01.02.2026 – Wiedereröffnung des Klostercafés

Titel

01.02.2026 – Wiedereröffnung des Klostercafés

Beschreibung

„Wenn’s Café eröffnet, komme ich wieder!“ – Am 1. Februar 2026 war es dann so weit: Der Weg von einer technischen Krise hin zu einem modernen Ort der Begegnung, der fest in der klösterlichen Tradition verwurzelt bleibt. Dieser Beitrag dokumentiert die Wiedereröffnung des Ottobeurer Klostercafés beim „Tag der offenen Tür“.

1. Die „böse Überraschung“: Von der Krise zum Neuanfang

Das Klostercafé blickt auf eine herausfordernde Zeit zurück. Bis zum Corona-Lockdown 2020 wurde es von Familie Lilla – Roswitha und Günter Lilla – betrieben. Die geplante Wiedereröffnung nach der Pandemie scheiterte jedoch an einer „bösen Überraschung“, wie es Frater Tobias Heim im Jahresbericht 2021 der „Vereinigung der Freunde der Benediktinerabtei“ – im „Baubericht“ – beschreibt. Massive Wasserschäden durch Lecks an Heizkörpern und im Bereich der Theke wurden erst kurz vor dem Neustart entdeckt. Da das Wasser über lange Zeit unbemerkt austrat, war der Parkettboden großflächig zerstört.
Verwaltungsleiter Manuel Allgaier erinnerte sich in seiner Rede: „Was am Anfang nach einem rein technischen Problem ausgeschaut hat, hat sich letztendlich als doch relativ lange Geduldsprobe herausgestellt“. Die Abtei stand vor der Wahl, nur das Nötigste zu reparieren oder die Chance für eine grundlegende Neugestaltung zu nutzen. Man entschied sich für die vollständige Entkernung und ein neues Betriebskonzept.

2. Vision und Weiterentwicklung: Offenheit statt Stillstand

Für Manuel Allgaier war der Umbau mehr als eine Sanierung; es war ein Bekenntnis zur Zukunft des Klosters. Er betonte: „Ein Kloster hat natürlich eine lange Tradition [...] Und doch ist es keine Option, dass man im Stillstand verharrt, sondern man muss es auch weiterentwickeln und die Chance nutzen“. Der Anspruch an die neuen Räume war klar definiert: „Es ist größer worden. Ich denke, es ist sehr offen und sehr hell – und das war am Ende des Tages auch unser Anspruch.“
Das Staatliche Bauamt Kempten als Eigentümer der Liegenschaft spielte eine zentrale Rolle und verantwortete neben der Lüftungsplanung auch die Umsetzung des barrierefreien Zugangs. Ein besonderer Dank galt Abt Johannes Schaber (er war selbst nicht zugegen), der sich über Jahre beharrlich für dieses Projekt eingesetzt hatte.

3. Das architektonische Konzept: Mehr als ein Café

Die Umsetzung lag in den Händen des Büros Roever & Leeflang aus Kempten. Ihr Leitmotiv war von Beginn an ambitioniert: „Wir glauben an einen Ort, der mehr ist als ein Café, ein Ort des Miteinanders, ein Ort der Inspiration und ein Ort der Begegnung“.
Das Konzept stützte sich auf wesentliche Eckpfeiler:
Nachhaltigkeit und Kreislaufgedanke: Ein besonderes Detail ist die Thekenfront. Hier wurden die Teile des alten Parketts, die den Wasserschaden teilweise überstanden hatten, aufbereitet und wiederverwendet. DIe Stoffe für die Bezüge der Sitze bestehen zu 80% aus recyceltem Garn.
Langlebige und regionale Materialien: Zum Einsatz kamen Terrazzo, Naturstein, regionaler Nagelfluh sowie viel heimisches Holz.
Akustik und Sichtbezüge: Wandverkleidungen aus Holzfaser-Zement-Akustikmaterial sorgen für eine angenehme Atmosphäre, während die Raumgestaltung klare Sichtbezüge schafft, die den historischen Ort erlebbar machen.
Flexibilität und Barrierefreiheit: Die Räume sind so gestaltet, dass sie sowohl im Alltag als auch für festliche Anlässe generationsübergreifend nutzbar sind. Es besteht jetzt ein direkter Zugang zum Klosterladen.

4. Grußwort des Bürgermeisters

German Fries ordnete die Wiedereröffnung in einen größeren Zusammenhang ein. In seinem – auch für Landrat Alex Eder mit gehaltenen Grußwort – bezeichnete er die Klosteranlage als ein Ensemble mit „drei Zentren“:
Das Kloster mit Basilika als ein religiöses Zentrum von überregionaler Bedeutung, als ein kulturelles Zentrum, das Kunst beherbergt und Raum für vielfältige Veranstaltungen bietet. Und nicht zuletzt ist es auch ein wirtschaftliches Zentrum. Fries erinnerte daran, dass die letzten traditionelle Gasthäuser mit Namensbezug zum Kloster inzwischen verschwunden seien. „Deswegen freut es mich umso mehr, dass wir jetzt wieder den Begriff ‚Klostercafé‘ haben.“
Bemerkenswert war sein Hinweis, dass das Café auch ohne Konsumzwang ein Ort des Aufenthalts sein solle. Damit wurde das Café ausdrücklich als sozialer und kultureller Raum verstanden.

5. Handwerkliche Leistung bis zur letzten Minute

Die Fertigstellung war ein Kraftakt regionaler Firmen. Manuel Allgaier hob hervor, dass das Team rund um Schreinermeister Simon Guggemos noch bis zum Vortag der Eröffnung mit Hochdruck im Einsatz war. Beteiligt waren zudem Betriebe wie die Firmen Bolz (Elektrotechnik), Hoffmann (Heizung/Sanitär), der Malerbetrieb Hutter und Fliesen Walker.

6. Geistliche Aspekte: Gastfreundschaft nach dem Vorbild Jesu

Sogar auf den Speisekarten und den Servietten kann man zum spirituellen Aspekten etwas nachlesen, auf den Papierservietten z.B. ein Hinweis auf die Regel des Heiligen Benedikt: „Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus; denn er wird sagen: „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen.“ (53,1)

Den spirituellen Kern der Eröffnung bildete die Segnung der Räumlichkeiten durch Prior-Administrator Pater Christoph Maria Kuen. Er erinnerte daran, dass Gastfreundschaft ein tief christlicher Wert ist: „Herr Jesus Christus, du hast bei der Verkündigung des Evangeliums die Gastfreundschaft der Menschen angenommen und sie dafür reich belohnt“. Er bat darum, dass das Café ein Ort des Segens und der Gemeinschaft werde.
Pater Christoph Maria stellte zudem die Offenheit heraus, die in den Fürbitten zum Ausdruck kam: „Gebe, dass in diesem Klostercafé Menschen verschiedener Herkunft und Gesinnung einander achten und aufeinander Rücksicht nehmen.“ Mit einer Prise Humor versprengte Pater Christoph Maria „tüchtig Weihwasser“, was – wie er scherzte – natürlich „nichts koste“.

7. Kulinarik und Teamgeist

Das Café bietet Platz für 62 Gäste im Innenbereich und weitere Kapazitäten im malerischen Westhof unter den Arkaden. Die Leitung der Klostercafés hat Eszter Wittlinger inne, deren „Begeisterung und Energie“ von Pater Christoph Maria besonders gelobt wurde.
Hausgemacht: Alle Kuchen und Torten fertigt Klosterkonditor Matthias Leichtweis in der klösterlichen Küche. Mittags gibt es kleine wechselnde Gerichte.
Regional: Zutaten kommen, wann immer möglich, direkt aus dem Klostergarten, gepflegt von Frater Josef und Frater Nikolaus.
Frater Franz Maria unterstützt in der Küche und bei technischen Fragen.
Zusatzangebot: Ein neuer direkter Zugang zum Klosterladen verbindet Genuss mit Stöbern.
Stephanie Vögele – zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Klosters – hat eine attraktive Speisekarte entworfen, die nicht nur Speisen und Getränke auflistet, sondern auch auf geistliche Aspekte eingeht – bis hin zur Serviette (s. Foto).

Fazit: Ein Versprechen wird eingelöst!

Der enorme Zuspruch am Eröffnungstag gab den Verantwortlichen recht. Manuel Allgaier dankte den Gästen für ihre Geduld und Treue: „Sie haben immer gesagt: ‚Wenn’s Café eröffnet, komme ich wieder!‘ – und darum vielen, vielen Dank. Sie sind alle hier.“
Das Klostercafé ist nun wieder täglich (außer mittwochs) ein Ort der Gastlichkeit in Ottobeuren. Die Arbeiten am Außenbereich, der die Kapazität des Cafés nochmals verdoppelt begannen im März, bei Erstellung dieses Beitrags war er bereits in Betrieb. Noch in Arbeit: Die südseitige Wandfläche des Cafés wird Tierdarstellungen aus Kloster und Basilika abbilden.

Fotos, Recherche und Transkription: Helmut Scharpf, 05/2026

Urheber

Helmut Scharpf

Quelle

Helmut Scharpf

Verleger

Helmut Scharpf

Datum

2026-02-01

Rechte

gemeinfrei