Marktgemeinde Ottobeuren
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31.07.1739 – Kupferstich des „Gesundbrunnens" in Dankelsried  1772 Ottobeuren und Memmingen ziehen vor Gericht


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Schwere Vorwürfe gegen Ottobeuren, vom Anwalt Memmingens wird Klartext gesprochen:
Bei Einhaltung der Vorschriften hätte das Reichsgotteshaus „von allen weiteren Unternehmungen so lange gänzlich ablassen müssen", bis über deren Recht- oder Unrechtmäßigkeit ein oberster reichsrichterlicher Entscheid ergangen wäre. „Aber Ottobeuren, das nur andere, nicht aber sich selbst an die Gesetze  gebunden zu achten scheint, kümmerte sich wenig um das, was diese ausdrücklich verordnen, sondern folgte bloß dem, was die Leidenschaften befriedigen konnte." Anderen würde als Verbrechen angerechnet, was man sich selbst herausnehme!

Aber erst einmal von vorn:
Der Kupferstich (1739, Augsburg) zeigt die Mineralquelle im Weiler Dankelsried, das damals zum Unterhospital Memmingen gehörte. Schon vor dem Dreißigjährigen Krieg wurde die mineralhaltige Quelle für Trink- und Badekuren genutzt, prominente Gäste kamen aus dem In- und Ausland. Das Ende des Heilbades wurde von Dr. Alfred Weitnauer auf 1840 datiert. Schon die Jahre vor und nach 1800 dürften aufgrund der napoleonoischen Kriege schwer gewesen sein, man denke auch an das Jahr ohne Sommer (1816). Im nahen Krumbad wurde der Badeort gleichwohl mit einem großen Kostenaufwand modernisiert. All dies dürfte zum Niedergang des Heilbades Dankelsried geführt haben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lenkte der Ottobeurer Heimatforscher Karl Schnieringer mit seinem 1948 erschienenen Memminger Heimatbuch erneut die Aufmerksamkeit auf den „Dankelsrieder Sauerbrunnen. Unten den Abbildungen finden Sie oben auch eine schöne Grafik des Ottobeurer Grafikers Walter Geiger, der das höfische Gepräge der vornehmen adeligen Badegäste darstellte.
Gut 20 Jahre später: Zusammen mit dem Kneippverein Erkheim sorgte der damalige Besitzer der Quelle im sog. „Eichhölzle, Adolf Karrer ab ca. 1970 für eine Wiederbelebung. Die Quelle wurde neu gefasst und durch einen Fußweg erschlossen. Bis etwa um das Jahr 2000 wurde die Quelle erneut stark frequentiert. Aus einem Rohr kam Drainagewasser, aus dem anderen das begehrte mineralreiche Wasser. Schichten aus feinem Vogelsand (Ockererde?) und Lehm dürften für Qualität und Inhaltsstoffe verantwortlich sein. Landrat Dr. Hermann Haisch ließ seinen Fahrer Wasser für seinen Kaffee holen, sogar in der Weinwirtschaft zum Goldenen Löwen in Memmingen wurde es ausgeschenkt. Der Erkheimer Josef Bader hatte sich folgenden Spruch ausgedacht:
Trink Wasser aus dem Eichholzwald, dann wird du hundert Jahre alt."

Über dem Eingang zum ehemaligen Badhaus in Dankelsried findet sich noch heute eine Inschrift, die auf die usrprüngliche Bestimmung des Hauses verweist (s. Foto vom 21.8.2022).
Auf dem Oval des Architraves über dem Eingang ins Badhaus steht in Römischer Kapitalschrift: S.R.I.CIV. MEMMINGA FONTEM. MED. BALINEA SQ PTOCHEI. SVI RESTITVI CVRAV. (Des heiligen Römischen Reiches Stadt Memmingen ließ die Heilquelle und das Bad seines Spitals neu errichten.) Kein Mensch von heute kann ahnen, dass bis zur endgültigen Festlegung dieses Textes ein einhundertzweiundzwanzigseitiger Briefwechsel zwischen hochgebildeten Leuten stattfand, der nur darauf zielte, eine von Experten in Latein, Griechisch und Geschichte nicht zu beanstandende Inschrift für viele Jahrzehnte anzubringen, wenn nicht – wie geschehen – für Jahrhunderte.
Dankelsried war zum einen ein Ort für Badekuren, zum anderen für Trinkkuren. Zum Badhaus führte von der Quelle aus eine Wasserleitung (die Pumpstation wurde als „Wasser-Kunst" bezeichnet; hydraulische Widder gab es erst später), zum Trinken spazierte man entweder zur Quelle oder ließ sich das Wasser in Krügen bringen.

Der Memminger Gürtler Mathias Küchle fertigte die jetzt noch erhaltene Inschrift in für jeden Kenner erstklassiger Handwerksarbeit aus Messingbuchstaben nach Entwurf des Inspektors Miller für 13 fl. 3 x . 250 Jahre kündet ihr Inhalt von zur Tat gewordenem Willen und Stolz ihrer geistigen und handwerklichen Vollbringer dieses Werkes, welches ungewöhnlich wa r in seiner Umgebung zu dieser Zeit. Darüber hinaus sind in den Sandstein noch die Wappen der Reichsstadt Memmingen und des Unterhospitals eingearbeitet.
Das Portal trägt die Jahreszahl 1735.
Nichts, aber auch gar nichts wurde unbeachtet gelassen im Streben nach vollkommener Erfüllung jeglicher Notwendigkeit. Nicht nur der Bau, nein auch
die Reklame, heute das mit Wichtigste zum Vertrieb eines Produktes oder einer kommerziellen Sache, ist den Verantwortlichen wichtig erschienen. So gaben diese Männer einem Kupferstecher in Augsburg den Auftrag, zwei Platten anzufertigen mit dem Panorama des Bades und dies mit Badgästen, Hirten und Hornvieh. Die Kupferstiche geben uns ein lebendiges Bild des Betriebes in Dankelsried. Durch die Eintragung in dem Ausgabebuch vom 31. Juli 1739: „vor Brief-Porto nach Augsburg mit den Kupferplatten von Dankelsried 10x, so auch vom 26. August gleichen Jahres „vor Porto der Dankelsrieder Kupferplatten bezahlt 24 x'", wissen wir, daß der Künstler in Augsburg seßhaft war. Augsburg war ja auch für seine Kupferstecher berühmt . Wer der Mann aus Augsburg war, ist für uns bisher nicht erkennbar.

Nachdem der Abt von Ottobeuren in unmittelbarer Nähe – auf Erkheimer Gebiet – eine Konkurrenz-Quelle graben ließ, kam es zu einem heftigen Streit, der sich vor dem Reichskammergericht in Wetzlar Mitte 1772 bis Mitte 1775 hinzog.

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Wie sah man die Sache aus Sicht der Ottobeurer Geschichtsschreibung? Pater Maurus Feyerabend, unser größter Chronist, schrieb im vierten seiner Bände auf S. 145f über die Vorgänge im Jahr 1772:

„Inner dem hiesigen Gebietsbezirke kam es von Seite Memmingens zu einer unverhofften Gewalttätigkeit. Abt Honorat ließ unweit Erkheim einer in seinem Gebiete gelegenen Gesundheitsquelle tiefer nachsuchen, dieselbe fassen, und zum Gesundheitsgebrauche dienlicher machen. Etwa 100 Schritte gegenüber lag in dem Stadtmemmingischen Gebiete die andere sogenannte Dankelsrieder Gesundheitsquelle, worüber schon von längerer Zeit her ein Häuschen errichtet war, und welche, wie man vorgab, durch die ottenbeurische Quelle eine ziemliche Schwächung sollte erlitten haben. Wie ungerne man die benachbarte Quelle sah, bewies die Stadtobrigkeit bald dadurch, daß sie nach einiger Zeit eine bewaffnete Mannschaft an den Platz schickte, den von Ottenbeuren bestellten Aufseher in einer kleinen Entfernung mit Soldaten bewachte, die hiesigen Arbeiter von der Stelle hinweg jagte, und die Quelle selbst einschüttete. Jedoch Ottenbeuren kam bei der höchsten Reichskammergerichtsstelle zu Wetzlar klagbar dagegen ein, die Stadt ward zur nachbarlichen Ruhe, und Nachgiebigkeit angewiesen, und dem Stifte die Bestimmung alles Schadenersatzes von Rechtswegen zuerkannt.“

Bei Wiki Commons ist ein ähnlicher Kupferstich abrufbar, allerdings nur als Repro aus einem Druck (ohne Angabe der Quelle).

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Literaturzitat:
Lang, Karl, Stiba, Joachim, Wolf, Georg, Zeitner, Josef, Verlag des Heimatbundes Allgäu (Hrsg.): Dankelsried. Ein vergessenes Heilbad, Kempten, 1985, 128. S., ISBN 3-88019-001-1
Das Buch steht als textdurchbare pdf zur Verfügung (ca. 38 MB).

Sehr reizvoll ist die Beilage einer erläuternden Anleitung von 1740 („Instruction"), die von drei Ärzten herausgegeben wurde: Dr. Philipp Jacob Dittel (Phys. Senior), Dr. Johan David Wogau und Dr. Balthasar Ehrhart:

Literaturzitat:
Dittel, Philipp Jacob / Wogau, Johan David / Ehrhart, Balthasar: Medicinalische INSTRUCTION, von der Beschaffenheit/ Nutzen/ und Gebrauch des im Güntz-Thal gelegenen Danckelsrieder-Gesund-Brunnens, dem Lobl. Gottshauß Unter-Hospital Wohl-Loblicher Reichs-Freyen-Stadt MEMMINGEN zugehörig, 2. Auflage, Buchdruckerei Dav. Hummel, Memmingen, 1740, 29 S.

Dieses Dokument liegt nunmehr auch als Abschrift vor, was die Lesbarkeit deutlich verbessert. Zum besseren Verständnis wurde der Originaltext – in eckigen Klammern – mit Worterklärungen sowie Hyperlinks versehen

Dem Vorsitzendes des Heimatbundes Allgäu, Karl Milz, sei für die Genehmigung der Veröffentlichung des – sehr lesenswerten – Buches über Dankelsried herzlich gedankt. Für 14,80 Euro kann das Buch beim Heimatbund Allgäu nach wie vor erworben werden. (Link zum Heimatbund hier.)

Die Heimatpflege Erkheim veranstaltete 1985 ein „Badfest", mit Kostümen und Anwendungsbeispielen. Die Veranstaltung wurde im Film festgehalten, die Aufnahmen sind auf DVD verfügbar.
Am Rande der JHV des Heimatdienstes Ottobeuren m 15.11.2022 wird das Thema Dankelsried von Helmut Scharpf in einem Vortrag in Erinnerung gerufen, die Vorsitzende der Heimatpflege Erkheim, Sieglinde Singer, wird den Film mitbringen.
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Einige Drohnenbilder vom 25. August 2022 zeigen das Eichhölzle mit der Mineralquelle, südlich davon Dankelsried, östlich der Weiler Kreiwang, ein Blick mit dem nördlichen Ausläufer des Sandbergs – wo die Ottobeurer gegraben haben, eine Ansicht Richtung Westen auf Erkheim sowie eine direkt nach Süden (im Hintergrund rechts ist Sontheim zu sehen).
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Auch in Dickenreishausen gab es mal ein Heilbad – beschrieben im Spiegelschwab – Heimatbeilage der Memminger Zeitung, 11/1968, S. 41, Artikel „Heilbad Dickenreis!“ von Uli Braun. Außerdem sicherlich relevant, Ausgabe 06/2014, S. 23: Reichsherrschaft Erkheim (von Stadtarchivar Christoph Engelhard)

Der – aufwändig digital aufbereitete – Kupferstich stammt aus der Sammlung von Helmut Scharpf.