder Leib nach Vater Kneipp. Eine Gesundheitslehre für Jung und Alt in Reimen mit 8 Bildern“, Kempten, 9. Auflage 1897). Kneipp bekam Lorberkränze und Urkunden, sogar eine Rose ist nach ihm benannt. Doch auch musikalisch wurde ihm gehuldigt: mit dem Pfarrer Kneipp Marsch-Lied „Wer lang und gesund will leben“.

Die Kinder der Volksschule in Stephansried haben es in drei (von acht) Strophen jeden Morgen vor dem Schulbeginn mit ihrem Lehrer gesungen. Der letzte Schülerjahrgang hat am 23.07.1965 Stephansried verlassen, das Lied kennen die damaligen Schülerinnen und Schüler jedoch heute noch auswendig. Im Schulhaus (Haus Nr. 5, gebaut unter Mithilfe Sebastian Kneipps 1838 - 40, abgerissen 1978) hing ein von der Kathreiner G.m.b.H. gewidmetes Kneipp-Portrait, das seit April 2018 in der Beck'schen Apotheke am Marktplatz hängt.

Ende Februar ist ein Ankauf des Originals gelungen, das der Münchner Volksdichter Ferdinand Fränkel *16.11.1815, †15.05.1898) verfasste und von Max Kästl (*09.02.1862, München, †31.10.1907, Baltimore; Violinist) komponierte. Es wurde schnell populär und erschien in Ausgaben für Klavier, Zither und neunstimmige „Blechmusik“ (Blasmusik).

Vertrieben wurde es 1913 im Verlag der Wörishofener Buchhandlung von Eduard Fritsche (*, †), der längere Zeit im Sebastianeum als Sekretär arbeitete. Die vorliegende Ausgabe dürfte kurz nach Beginn des ersten Weltkriegs entstanden sein, denn Herr Fritsche druckte folgenden Vermerk kopfstehend auf die letzte Seite, auf der eine größere Auswahl an Kneipp-Literatur beworben wird.:
„Mit Rücksicht auf die schwere finanzielle Geschäfts-Schädigung durch meine seit 1914 erfolgte Einberufung bitte ich um gefällige Berücksichtigung dieser billigen Offerte und um geneigte Bestellung.“

Auch in den 1990er Jahren wurde das Lied in Stephansried noch gesungen, wenn zu Kneipps Geburtstag Delegationen der Kneippvereine Ottobeuren und Bad Wörishofen an die Gedenkstätte mit dem Obelisk kamen, die Stephansrieder Schuljugend (darunter Maximilian Schafroth und Markus Schalk) war umgekehrt auch nach Bad Wörishofen eingeladen, um es dort im Kurpark zum Besten zu geben. Zum 200. Geburtstag am 17.05.2021 soll das Stück am Kneippdenkmal in Stephansried (eingeweiht am 03.09.1898) wieder einmal zur Aufführung kommen.

Der Gesamttext ist demnächst hier auch in Abschrift abrufbar, zum Stephansrieder Text gibt es ein paar kleine Varianten (z.B. statt „Podagra“– Gicht – heißt es in der dritten Strophe „Reißmattheis“ – Rheumatismus.)

Der Druck ist vermutlich recht selten, nur wenige Bibliotheken haben ihn, siehe nachfolgende Treffer bei „WorldCat“. Im Kneippmuseum Bad Wörishofen soll es ein Exemplar geben.


Verlag: Wörishofen Eduard Fritsche, Buchhandlung [1913]
Kneipp-Marsch für Klavier 1896

http://worldcat.org/identities/viaf-77454000/
Pfarrer-Kneipp-Marsch : für Pianoforte by Max Kaestl (Book)

2 editions published in 1894 in German and held by 2 WorldCat member libraries worldwide
Pfarrer Kneipp Marsch-Lied by Max Kaestl

2 editions published between 1900 and 1913 in German and Undetermined and held by 2 WorldCat member libraries worldwide
Pfarrer-Kneipp-Marsch für Zither by Max Kaestl (Book)

1 edition published in 1891 in German and held by 1 WorldCat member library worldwide
Pfarrer-Kneipp-Marsch für 9stg. Blechmusik by Max Kaestl (Book )

Das vorliegende Exemplar wurde aufwändig nachbearbeitet, Text und Musik blieben unverändert, das Layout wurde für DIN A4 optimiert.

Eine nette Referenz zum Kneipp-Marsch findet sich 1892 in einem Gedichtband: Prümer, Karl: Die Kneippkur. Eine feuchtfröhliche Studie, Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart, Leipzig, Berlin, Wien, 1892, 80 S.
Dort heißt es im Kapitel „Auf der Wiesenwandelbahn und im Mühlgraben“ auf S. 54 über den Auftritt einer neunköpfigen Blasmusik, der zweimal die Woche an der Wandelbahn spielte:
Immer sind es, wie die Kegel,
Neun, Hornisten in der Regel,
Die zur Wandelbahn sich sputen
Und per Woche zweimal tuten.
Einerlei, auf alle Fälle
Trötert gut die Kneippkapelle.
Und zum Schluß stimmt Frau und Mann
Einen Marsch: das Kneipplied an.

Eine weitere Ausgabe – mit sehr dekorativem Cover – finden Sie hier.

Repro, Bearbeitung, Recherche und Zusammenstellung: Helmut Scharpf, 03/2021