25.07.1945 – Amerikaner in Ottobeuren

Titel

25.07.1945 – Amerikaner in Ottobeuren

Beschreibung

Im Juli 1945 posiert eine Gruppe amerikanischer Soldaten – laut Bildbeschriftung das „Baker Battery Baseball Team“ – vor dem Ämtergebäude in der Sebastian-Kneipp-Straße in Ottobeuren. In der nachkolorierten Fassung erkennt man deutlich den Baseballschläger sowie die Baseballhandschuhe. Es ist das bislang einzig bekannte Foto von GIs in Ottobeuren, die hier bis November 1947 stationiert waren.

Während des Zweiten Weltkriegs blieb Ottobeuren weitgehend von unmittelbaren Kampfhandlungen verschont, am 4. Juni 1940 fiel eine französische Fliegerbombe auf Ottobeuren. Wegen der Nähe zum Fliegerhorst in Memmingerberg registrierte man die dortigen Bombardierungen der späteren Kriegsjahre (s. Berichte von Karl Schnieringer). Die Tage um den Einmarsch der Amerikaner in Ottobeuren waren freilich bedrohlich, am 20. April 45 wurde Memmingen bombardiert (mit anschließendem Einsatz des Ottobeurer und Stephansrieder „Volkssturms“) auch bei uns verloren etliche Menschen – Zivilisten wie Soldaten – ihr Leben.

Die Frage, welche amerikanischen Verbände Ottobeuren am 27. April 1945 befreiten und wer wie lange in welcher Stärke anschließend hier stationiert blieb, ist komplex, die Kampfhandlungen der letzten Kriegstage müssen getrennt davon betrachten werden: Die 10. Panzerdivision des sechsten Korps der 7. U. S. Army (The Tenth Armored Division, die sich auch als „The Tigers“ bezeichneten, waren im September 1944 in Cherbourg angelandet) bildete mit 500 Panzern in Bayerisch-Schwaben die Speerspitze, gefolgt von der 44. und 103. Infanteriedivision, aufgefächert in drei Kampfgruppen (Combat Commands A, B, C). Auch die Infanterie war vollmotorisiert, hervorragend ausgerüstet, die Soldaten bestens verpflegt und siegesbewusst. Westlich der Iller operierten, ebenfalls südwärts stoßend, Teile der zur alliierten VI. Armeegruppe gehörenden 1. Französischen Armee, dessen ehrgeiziger und eigenwilliger Befehlshaber die Geduld der Amerikaner aufs Äußerste strapazierte. Unterstützt wurden die alliierten Truppen durch Tiefflieger, die Wehrmachtsfahrzeuge und Munitionszüge beschossen.

Quellen:
Vogel, Rudolf: Das Kriegsende im Ober- und Ostallgäu, in Memmingen und Mindelheim, S. 229 - 241, in: Fassl, Peter (Hrsg.): Das Kriegsende in Bayerisch-Schwaben 1945. Wissenschaftliche Tagung des Bezirks Schwaben in Zusammenarbeit mit der Schwabenakademie Irsee am 8./9. April 2005, Wißner-Verlag Augsburg, 2006, 349 S., ISBN-13: 978-3-89639-552-8

Nichols, Lester M.: Impact. The Battle Story of the Tenth Armored Division, Bradbury 1954 (2. Auflage 1967).
[Digitalisat der Ausgabe von 1967 ist hier als pdf abrufbar.]

Berichte von amerikanischer Seite finden sich in der Schrift:
Orientation Branch, Information and Education Services, Hq., USFET (Hrsg.), Moore, Ray: Terrify and Destroy. The Story of the 10th Armored Division, [gedruckt bei Desfosses-Neogravure, Paris], [03.09.1945*], 33 S. [Seitenlink]
*Die Veröffentlichung war in der Truppenzeitschrift vom Samstag, den 01.09.1945, für „nächste Woche“ angekündigt.

Gesucht wird noch nach der Truppenzeitschrift der 10. Panzerdivision „The Tiger’s Tale“ (März 1943 bis 8. September 1945, zuletzt gedruckt in Garmisch-Partenkirchen. In der Hoffnung, dort weitere Informationen über Ottobeuren zu erhalten.

Bereits bestellt:
Chapman, Dean M.: Growl of the Tiger: 10th Armored Tiger Division, Turner, 1994, 288 S., ISBN 13: 9781563111594

Zur Stationierung der Amerikaner nach dem Krieg liegen bislang wenige Berichte vor. Um einer möglichen Fraternisierung vorzubeugen, kam es wohl regelmäßig zur Ablösung durch neue Einheiten.
Gleichwohl gab es Kinder Ottobeurerinnen mit Amerikanern. Eine Fundstelle aus der Memminger Zeitung, 24.03.1954 (wohl mit Bezug auf in Bayern regulär stationierte Soldaten):
Koffer mit Heiratspapieren verloren
Ein amerikanischer Soldat, der z. Zt. in der Artilleriekaserne Aschaffenburg untergebracht ist und eine Ottobeurerin zur Frau hat, verlor auf der Fahrt von Kaufbeuren nach Ottobeuren (genaue Route ist ihm nicht bekannt) aus dem wahrscheinlich unversperrten Gepäckraum des Autos einen braunen Koffer aus Preßpappe. Neben einem Militärmantel und Wäsche befand sich in dem Koffer ein Schnellhefter, der die Personal- und Heiratspapiere des Amerikaners enthielt. Der Finder wird gebeten, die wichtigen Schriftstücke doch zurückzugeben. Sämtliche Unkosten werden vom Verlierer ersetzt. Mitteilungen sind an die Landpolizeistation Ottobeuren zu richten.

Im Buch des Heimatdienstes „Ottobeuren vor 50 Jahren“ (1995) erfahren wir einige Details: Pater Rupert Prusinovsky zitiert auf S. 19 die „Nachrichten aus der Kongregation. Jahreschronik 1945 “: „Am 27. April gegen Mittag zogen die Amerikaner ohne Kampf hier ein. Kirche, Kloster und Ortschaft blieben völlig unversehrt. Nur ein Bauernhof im nahen Guggenberg wurde in Brand geschossen. Ottobeuren erhielt auf längere Zeit 5-600 Mann Besatzung, die im Amtsgebäude und in geräumten Privathäusern untergebracht wurden. Das Kloster blieb von Einquartierungen verschont, musste aber dafür Familien aufnehmen und eine Menge von Möbeln und Gegenständen der verschiedensten Art unterbringen. Am Ende des Jahres waren immer noch 5 Familien bei uns. Wöchentlich 2mal kam ein amerikanischer Geistlicher, hörte die Beichte, hielt eine Ansprache und las die hl. Messe. Einmal hielt er unter Mitwirkung des hiesigen Kirchenchors ein feierliches Requiem für die gefallenen Amerikaner.
Noch am 27. April drangen russische Frauen, die in der nahen Kaserne untergebracht waren, in großer Menge in unser Haus ein, erbrachen die Waschküche und nahmen den größten Teil der schon gereinigten und gebügelten Wäsche des Klosters und der Erziehungsanstalt mit sich fort. Mit Hilfe von 2 amerikanischen Soldaten, an die wir uns wandten, erhielten wir das meiste zurück. Die 2 Serben und 5 Polen, die seit 5 Jahren bei uns arbeiteten, legten am 27. April sofort die Arbeit nieder. Die Serben taten uns nichts zuleid und verließen das Haus; die Polen dagegen blieben noch mehrere Monate im Haus und die meisten führten ein wüstes Leben, oft bis tief in die Nacht hinein. Auch als sie ins Sammellager nach Memmingen kamen, belästigten sie unser Haus und die Bauern der Umgebung durch ihre Raub- u. Plünderungszüge. Wir waren gezwungen, längere Zeit Wache zu halten. Der Direktor des Lehrerseminars Xanten/Rhein, das wir seit Ende Oktober 44 im Haus hatten, schickte einige Tage, ehe die Amerikaner einrückten, seine Schüler zu den Bauern der Umgebung, wo sie Arbeit suchten und fanden.
Am Abend des 27. Aprils erschoss er seine Frau und sich selbst in einem nahen Wald. Die Leichen wurden nach einigen Tagen gefunden und ohne jede Teilnahme auf dem hiesigen Friedhof beerdigt.“  

In ihrer Facharbeit („Verlauf und Ende des Zweiten Weltkrieges in Ottobeuren“), die Catrin Altenried (heute: Karrer) 1999 schrieb, finden sich Details aus dem Alltagsleben, insb. Berichte von Zeitzeugen.

Nach jetzigem Kenntnisstand blieben amerikanische Soldaten bis November 1947 in Ottobeuren. Aus einem Bericht von Oberstleutnant Jamens McM. Shepherd, Kommandeur im Hauptquartier der 313. Feldartilleriebatallions (s. Anlagen) an den Kommandierender General, 80. Infanteriedivision, der U.S. Army vom 07.11.1946 gehen die Einzelheiten hervor:

Das Bataillon hatte den Befehl zur Verlegung „in ein Biwakgebiet in der Umgebung von Ottobeuren“ erhalten. Der Einmarsch am 12. Juni 1945 in das neue Gebiet erfolgte um 17:30 Uhr. Das Bataillon löste das 131. Feldartillerie-Bataillon der 36. Infanteriedivision ab. Der Auftrag bestand darin, das Gebiet zu besetzen sowie Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten. In den umliegenden Ortschaften wurden Wachposten eingerichtet, deren Aufgabe es war, den Verkehr zu regeln, für Recht und Ordnung zu sorgen und versprengte Personen zu Sammelstellen zu leiten.

Im Bericht heißt es: Geringfügige Verstöße von Zivilisten gegen Anordnungen der Militärregierung wurden zur weiteren Bearbeitung an die Militärregierung gemeldet. Die einzigen Schwierigkeiten, die in diesem Zeitraum auftraten, betrafen polnische Displaced Persons (DPs) aus dem Lager in Memmingen sowie DPs, die auf Bauernhöfen in der Umgebung lebten. Bei den Bauern der Region gingen zahlreiche Beschwerden ein, wonach polnische DPs Raubüberfälle begangen und geplündert hätten. In keinem dieser Fälle gelang es, die Täter festzunehmen. Die Zivilbevölkerung verhielt sich weiterhin kooperativ; es kam zu keinen Fällen von zivilem Aufruhr, Ausschreitungen oder Respektlosigkeit gegenüber den amerikanischen Truppen. Die örtliche Zivilverwaltung leistete jegliche erforderliche Unterstützung.

Unter der Leitung übergeordneter Dienststellen wurden in mehreren kleineren Ortschaften sogenannte „Swoop“-Aktionen (Razzien) durchgeführt, bei denen große Mengen an Armeegütern und Schmuggelware sichergestellt wurden. Gegen Personen, die im Verdacht standen, in Schwarzmarktgeschäfte verwickelt zu sein, wurde ermittelt; sie wurden zwecks gerichtlicher Aburteilung durch die Militärregierung an das CIC (Counter Intelligence Corps) übergeben. Wie bereits an den vorangegangenen Standorten wurden auch hier wesentliche Aufgabenbereiche – wie etwa die Entnazifizierung, das Bildungswesen und die Verwaltung – federführend von der Militärregierung und den übergeordneten Dienststellen wahrgenommen.

Was machte ein amerikanischer Soldat in seiner Freizeit? Dazu erfahren wir im englischsprachigen Truppenmagazin „80th forward“, Volume 1, Number 4, Ausgabe Montag, 13.08.1945, auf S. 3 in der Rubrik „Blue Ridge Rounder“ by „Miss Bedcheck“ folgenden Bericht (Übersetzung darunter):

Div Arty lives a cosmopolite hotel existence in Memmingen. They've taken over the town's leading hotels (both of 'em). At the large and modern Hotel Adler, the "Heater" hotshots have a comfortable, paneled, tavern-type beer hall. Barkeep T/5 George Cooper tells us that beer profits go to pay maid service in the artillerymen's upstairs apartments. Though the frauleins clean and dust the chambers, it's still the cannoneers who get the gigs if rooms lack the required spit and polish on Saturday morning inspections, Cooper sadly related. The servant problem is tough all over these days! The Adler's ample ballroom serves as a commodious day room equipped with ping-pong tables, easy chairs and writing nooks.

Democratic Mess

Across the strasse at the Bayerische Hof, Miss Bedcheck saw the finest "Blue Ridge" mess setup yet. A modern dining hall where Officers and Enlisted Men partake of the same menu, prepared in the same kitchen. This radical departure from the conventional military routine results in refreshing democratic harmony and no "Red Leg" has less respect for brass because they share a common roof and the same gleaming porcelain and silverware. Memmingen also boasts a fine and efficient PX located in what was once a Kraut kid's clothing store, and two theatres, an intimate playhouse for live talent shows and the Schauburg, a large up-to-date movie theatre. In addition to the above mentioned luxuries, yesterday, August 12th, a bright new Red Cross Doughnut Dugout opened in town and its gay Varga Room gives the GI gunners another glamour spot.

Feudal System

From Memmingen an affable and apologetic artilleryman misdirected Miss Bedcheck's droshky through circuitous wooded routes which took us far afield and even further back in history, for in violent contrast to enterprising Div Arty, in the 905th Battalion area the feudal system has not only survived, but is positively flourishing. Miss Bedcheck regrets to report that she found 905th Battalion Officers dwelling in medieval splender in the handsome, completely modernized Baroque palace, Schloss Eisenberg [Eisenburg], high on a pine-covered hill, while GI serfs live in peasant cottages at the base of this exclusive magnificence. There is, however, a fine 905th lakeside rest center at Buxheim, which accommodates groups of 30 men for two day fishing, boating, swimming respites and according to manager Sgt. Charles Doerflein, 75 to 100 men motor out Buxheim for beer. (Note: All "Blue Ridge“ Regimental rest centers give their guys three day holidays). But Buxheim has ice cream every other day, maybe that's to compensate for the 24 hours less away from reveille, formations, and 1st sergeants!

At quaint Ottobeuren which has the largest and loveliest Baroque Church in all of Germany, Lt. Vincent Kresic runs a pleasant little taproom for the 313th Battalion. Here cognac is rationed to one shot per man per evening, there's beer and wine over the bar and the first 18 men in each night may purchase a bottle of champagne. Lt. Kresic, a wise operator, refuses to serve the notorious rotgut, Halb & Halb in his bistro, where T/4 Spencer Nemmo expertly tickles the ivories while sitting underneath the piano. It was the most animated spot we hit all evening. The 315th has nothing to offer in the way of nocturnal haunts other than Div Arty facilities in nearby Memmingen. They've been talking about doing something in this direction for the past six or eight weeks. Meanwhile 315th'ers probably spend a wild evening reading to each other from suchs popular classics as "Care and Maintenance of the 155mm Howitzer Under Combat Conditions" or else a cozy group gets together to work out a hot survey problem. Miss Bedcheck leapt into her buckboard and fled back to the comparatively bright lights of Kaufbeuren. Life's not so gay down Arty way!

Übersetzung:
„Blue Ridge Rounder“ von „Miss Bedcheck“

Die Divisionsartillerie (Div Arty) führt in Memmingen ein kosmopolitisches Hotelleben. Sie hat die führenden Hotels der Stadt übernommen – beide davon. Im großen und modernen Hotel Adler verfügen die „Heater“-Größen über eine gemütliche, holzgetäfelte Bierstube im Wirtshausstil. Barkeeper T/5 George Cooper erzählt uns, dass die Einnahmen aus dem Bierverkauf dazu verwendet werden, den Zimmerservice für die Unterkünfte der Artilleristen in den oberen Stockwerken zu bezahlen. Obwohl die Fräuleins die Zimmer putzen und Staub wischen, sind es dennoch die Kanoniere, die zur Rechenschaft gezogen werden, falls die Räume bei den Inspektionen am Samstagmorgen nicht den erforderlichen „Spit and Polish“ (militärischen Hochglanz) aufweisen – so berichtete Cooper mit Bedauern. Das Dienstbotenproblem ist heutzutage überall schwierig! Der geräumige Ballsaal des Adler dient als großzügiger Aufenthaltsraum, ausgestattet mit Tischtennisplatten, bequemen Sesseln und Schreibnischen.

Demokratische Kantine

Auf der anderen Straßenseite, im Bayerischen Hof, erblickte Miss Bedcheck die bislang beste Kantinen-Einrichtung der „Blue Ridge“-Einheit. Ein moderner Speisesaal, in dem Offiziere und Mannschaften dieselbe Speisekarte genießen, zubereitet in derselben Küche. Diese radikale Abkehr von der herkömmlichen militärischen Routine führt zu einer erfrischenden demokratischen Harmonie; und kein „Red Leg“ (Artillerist) hat weniger Respekt vor der „Brass“ (der Führungsebene), nur weil sie sich ein gemeinsames Dach sowie dasselbe glänzende Porzellan und Silberbesteck teilen. Memmingen kann zudem mit einer feinen und effizienten PX (Truppenladen) aufwarten – untergebracht in einem ehemaligen Geschäft für Kinderbekleidung der „Krauts“ –, sowie mit zwei Theatern: einem intimen Schauspielhaus für Live-Talentshows und der Schauburg, einem großen, modernen Kino. Zusätzlich zu den oben genannten Annehmlichkeiten eröffnete gestern, am 12. August, ein brandneues „Doughnut Dugout“ (Donut-Café) des Roten Kreuzes in der Stadt; dessen fröhlicher „Varga Room“ bietet den GI-Kanoniere einen weiteren glamourösen Treffpunkt.

Feudalsystem

Von Memmingen aus lenkte ein freundlicher, wenn auch etwas zerknirschter Artillerist Miss Bedchecks Kutsche auf verschlungenen Waldwegen in die Irre. Dies führte uns weit ab vom Schuss – und noch weiter zurück in die Geschichte. Denn in krassem Gegensatz zur unternehmungslustigen Divisionsartillerie hat im Bereich des 905. Bataillons das Feudalsystem nicht nur überlebt, sondern gedeiht dort sogar prächtig. Miss Bedcheck muss leider berichten, dass sie die Offiziere des 905. Bataillons in mittelalterlichem Prunk vorfand – residierend im stattlichen, vollständig modernisierten Barockschloss Eisenburg, hoch oben auf einem kiefernbewachsenen Hügel –, während die GIs als „Leibeigene“ in einfachen Bauernhäuschen am Fuße dieser exklusiven Pracht hausen. Allerdings gibt es in Buxheim ein vorzügliches Erholungszentrum des 905. Bataillons direkt am See, das Gruppen von 30 Mann für zweitägige Auszeiten zum Angeln, Bootfahren und Schwimmen aufnimmt; und laut dem Leiter, Sgt. Charles Doerflein, fahren zudem 75 bis 100 Mann mit Motorfahrzeugen nach Buxheim, um dort Bier zu trinken. (Anmerkung: Alle Erholungszentren des „Blue Ridge“-Regiments gewähren ihren Soldaten dreitägige Urlaube.) Doch in Buxheim gibt es jeden zweiten Tag Eiscreme – vielleicht soll dies ja die 24 Stunden wettmachen, die man dort weniger fernab von Weckrufen, Appellen und Kompaniefeldwebeln verbringt!

Im malerischen Ottobeuren – das die größte und schönste Barockkirche ganz Deutschlands beherbergt – betreibt Lt. Vincent Kresic eine gemütliche kleine Kneipe für das 313. Bataillon. Hier ist der Cognac auf ein Glas pro Mann und Abend rationiert; Bier und Wein sind jedoch reichlich an der Bar erhältlich, und die ersten 18 Gäste, die am Abend eintreffen, können sich eine Flasche Champagner gönnen. Lt. Kresic, ein gewiefter Wirt, weigert sich strikt, jenen berüchtigten Fusel namens „Halb & Halb“ in seinem Bistro auszuschenken – einem Ort, an dem T/4 Spencer Nemmo gekonnt in die Tasten greift, während er unter dem Klavier sitzt. Es war der lebhafteste Ort, den wir an diesem ganzen Abend aufgesucht haben. Das 315. Bataillon hat in puncto nächtlicher Vergnügungsstätten rein gar nichts zu bieten – abgesehen von den Einrichtungen der Divisionsartillerie im nahegelegenen Memmingen. Seit nunmehr sechs oder acht Wochen wird dort zwar darüber geredet, in dieser Richtung endlich einmal etwas auf die Beine zu stellen; doch bis es so weit ist, verbringen die Männer des 315. wohl eher einen „wilden“ Abend damit, sich gegenseitig aus populären Klassikern wie „Wartung und Instandhaltung der 155-mm-Haubitze unter Gefechtsbedingungen“ vorzulesen – oder es findet sich eine gemütliche Runde zusammen, um gemeinsam ein kniffliges Vermessungsproblem zu lösen. Miss Bedcheck sprang daraufhin flugs auf ihren offenen Wagen und floh zurück in das vergleichsweise glanzvolle Lichtermeer von Kaufbeuren. Das Leben ist wahrlich nicht so heiter drüben bei der Artillerie!
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Das Eingangsbild ist wie folgt beschriftet:
„Baker Battery Baseball Team, July 1945“
Stehend: Wheelright, Steward, Volpe, Thorton, Cunningham, Holcomb
Sitzend: Sorenson, Burkhart, Rodregas, Walters
Es stammt aus der Photo Collection von Tracy Dungan (Grandfather: Robert T. Gholson, 313th Field Artillery Battalion, Battery B), die es dankenswerterweise zur Verfügung stellte. Dass wir überhaupt davon erfahren haben, ist Frank Kujat aus Aachen zu verdanken, der es im Mai 2026 in einer Bildergallerie amerikanischer Veteranen entdeckt und dies ans virtuelle Museum gemeldet hat.
Das originale Schwarz-Weiß-Foto wurde hochskaliert, die Gesichter nachgeschärft. Anschließend wurde es mit KI-Unterstützung koloriert. Das Gesicht von Thorton geht im Schatten seiner Mütze unter; es wurde durch ein Phantasiegesicht ersetzt. Die Flagge war nicht – wie hier von ChatGPT generiert, sondern in einem Rotton: In der Zeit des Zweiter Weltkrieg verwendete die US-Armee für die Artillerie die Waffenfarbe „Scarlet“ (Scharlachrot). Die typische Branch-Insignie der Field Artillery bestand aus zwei gekreuzten goldenen Kanonenrohren. Taktische oder Bataillonsflaggen waren nicht immer standardisiert. Viele Artillerieeinheiten führten rote bzw. scharlachrote Guidons oder Fahnen mit gelben/goldenen Kanonen („crossed cannons“) oder anderen Einheitssymbolen. Es gab aber keine einzige universelle „Artilleriebataillonsflagge“ für alle US-Artilleriebataillone im Krieg.
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zurück zur Organisationsstruktur der kämpfenden Truppe im Raum Bayerisch-Schwaben (die Google KI fasste dies am 21.5.2026 wir folgt zusammen):
Die Zugehörigkeit der 10. Panzerdivision (10th Armored Division) und der 44. Infanteriedivision (44th Infantry Division) zur 7. US-Armee in Bayerisch-Schwaben im April 1945 lässt sich zweifelsfrei durch offizielle militärhistorische Dokumente belegen. Historiker und das Militärgeschichtliche Forschungsamt stützen sich dabei auf folgende Nachweise:

– Offizielle Operationsberichte (After Action Reports - AARs): Die divisionsinternen, täglich geführten Berichte sowie die Kriegstagebücher des übergeordneten VI. US-Korps verzeichnen detailliert den Vormarsch. Die 10. Panzerdivision („Tiger Division“) und die 44. Infanteriedivision operierten hierbei unter dem Kommando der 7. US-Armee.

– Kartenmaterial und Frontverläufe: Die dokumentierten Routen zeigen, dass die Einheiten Ende April 1945 über den Neckar und die Schwäbische Alb in Richtung Donau und Lech vorstießen. Die Einnahme von strategischen Orten in Bayerisch-Schwaben (z.B. Ehingen, Füssen, Augsburg) ist exakt diesen Divisionen zugeordnet.

– Einheiten-Stempel (Unit Journals / Bumper Codes): Die taktischen Kennzeichnungen auf Divisionsfahrzeugen sowie die Stempel auf alliierten Befehlen belegen die operative Unterstellung unter das VI. US-Korps der 7. Armee.

– Archivierte Befehle (General Orders): Offizielle Direktiven (General Orders) der 6. US-Heeresgruppe (Army Group) listeten die 10. Panzerdivision und die 44. Infanteriedivision im April 1945 offiziell im Befehlsbereich der 7. US-Armee.Verifizierbare Zusammenstellungen dieser Truppenbewegungen finden sich im digitalen Archiv des U.S. Army Center of Military History sowie in den digitalisierten Beständen des U.S. National Archives (NARA). Spezifische Details zu den Kämpfen in der Region können in lokalen Geschichtsarchiven, wie dem Historischen Lexikon Bayerns, nachgelesen werden.

Die 10. Panzerdivision wurde im April 1945 von Major General William H. H. Morris Jr. geführt, während die 44. Infanteriedivision unter dem Kommando von Major General William F. Dean stand. Beide Divisionen operierten unter flexiblen, teils voneinander abweichenden internen Gliederungsstrukturen. Die genaue Zusammensetzung und Untergliederung der beiden US-Großverbände während des Vormarsches durch Bayerisch-Schwaben im April 1945 stellt sich wie folgt dar:

10. Panzerdivision (10th Armored Division – "Tiger Division")
US-Panzerdivisionen des Zweiten Weltkriegs waren nach dem "flexiblen" System organisiert. Sie besaßen keine festen Regimenter, sondern teilten ihre Kampfeinheiten je nach Auftrag variablen Kampfgruppen (Combat Commands) zu.
Die grundlegenden administrativen Einheiten waren:

– Führungstäbe (Combat Commands): Combat Command A (CCA), Combat Command B (CCB) und Reserve Command (CCR).
– Gepanzerte Bataillone: 3. Tank Battalion, 11. Tank Battalion, 21. Tank Battalion.
– Gepanzerte Infanteriebataillone (Armored Infantry): 20th, 54th und 61st Armored Infantry Battalion.
– Divisionsartillerie: 419th, 420th und 423rd Armored Field Artillery Battalion.
– Unterstützungseinheiten: 90th Cavalry Reconnaissance Squadron (Aufklärung), 55th Armored Engineer Battalion (Pioniere), 150th Armored Signal Company (Fernmelder) sowie Sanitäts- und Nachschubeinheiten.

44. Infanteriedivision (44th Infantry Division)
Infanteriedivisionen der US Army folgten im Gegensatz dazu einer klassischen, „triangulären“ (dreifachen) Feststruktur aus drei Regimentern:
– Infanterieregimenter: 71st Infantry Regiment, 114th Infantry Regiment und 324th Infantry Regiment.
– Divisionsartillerie (44th Infantry Division Artillery): 156th, 217th und 220th Field Artillery Battalion (105-mm-Haubitzen) sowie das 157th Field Artillery Battalion (155-mm-Haubitzen).
– Organische Divisionstruppen: 44th Cavalry Reconnaissance Troop (Mechanized) (Aufklärung), 63rd Engineer Combat Battalion (Pioniere), 44th Medical Battalion (Sanitäter) und die 44th Signal Company.

Beide Divisionen wurden beim Vorstoß oft temporär durch zusätzliche selbstständige Einheiten wie Panzerjäger-Bataillone (Tank Destroyer) oder Flak-Einheiten verstärkt, um strategische Schlüsselpunkte wie Brückenköpfe über die Donau und den Lech in Bayerisch-Schwaben schnell zu sichern.

Ab der Einnahme von Memmingen am 26. April 1945 spaltete sich der Vormarsch des VI. US-Korps der 7. US-Armee: Während die Panzerdivision rasant an der Alpenkante entlang nach Osten stieß, säuberte die nachrückende Infanteriedivision das schwierige alpine Gelände im Süden und sicherte die Bergpässe nach Österreich.

10. Panzerdivision (10th Armored Division)
Die Division nahm Memmingen am 26. April ein und befreite dort unter anderem das Kriegsgefangenenlager Stalag VII B. Unmittelbar danach startete sie ihren finalen, schnellen Vorstoß nach Südosten, um den Rückzug deutscher Truppen in die vermutete „Alpenfestung“ abzuschneiden:
Marschroute: Memmingen \ Mindelheim \ Schongau \ Oberammergau \ Garmisch-Partenkirchen.
Gefechte und Ereignisse: Der Vorstoß glich einem Wettlauf gegen die Zeit. Größere Panzerschlachten blieben aus, da die Wehrmacht weitgehend desorganisiert war. Dennoch kam es immer wieder zu Sperrfeuer durch deutsche Nachhuten, Scharmützeln mit SS-Einheiten und Verzögerungen durch gesprengte Brücken (insbesondere am Lech). Am 29. April besetzten die Spitzen der Division Oberammergau und Garmisch-Partenkirchen, womit für sie der Krieg praktisch endete.

44. Infanteriedivision (44th Infantry Division)
Die Infanteristen folgten den Panzereinheiten, bogen jedoch weiter südlich ab, um das Allgäu direkt in Richtung Tiroler Grenze zu durchkämmen.
Marschroute: Memmingen \ Kempten (Allgäu) \ Wertach \ Füssen \ Reutte (Tirol) \ Fernpass \ Imst im Inntal.
Gefechte und Ereignisse: Die Division stieß im gebirgigen Terrain auf hartnäckigeren, kleinteiligen Widerstand. Deutsche Einheiten verschanzten sich in Bergstellungen und blockierten Straßen mit Baumsperren. Nach der Einnahme von Füssen überschritt die Division die Grenze zu Österreich und stieß am Fernpass auf heftige Gegenwehr durch Gebirgsjäger-Reste und Flak-Batterien.
Historischer Schlusspunkt: Unmittelbar nach dem Durchbruch durch den Fernpass kapitulierte am 2. Mai 1945 bei Reutte/Füssen eine Gruppe deutscher Raketenwissenschaftler um Wernher von Braun vor Einheiten der 44. Infanteriedivision. Am 4. Mai schlug die Division ihr Hauptquartier in Imst auf.

Von Ulm an der Donau bis Tirol dauerten die Kampfhandlungen lediglich acht Tage! (Beispiele der jeweiligen Einnahme: Vöhringen, Dietenheim und Kellmünz am 25. April 1945 / Heimertingen, Schlegelsberg, Sontheim, Mindelheim und Memmingen am 26. April / Erisried, Ottobeuren, Kaufbeuren und Kempten am 27. April / Füssen am 29.4. / von von französischen Truppen: Oberstaufen, Immenstadt und Sonthofen am 30.4. / Hinterstein und Oberstdorf am 1. Mai 1945) (Quelle wie oben bereits erwähnt: Rudolf Vogel in Fassl, Karte auf S. 233)

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Abschriften, Übersetzung, Recherche: Helmut Scharpf (Ottobeuren), 05/2026

Urheber

diverse

Quelle

Sammlung Helmut Scharpf

Verleger

Helmut Scharpf

Datum

1945-07-25

Rechte

gemeinfrei